Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1911)
- Article
- Immigration - Arbeiterkonkurrenz - Arbeitsprotektionismus
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 76 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-3187691-3187696-3191266--3072-3191286- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 76 — zu den wichtigsten Aufgaben des geplanten allgemeinen Emigrationskongresses, den der heutige chaotische plan- und ziellose Charakter der jüdischen Wanderungen überhaupt und in jeder Beziehung als eine unumgängliche Notwendigkeit erheischt. Die rapid und systematisch anschwellende Welle der jüdischen Arbeiteremigration muß also in den Einwanderungsländern infolge der Zuspitzung der Konkurrenzverhältnisse zur Annahme von immer ausgedehnteren und verschärfteren aibeitsprotektonistischen Maßnahmen führen. Von diesem Gesichtspunkte aus muß es einem Jeden einleuchten, daß die gegenwärtige Krise der jüdischen Migration — die Kollision des steigenden Auswanderungsb edürfnisses und der abnehmenden Einwanderungsmöglichkeit — Die wirtschaftliche und soziale Von Dr. oec. p u b K J 2. Die erwerbstätige Bevölkerung. Die gesamte bei der Berufszählung erfaßte Volksmenge läßt sich hinsichtlich ihrer , Stellung zum Berufe in folgende vier große Gruppen zerlegen: An erster Stelle steht die Gruppe der Erwerbstätigen im Hauptberuf. Das sind jene Personen, welche in den Berufsabteilungen — Landwirtschaft, Industrie, Handel und Verkehr etc., Häusliche Dienste etc., Militär-, Hof-, bürgerlicher und kirchlicher Dienst, auch sogenannte freie Berufsarten — sei es selbständig, sei es in abhängiger Stellung tätig sind. Die zweite Gruppe bilden Dienende für häuslichen Dienst, welche ein Dienstpersonal darstellen, das im Hause des Arbeitgebers lebt. Zur dritten gehört die große Masse der Angehörigen, welche beruflich nach außen hin nicht hervortreten und die Mittel zur Befriedigung ihrer Lebensbedürfnisse nicht aus eigenen Kräften sich verschaffen können. An letzter Stelle stehen die sog. beruflosen Selbständigen, die zwar nicht erwerbstätig sind, aber auch nicht anderen Personen wirtschaftlich zur Last fallen. keine akut-temporäre, sondern eine dauerndchronische Erscheinung bildet. Wir haben auch im einzelnen nachzuweisen gesucht, wie die Mehrzahl der arbeitsprotektonistischen Maßnahmen ihre schärfste Spitze in der Regel grade gegen die jüdisch-proletarische Einwanderung richten. Angesichts dieser bedrohlichen Perspektiven wird die planmäßige und zielbewußte Organisation der jüdischen Wanderung, wie die Aenderung ihrer bisherigen Richtung und ihres Charakters, immer mehr zum dringendsten Gebot wie der jüdischen Arbeiterpolitik, so auch der allgemeinen auf demokratischen Prinzipien aufgebauten und von weiten nationalen und sozialen Gesichtspunkten getragenen Migrationspolitik. Lage der Juden in Deutschland. acob Segall, Berlin. (Portsetzung.) Wirtschaftsträger sind die Erwerbstätigen im Hauptberuf. Sie müßen ein Arbeitsquantum leisten, das groß genug ist, nicht nur ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen, sondern auch jene der übrigen Bevölkerungsschichten, vor allem der Angehörigen. Die Kopfzahl dieser „nützlich Arbeitenden" steht, so behauptet man, in einem natürlichen Zusammenhang mit der Größe des Bestandes der erwerbsunfähigen und erwerbsschwachen Bevölkerung. Mit anderen Worten: Je größer die Zahl der Kinder, Frauen und alten Leute wird, die das Volksganze belasten, umso größer muß auch die Zahl der Versorgenden werden, umso gesteigerter ihr Arbeitsaufwand. Diese Schlußfolgerung erscheint auf den ersten Blick so einfach und selbstverständlich, zumal die Entwicklung in Deutschland sie bestätigt, daß man leicht versucht ist, sie umzukehren und zu behaupten, die geringere Zunahme der Erwerbstätigen in einer Bevölkerung hänge mit der geringeren natürlichen Zunahme derselben zusammen. Da wir im Deutschen Reiche eine kräftige Volksvermehrung aufzuweisen haben, so mußte, um