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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1911-05-01 · Heft 5 (Mai 1911) · p. Seite 66

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
7 (1911)
Issue
Heft 5 (Mai 1911)
Article
Immigration - Arbeiterkonkurrenz - Arbeitsprotektionismus
Date
1911-05-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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— 66 — Jahr Gelernte Arbeiter .— (skllled) Prozent Ungelernte Arbeiter ~ (unskiüed) Prozent III. i. n Ä «> Hc? S I 5 J= 00 O w Prozent Prozent von 1. und II. ZU' samnien 1899 12276! 32,8 52d3 14,3 19689 52,5 47,1 1900 21047! 34,7 9484 15,6 29980 49,3 50,3 1901 18352! 31,6 7745 13,3 31707 54,5 44,9 19* 12 17841! 30,9 13616 23,6 25952 45,0 54,5 1903 27071! 35,5 1748) 22,8 31152 40.9 58,3 1904 45109 1 42.5 21799 20,5 38485 36,2 63,0 1905 60135' 46,3 21741 16,7 46871 36,0 63,0 1906 51141: 33,2 24370 15.8 77143 50,0 49,0 Aus dieser Tabelle ist der vorwiegend pro- I letarisehe Charakter der jüdischen Auswan-; derung ohne Weiteres klar zu ersehen. Denn es kann wohl schwer bezweifelt werden, daß die überwiegende Mehrheit aller in den Rubriken I.—III. angeführten Schichten zu den „proletarischen Existenzen" im weitesten Sinne des Wortes gezählt werden können. — Besonders bezeichnend ist in dieser Beziehung für die soziale Struktur der jüdischen Emigration, daß die Handelsklasse sich in ihr mit einem unbedeutenden, und zwar während der ganzen Zeit fast konstanten Prozentsatze (4—5 pCt.) beteiligte. Andererseits zeigt auch die Kategorie von Personen ohne bestimmten Beruf (Rubrik III) im allgemeinen eine absteigende Tendenz. Das dynamische stets wachsende Kontingent der Emigranten bilden also die arbeitenden Massen, wie es aus der letzten Rubrik unserer Tabelle klar zu ersehen ist. Zu diesem Ergebnis gelangt denn auch Dr. K. Vornberg: „Unter den jüdischen Arbeitern wächst die Emigraj tion nicht nur rapid, sondern auch systej matisch." (loc. cit. p. 92.), was, wie wir j sehen werden, für das weitere Schicksal der j jüdischen Auswanderung von größter Tragj weite sein muß. j Daß die wirksamsten Triebfedern der j jüdisch-proletarischen Auswanderung in den j sozialen und nationalen Verhältnissen der j Auswanderungsländer zu suchen sind, liegt j wohl auf der Hand. Ist ja Rußland, das wichtigste der Aus Wanderungsländer, die Stätte der schärfsten politischen Reaktion, I des chauvinistischen Zentralismus, der wirtschaftlichen Stagnation, der religiösen und nationalen Intoleranz und — nicht in letzter Linie — des tief eingewurzelten gesellschaftlichen, rechtlichen und ökonomischen Antisemitismus. In den Ein Wanderungsländern aber, die ja von den meisten jener reaktionären Faktoren frei sind, sollten da die Verhältnisse nicht ganz andere sein? Wie ist die gegenwärtige Krise der jüdischen Wanderung zu erklären? Wodurch wird die stets wachsende antialienistische Bewegung hervorgerufen und genährt? Wer sind ihre Träger? Gehen ihre Wurzeln auch auf die dunkeln Mächte der absterbenden Vergangenheit zurück? Für die Beurteilung des ferneren Schicksals der jüdischen Einwanderung und also auch der Lösungsmöglichkeiten der sich zusehends verschärfenden Krise ist die Beantwortung dieser Fragen von grundsätzlicher Bedeutung. Aus welchen Elementen rekrutiert sich also die Antialienisten-Bewegung in den Einwanderungsländern? In erster Reihe sind es natürlich die vom Kapitalismus arg bedrängten ortsansässigen kleinbürgerlichen Existenzen, die sich verzweifelt gegen die Konkurrenz der neu zuwandernden jüdischen Händler und Handwerker mit allen Kräften wehren. Tritt ja grade diese soziale Schicht überall und stets als Hauptträgerin des Antisemitismus auf. Nun ist es aber nicht minder bekannt, daß auch die Arbeiterschaft der Immigrationsländer besonders in der letzten Zeit bewußt und ausgesprochen einwanderungsfeindlich gestimmt ist. LTnd es ist selbstredend kein Zufall, daß auf den internationalen Arbeiter- und Sozialisten-Kongressen die Delegierten der Einwanderungsländer fast einmütig die weitgehendsten Immigrationsbeschränkungen beantragten, während die Delegierten der Auswand erungs- und derjenigen Länder, wohin keine bedeutendeArbeitereinWanderung sich ergießt, für die grundsätzliche Einwanderungs-

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