Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1911)
- Article
- Die jüdische Presse in Rußland
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 23 (sequence 2)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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Davon erschienen: 1) in der jüdischen Jargonsprache — 13, 2) „ „ hebräischen Sprache — 7, 3) „ „ rassischen „ — 8, » 4) „ „ polnischen „ — 1, ' 5) „ „ pharsischen „ — 1. Die letztere Sprache ist eine Lokalsprache der kaukasischen Bergjuden. Von diesen 30 Organen erschienen: a) täglich — neun; davon sieben in der Jargonsprache und zwei in der hebräischen Sprache; (in den übrigen Sprachen, auch in der rußischen gab es kein einziges Tageblatt), b) wöchentlich — 14; davon in der russischen Sprache — fünf, „ hebräischen — vier, „ „ Jargon „ — vier, „ „ polnischen „ — eines. Die übrigen Organe waren zwei wöchentliche, Monatsschriften, vierteljährliche etc. Die Zahl der Exemplare der einzelnen Organe läßt sich nur schätzungsweise ermitteln; man schätzt die Jargonpresse auf 145—160 Tausend, „ hebräische Presse auf 18—21 Tausend, russisch-jüdische Presse auf 13—15 Tausend. Wenn man ferner den Umstand in Betracht zieht, daß die Jargonpresse vorzugsweise, über 9/10, aus Tagesblättern besteht, während die hebräische und russische Presse, besonders letztere hauptsächlich aus Wochenblättern besteht, so läßt sich hieraus der politische und kulturelle Wert der Jargonpresse, besonders bei den breiten jüdischen Massen, leicht ermessen. Dem Alter nach läßt sich die jüdische Presse in Rußland wie folgt einteilen: Es sind ein Jahr alt — 7, zwei „ ,, — 7, 3—5 „ „ — 10,' (3—10 „ „ — 3, üb. 10, „ — 3. Das älteste jüdische Blatt Rußlands ist die polnische „Izraelita"; sie zählt 46 Jahre; das Zweitälteste ist die hebräische „Hazefira" — 37 Jahre mit manchen Unterbrechungen; dann kommt die einzige hebräische Monatsschrift „Haschiloach." Die großartige EntWickelung der Jargonpresse ist allerjüngsten Datums; «ie datiert erst seit 3—4 Jahren. Das älteste Jargonblatt ist das in Petersburg gegründete und jetzt in Warschau erscheinende Blatt «Freund". Im Jahre 190(> hat Jatzkap den neuen Typus der Jargonpresse geschaffen: in gedrängter und interessanter Form möglichst populär die allerletzten Tagesneuigkeiten den jüdischen Massen in Form eines billigen Boulevardblattes zugänglich zu machen. Auf der bewegten jüdischen Gasse der damaligen Zeit hat diese Art Presse einen gewaltigen Anklang gefunden, und seither hat die Jargonpresse die jüdische Gasse erobert. Im Gegensatz zu der übrigen ernstpublizistischen jüdischen Presse Rußlands ist die jargonische Presse nicht auf einem Stamm ständiger Abonnenten aufgebaut-, sondern nur auf dem Einzelverkauf, und in allen größeren jüdischen Orten ist der jüdische Zeitungsmann eine unentbehrliche Figur geworden. Wie es ganz natürlich ist, hat jede Presse ihr besonderes Zentrum: die Jargonpresse hat ihr Zentrum in "Warschau, wo fünf Tagesblätter und zwei Wochenblätter erscheinen; die ernste russisch-jüdische publizistische Presse ist natürlich in Petersburg konzentriert; die hebräische Presse ist in Wilna am meisten vertreten, kleinere Zentren bilden noch Odessa und Lodz. Was die Parteirichtung betrifft, so ist die vorherrschende Richtung die nationale und zionistenfreundliche. Fast die gesamte Jargonpresse gehört jetzt dieser Richtung an, allerdings mit abweichenden Schattierungen. Die Tagesblätter „Moment", „Gut Morgen" (Odessa) und „Unser Leben" sind zionistisch gesinnt, obwohl keine Parteiorgane: streng national und zionistenfreundlich ist das verbreitete Jargonblatt „Haint", national und demokratisch ist der „Freund", das älteste und ernsteste Jargonblatt. Die hebräische Presse ist mit einer kleinen Ausnahme durchweg zionistisch; in dieser