Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 7 (1911)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1911)
- Article
- Die Juden in Bulgarien
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2650397-3187691-3187692-3191058--2917-3191087- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
treten. Daran schließen sich an Plovdiv, Kustendil, Vidin, Rousse und Bourgas, lauter Departements mit einer Prozentnorm über dem Durchschnitt. Bei den Katholiken und Protestanten finden wir keine den Juden analoge Verteilung auf die einzelnen Departements, namentlich von den Katholiken ist nur ein geringer Teil in der Hauptstadt ansässig. Dies läßt darauf schließen, daß sie nicht in demselben Maße wie die Juden Stadtbewohner sind, daß sie infolgedessen auch in ihren beruflichen und gesamten wirtschaftlichen Verhältnissen von den Juden vollständig verschieden sind. An dieser Stelle wollen wir sofort auf die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Bulgarien einen Rückblick werfen, worüber Tabelle II Aufschluß gibt. Bulgarien nach Tabelle II. den Volkszählungen 1881 bis 1905. Jahr G.-Bev. jGr.-Orth R.Kath. Prot. Israel. Proz. d. Isr. 1881 1887 1892 1900 1905 2007919 3154375 3310713 3744883 4035575 1404409 2424371 2606786 3019999 3344790 5562 18505 22617 28569 29684 359 1358 2384 4524 5644 14342 1 0,72 24352 | 0,77 28307! 0,86 33663! 0,90 37656 j 0,93 Die Gesamtbevölkerung betrug 1881 2 007 917, i. J. 1905 4 035 575, hat sich also in 25 Jahren verdoppelt. Die Bevölkerungszunahme ist günstig. Ob dieser Zuwachs auf die natürliche Bevölkerungszunahme durch Geburtenüberschuß zurückzuführen ist oder auf Einwanderung, werden wir bald feststellen. Die Zahl der Juden hat sich nahezu verdreifacht. Noch weit stärker war die Zunahme bei den Katholiken und Protestanten. Doch scheint aus einer Bemerkung im Statistischen Jahrbuch hervorzugehen, daß von 1881 bis 1887 einige Departements hinzugekommen sind, weshalb bei der Bevölkerungsbewegung die Angaben für die Jahre 1881 bis 1887 nicht das ganze heutige Königreich Bulgarien betreffen. Es ist in der Tat während dieses Zeitraums eine sprunghafte Zunahme sowohl der Bevölkerung im ganzen als auch der einzelnen Konfessionen zu beobachten. Vergleicht man den „Istbestand" auf grund der Volkszählungen für die Gesamtbevölkerung und die Juden mit dem „Sollbestand", der sich auf grund der natürlichen Bevölkerungszunahme (Zahl der Lebendgeburten minus Sterbefälle Geburtenüberschuß) ergibt, so betrug die „Sollbevölkerung" im ganzen i. J. 1892 3 871 515, i. J. 1900 3 726 338, 1905 4 076 960. Die Sollbevölkerung wich demnach nicht sonderlich von der „Istbevölkerung" ab, namentlich bei den letzten beiden Volkszählungen. Für die Juden lauten die Zahlen: 1892 26 539, 1900 33 314, 1905 37 194. Hier zeigt sich allerdings eine Abweichung von der „Istbevölkerung." In dem Jahrfünft 1887 bis 1892 hat eine Einwanderung von 1768 Juden stattgefunden; von 1892 bis 1900 sind eingewandert 349 und im letzten Jahrfünft 462 Juden. Von einer starken Einwanderung innerhalb der letzten 15 Jahre kann also nicht die Rede sein. Die immerhin beträchtliche Zunahme ist deshalb hauptsächlich auf die Fruchtbarkeit der bulgarischen Juden zurückzuführen, die aber, wie wir später sehen werden, im starken Rückgang begriffen ist. Schon oben haben wir erwähnt, daß fast Vi der gesamten jüdischen Bevölkerung Bulgariens in Sofia wohnt, d. h. in einer Stadt sich zusammendrängt. Schon hieraus konnte man entnehmen, daß auch in Bulgarien die Konzentration der Juden beträchtlich ist. Sie wird veranschaulicht durch folgende Tabelle, Verteilung auf Stadt Tabelle III. und Land i n Bulgarien 1900 und 1905. Jahr In den Städten In den Dörfern Ges.'Bev. Gr.-Orth. Kath. Prot, j Israel. Ges.-Bev. j Gr.-Orth. Kath. Prot. | Israel. 1900 1905 745560 789689 581473 628959 8973 8256 2590 3675 32484 36097 2998723! 2438526 3245886 j 2717560 19596 21428 1934 1179 2969 1559