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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-10-01 · Heft 10 (Oktober 1910) · p. Seite 147

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 10 (Oktober 1910)
Article
Judenwanderung in Preussen
Date
1910-10-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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— 147 Uberblicken wir zunächst das Gesamtbild, so sehen wir, daß in der Periode von 1880 bis 1905 eine Zuwanderung nur nach der Stadt Berlin und der Provinz Brandenburg — davon dürften wohl aber ausschließlich die Vororte Berlins in Frage kommen, während aus den anderen Orten der Provinz eine Abwanderung stattgefunden haben dürfte, — erfolgt ist; dieselbe beträgt 54 547 Seelen. Demgegenüber haben alle anderen Provinzen eine starke Abwanderung, nämlich von 85920 Seelen, zu verzeichnen. Von den letzteren sind also 54547 nach Berlin gewandert, während der Eest von 31373 für Preußen vollständig verloren gegangen ist. Dies bedeutet eine ganz gewaltige Schwächung der preußischen Judenheit; über 1200 Personen sind durchschnittlich jährlich einfach verschwunden. In Wirklichkeit sind noch viel mehr Personen verloren gegangen; ein Teil dieses Verlustes wird aber dadurch aufgewogen, daß eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Juden aus den anderen deutschen Bundesstaaten und auch aus dem Auslande nach Preußen, insbesondere nach Berlin und seinen Vororten zugewandert ist Die Zahl von 31373 stellt ja nur den reinen Passivsaldo dar, der sich bei Berücksichtigung der Zuwanderung ergibt. "Wo nun die 31373 Personen geblieben sind, läßt sich nicht feststellen. Daß andere deutsche Bundesstaaten das Ziel ihrer Wanderung gewesen sind, wird nur in geringem Maße der Fall sein. Dagegen dürfte in den ersten Jahren der Vergkichsperiode, Ende der 70 er und 80 er Jahre, eine ziemlich starke Auswanderung nach Amerika stattgefunden haben. Dies beweisen auch die hohen Abwanderungsziffern der ersten Jahrfünfte der Tabelle, denen gleich hohe Zuwanderungsziffern für Berlin und die Provinz Brandenburg nicht gegenüberstehen. Ein Teil des Verlustes ist auch auf das Konto der Austritte aus dem Judentum zu setzen. Diese und die bekannte geringe Geburtenziffer der preußischen Juden beeinträchtigen die erschreckende Abnahme ihrer Bevölkerungszahl nicht unwesentlich. Um Mißverständnissen vorzubeugen, erscheint es notwendig, hervorzuheben, daß die absolute Zahl der jüdischen Bevölkerung Preußens nicht etwa um die oben genannte Verlustziffer von 31373 abgenommen hat. Vielmehr hat sie um 45 711 zugenommen. Diese Zunahme ist durch den tatsächlich noch vorhandenen Geburtenüberschuß sowie durch den Zuzug aus außerpreußischen Staaten bedingt. Die Verlustziffer von 31 373 bedeutet nur,daß die Zunahme durchZuzug undGeburtenüberschuß um 31373 Seelen verringert worden ist, daß sie um 31373 Seelen stärker gewesen wäre,wenn diese nicht verloren gegangen wären. Im einzelnen ersehen wir aus der Tabelle, daß die Abwanderung von 1880—1905 in der Provinz Posen am stärksten war; sie betrug 31381, also fast genau so viel als ganz Preußen verloren hat. Alsdann folgen Westpreußen mit 15 176 und Schlesien mit 13 854 Personen. Am geringsten war der Verlust in den Provinzen Hessen-Nassau (144) und Sachsen (958). Hier sind die Juden also bodenständiger als in den übrigen preußischen Provinzen; die außerordentlich geringe Verlustziffer von Hessen-Nassau erklärt sich wohl durch die größere Seßhaftigkeit der Juden in Frankfurt a. M. überhaupt und den Zuzug von süddeutschen Juden nach Frankfurt a. M. Immerhin hat auch Hessen-Nassau einen Wanderungsverlust aufzuweisen, und Berlin mit seinen Vororten ist, wie gesagt, das einzige Zentrum, welches größere Mengen von Juden an sich zieht. Nirgends sonst finden wir einen Wanderungsüberschuß. Etwas anders stellt sich die Sachlage dar, wenn w7ir nicht die ganze Vergieichsperiode, sondern die einzelnen Jahrfünfte für sich allein betrachten. In der ersten Periode, die nur drei Jahre (1877—1880) umfaßt, ist bereits Berlin liebst Brandenburg der einzige Bezirk mit einer Zuwanderung; diese hat auch während der übrigen Perioden fortgedauert. Sie ist schon im folgenden Jahrfünft auf 6243 — wir fassen den Stadtkreis Berlin und die Provinz Brandenburg stets zuzammen — und von 1885 bis

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