Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1910)
- Article
- Die Ergebnisse der Berufszählung von 1907 für die Juden in Preußen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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— 99 — angeliörigen? Hier werden die Juden als Teil der Gesamtmasse betrachtet. Es waren erwerbstätige Juden im weiteren Sinn unter je 100 Konfessionsangehörigen 1,08. In den einzelnen Berufsabteilungen ist ihr Anteil sehr verschieden. In Landwirtschaft, Industrie etc, Häusliche Dienste bleiben sie hinter dem Durchschnitt zurück, dagegen ist ihr Anteil viermal so groß im Handel und Verkehr (4,41%). Diese Erscheinung ist so bekannt und bereits soviel erörtert, daß wir auf sie nicht näher einzugehen brauchen. Im großen und ganzen hat sich die Berufs Verteilung unter den Juden in den letzten Jahrzehnten nicht allzusehr geändert. Auch heute noch sind sie am stärksten im Handelsstande vertreten. Es beginnt aber bereits ihre Beteiligung in der Industrie stärker zu werden. Das werden wir später bei dem Vergleich mit der Berufszählung von 1895 beobachten können. Beträchtlich ist auch der Prozentsatz der Juden in der Abteilung E. Hier sind es vor allem die freien Berufe, denen sich die Juden stark zuwenden. Verschwindend gering ist der Anteil der Juden in der Landwdrtschaft. Die Erscheinung, daß das bewegliche Kapital aus dem Handel allmählich abtließt und sich in unbewegliches verwandelt, d. h. in Grund und Boden festgelegt wird, beginnt sich neuerdings auch bei den Juden bemerkbar zu machen, doch ist sie noch nicht so ausgeprägt, daß sie in der beruflichen Gliederung der Juden zum Ausdruck kommt. Die zweite Frage lautet: Wie verteilen sich die beruflich tätigen Juden auf die einzelnen Berufsabteilungen? Hier handelt es sich um die innere Struktur der Berufsniasse. Zwei Momente fallen bei der Betrachtung der Tabelle auf; einmal, daß sowohl bei den Evangelischen wie Katholiken bereits weniger als 1/z der gesamten Berufsbevöikerung landwirtschaftlich tätig ist. Die Zeiten, wo die Landwirtschaft prädominierend war, die Zeit des Agrarstaates, ist längst vorüber. Es überwiegt die Industrie. Von den Katholiken ist fast die Hälfte in der Industrie beschäftigt. Bei den Juden ist naturgemäß die Vertretung im Handel am stärksten. Mehr als die Hälfte aller Juden gehören dem Handels stände an, doch sind bereits 25 % auf industriellem Gebiete tätig. Außerordentlich wenig Juden befinden sich in der Berufsabteilung D, da bei ihnen Lohnarbeiter wechselnder Art nur selten vorkommen. Weit höher als die übrigen Konfessionen sind die Juden in der Abteilung F, welche die beruflosen Selbstständigen umfaßt, vertreten. Von je 100 Juden sind 13,97 beruflos Selbständige, von den Evangelischen und Katholiken nur 8. Doch ist diese Erscheinung durchaus nicht immer als günstig zu betrachten, namentlich wenn sich unter denselben, wie das bei den Juden der Fall ist, mehr Frauen als Männer befinden. Wenden wir uns nun Tabelle II zu, welche nur die im Hauptberuf Erwerbstätigen umfaßt. Hier verschiebt sich das Bild, welches wir in Tab. I gewonnen haben, kommt aber jedenfalls der Wahrheit näher. Man muß nämlich berücksichtigen, daß vor allem durch Einbeziehung der Haushaltungsangehörigen in die einzelnen Berufsabteilungen in manchen derselben die absolute Zahl der beruflich Tätigen stärker war, als sie in Wirklichkeit ist. Infolgedessen tritt in dieser Tabelle die berufliche Gliederung der Juden sowohl wie der übrigen Konfessionsangehörigen erst klar zu Tage. Natürlich hat sich nicht das Gesamtbild geändert, doch sind folgende Abweichungen zu konstatieren. Nach Tabelle II ist der Anteil der Juden am Handel unter der Gesamtmasse noch etwas höher als 4,41 %, ebenso in der Industrie und unter den beruf los Selbständigen, dagegen fast 0 unter den häuslichen Dienstboten. Dies ist darauf zurückzuführen, daß in der Berufsabteilung : Häusliche Dienstboten und Lohnarbeiter wechselnder Art die Dienenden im Hause weggefallen sind. Was die Verteilung der Juden in den einzelnen Berufsabteilungen anlangt, so beträgt ihre Vertretung im Handel in Wirklichkeit nur 48,55 Es sind also