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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. Seite 88

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
Die Statistik im Dienste der jüdischen Gemeinde
Date
1910-06-01
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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— 88 — Notwendigkeit der Statistik im Dienste der j jüdischen Gemeinde von selbst erkennt und als j ihre Aufgaben im wesentlichen dieselben bej zeichnet, die wir darzustellen uns eben bemüht j haben, berechtigt uns zu dem Schlüsse, daß j in der Tat jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, wo j die j üdis che Statistik aus dem Rahmen der reinen ' Wissenschaft heraustritt, um sich praktisch j in der Gemeindeverwaltung zu betätigen, j Wir entnehmen dem lesenswerten Aufsatz folgende wichtige Stellen: „Wer immer über Gemeindeverhältnisse zu urteilen sich berufen fühlt, muß zunächst trachten, sich über die Gemeinde selbst, deren Zusammensetzung, deren Entwicklung durch die Volksbewegung zu informieren und sich so Einblick in deren Verhältnisse zu verschaffen. Nichts vermag dies besser zu tun als das Studium der Statistik, welche das vielgestaltige Konglomerat der Gemeinde in Ziffern zum Ausdruck bringt. Nun herrscht gerade in dieser Beziehung die größte Unkenntnis und man hört und liest Ziffern, w7elche mit den tatsächlichen Verhältnissen nicht im Entferntesten in Einklang gebracht werden können. Kein Wunder, wenn die Schlüsse, welche aus denselben gezogen werden, sich als Trugschlüsse erweisen, bei welchen die Fehler der Prämissen nicht bloß in gleicher Weise, sondern, wie dies bei Trugschlüssen stets der Fall ist, in potenziertem Maße sich bemerkbar machen." Besonders beachtenswert sind die Ausführungen des Verfassers über die Aufgaben der Statistik im Dienste des Armenwesens. Nachdem er zu dem Ergebnis gekommen ist, daß die Vermehrung der jüdischen Bevölkerung in Wien in den letzten Jahren allem Anschein nach fast ausschließlich durch Zuzug erfolgte, wodurch sich, da das Zuströmen von auswärts nur durch die bessere Aussicht auf Erwerb oder Unterstützung erfolgt, das sehr fühlbare Anwachsen der Not unter der jüdischen Bevölkerung erkläre, fährt er fort: „Dieses Anwachsen des Notstandes ziffernmäßig zu erforschen und gleichzeitig einen Überblick über die zur Bekämpfung der Not verfügbaren Mittel zu erlangen, wäre die erste Voraussetzung einer wirksamen Reorganisation des Armen wesens. Wir glauben unser Referat nicht besser schließen zu können als mit den Worten Dr. Bergers: „ Wenn einmal in allen, erwähnten Richtungen die Lücken unserer Gemeindestatistik ausgefüllt sein werden, wird es erst möglich sein, von der Struktur der Gemeinde, von ihrer Entwicklung und ihren Bedürfnissen ein richtiges Bild zu gewinnen. Vielleicht wird dasselbe ein anderes sein, als wir es uns gegenwärtig vorstellen und wünschen- Aber immerhin ist es besser, in das, wrenn auch nicht verlockende, Spiegelbild der Wahrheit zu blicken, als in ein noch so unangenehmes Bild der Phantasie." Der Rüssensls Von Dr. Arthu Ein Wiener Arzt, Dr. Ignaz Zollschan, hat unter dem Titel „Das Rassenproblem unter besonderer Berücksichtigung der theoretischen Grundlagen der jüdifchen Rassenf rage" (491 Seiten. Wien 1910, Wilh. Braumüller's Verlag) ein Buch geschrieben, das wir all denen w^ärmstens zur Beachtung empfehlen, die sich für das jüdische Rassenproblem interessieren. ZwTar ist das Buch nicht ohne Fehler. Der Stoff ilz der Juden. r Ruppin, Jaffa. ist nicht überall gleichmäßig durchgearbeitet und manche Kapitel sind mehr ein Mosaik von Zitaten als die einheitliche Behandlung des Themas. Der innere Aufbau des Buchs könnte einfacher, die Gedankenfolge geschlossener sein. Aber trotz dieser Fehler, welche die Lektüre des Buches erschweren, bleibt es ein wertvolles Buch. Es geht in der Fragestellung den Dingen auf den Grund, und es ist dem Verfasser zu danken, daß er sich

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