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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. Seite 76

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in der Provinz Posen und das Ostmarkenproblem
Date
1910-05-01
Page
Seite 76 (sequence 12)
Language
German
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— 76 — verleiht in seiner im Auftrag des „Vereins für Sozialpolitik" gefertigten Studie über die kleineren Städte der Provinz nur dem allgemeinen Urteil alier objektiv Denkenden Ausdruck, wenn er sagt: „Mag man über den nationalen Wert der Juden denken, wie man will, jedenfalls ist die Abwanderung als Verlust auf deutscher Seite zu buchen..... Mancher könnte sogar geneigt sein, die Abwanderung der Juden als besonders schweren Verlust zu bezeichnen, da der jüdische Kaufmann besonders geschäftstüchtig und deshalb besonders widerstandsfähig ist, und wohl auch am ehesten das Geschick hat, Verkehrsbeziehungen zu der polnischen Bevölkerung zu unterhalten." Es sind nun von kaufmänni s c h er Seite die Mittel angegeben werden, die tauglich wären, um den Handel und damit das Judentum wieder zu kräftigen. Es handelt sich nicht um weniger und mehr als um einen Bruch mit der ganzen bisherigen Wirtschaftspolitik. „Öffnung des sich mehr und mehr abrundenden und abschließenden Wirtschaftssystems" heißt die Devise, wie Bernhard ganz richtig ausführt. Im einzelnen wird die Lösung des Verhältnisses der Ansiedlungskommission zu den landwirtschaftlichen Genossenschaften und Unterlassung der Gründung von Ein- und Verkaufsgenossenschaften gefordert. Allein diese Forderungen haben wenig Aussicht auf Erfüllung. Die Regierung erwartet von dem neuen System Erfolg und wird sich darum schwerlich zu einer Änderung entschließen. So wird die Situation bleiben wie bisher: „Auf deutscher wie auf polnischer Seite Organisationen, die die Tätigkeit der Juden in Posen und Westpreußen einengen, indem sie den agrarischen Zwischenhandel ausschalten und teils offen, teils heimlich antisemitische Strömungen verstärken und ausnutzen. . . eine wirtschaftliche Situation und eine gesellschaftliche Stimmung, die den Juden den Aufenthalt verleidet" (Bernhard). Gleiche Ursachen werden auch fernerhin I gleiche Wirkungen zeigen. Die A b - Wanderung wird anhalten, und wohl nur zu spät wird die Regierung einsehen, daß sie zwar den Teufel vertrieben hat (durch Stärkung der deutschen Organisationen) aber nur mit dem Beelzebub (durch Aufopferung der Juden)! Die Vitalität der jüdischen Geiraen. Dr. oec. publ. j a c Dem von dem Bureau für Statistik der Juden in Angriff genommenen Q uellen wer kzur Gesamtstatistik der Juden entnehmen wir einige auf die Vitalität der jüdischen Geburten bezüglichen Tabellen. Wir wollen an dieser Stelle das Thema nicht erschöpfend behandeln und nur einen Teil des vorhandenen Materials publizieren, indem wir die Vitalität der jüdischen Geburten in einigen Ländern vergleichen. Wir werden später auf die Ursachen der Totgeburt, die physiologischer und sozialer Natur sind, ausführlich zurückkommen. Statistisches Material für die Frage liefert die preußische, bayerische, hessische, russische, österreichische, galizischeund ungar- 0 b S e g al 1, Berlin. 1 ische Statistik. Besonders reichhaltig' inbezug I auf Kombinationen ist die preußische und ■ bayerische Statistik. Beide geben beispielsweise die Möglichkeit, den Zusammenhang zwischen Legitimität und Vitalität, ferner zwischen Geschlecht und Vitalität zu untersuchen. Diese überaus interessanten Tabellen werden bei der eingehenderen Erörterung des Problems zur Veröffentlichung gelangen. Wir beschränken uns hier darauf, die einfachen Tabellen über die Vitalität der Geburten in Bayern, Österreich, Ungarn, Galizien und Rußland zum Vergleiche heranzuziehen. Tab. I. — Totgeburten in Bayern — zeigt, daß der Prozentsatz der Totgeburten in rein israelitischen Ehen im allgemeinen

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