Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- Beiträge zur jüdischen Rassenfrage
- Date
- 1910-03-01
- Page
- Seite 41 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 41 — äußeren Lebensverhältnissen der Infektion aussetzen. Hier wäre z. ß. eine wissenschaftliche Nachforschung sehr interessant und wichtig, oh die angesiedelten Deutschen in Palästina wirklich viel stärker von der Malaria ergriffen werden und, wie man behauptet, zur Sterilität neigen, während diese Erscheinungen bei den jung angesiedelten Juden in viel geringerem Maße auftreten. Sind doch die zur jüdischen Keligion übergetretenen rußischen Bauern, die G e r i m , die sich bei Jemma in Galilaea ansiedelten, so sehr von der Malaria heimgesucht worden, daß sie bis auf geringe Reste das Land verließen, während gerade in diesen Tagen dieselben Felder von Juden besiedelt wurden.1) Aber auch hier muß es sich nicht um spezifische Eigenschaften der jüdischen Rasse handeln, die diese durch Jahrhunderte bewahrt hat. "Wie Dr. L. S o f e r2) an anderer Stelle ausführte, hat früher in Gegenden, wo die Malaria herrschte, eine Auslese der Elemente stattgefunden, die tüchtige Gegengifte gegen die Krankheitserreger produzierten. Die gegen Malaria zu sehr empfänglichen Elemente starben aus. Die heutigen Juden würden nunmehr von den Bewohnern eines Landes abstammen, die sich mit der Malaria hatten abfinden müssen. Ihre Enkelkinder überwinden nun leichter die Erkrankung als die nordischen Immigranten. Man sieht, die Frage ist interessant, aber wir berücksichtigten einen Punkt nicht. Handelt es vielleicht nicht um etwas anderes? Die Gerim waren, wie es teilweise hieß, Schnapstrinker, die also etwa durch den Alkohol ihre Zellen schwächten, vergifteten und so in eine abnorme Schwäche der Malaria gegenüber gerieten. Wie steht es nun noch mit den in Palästina angesiedelten Deutschen? Die Infektionskrankheiten sind eben zu sehr auch von rein äußerlichen Verhältnissen x) Felix Theilhaber: „Die Gerim." (Die Welt, Jahrgang 1907.) '2) Dr. L. Sofer, Zeitschrift Palästina, Jahrgang IV, 1910. Heft 2.! bedingt, so daß sie bei der Suche nach j Hassern erkmalen erst in letzter Linie in! Frage kommen.! j Vielmehr müssen wir uns dabei nach etwa ererbten und an gebore nenK ran kh e i t e n umsehen. Ererbt kann nach der geradezu klassischen Abhandlung, die neuerdings von Lubarsch erschien,1) immer nur etwas sein, was bereits im Individualleben der Vorfahren aufgetreten war, und auch Krankheitsanlagen können daher nur dann als ererbte bezeichnet werden, wenn sie bereits in der Ahnenreihe vorhanden waren. „Tritt aber infolge einer beliebigen Krankheit oder Einführung von Giften eine Keimesverschlechterung bei den Vorfahren auf, die jetzt für die aus den Keimzellen hervorgehenden Nachkommen eine neue Krankheits- | anläge schafft, so handelt es sich offensichtlich nicht um eine Vererbung, sondern um eine durch Keimzellen Vergiftung erworbene Eigenschaft." So können z. B. wahrscheinlich ursprünglich soziale oder religiös-hygienische Momente die Einreihung erworbener Eigenschaften zur Rassenanlage veranlassen. In den Keimzellen vieler Ahnen und Urahnen wird ein eigenes Engramm erzeugt und somit die Anlage z. B. zu einer Krankheit eines Nachkommen bewirkt. Das Wesen des E r - erbten läge damit in der völligen Aufnahme des Erworbenen, ohne daß durch spezielle Vorgänge ein Verlust dieser Eigenschaft in den nächsten Generationen erfolgen kann (z. B. nach der Mendel sehen Regel). Wenn wir somit recht wohl trennen müssen zwischen erworbenen und ererbten i Anlagen, so müssen wir uns an Schemen; halten, die uns die neueren Arbeiten bieten. Ich schicke voraus, daß diese Arbeiten wohl auch nicht das letzte Wort in diesen Fragen sein werden, ihre Einteilungen lassen uns aber doch endlich einmal eine positive Unterlage J für unsere Untersuchungen gewinnen. Zwei j Bücher kommen in Frage, nämlich Ebstein, I „vererbbare zelluläre Stoffwechselkrank- I | 1) Jahreskurse für ärztlichefortbildung, Jahrg. I. 5,15.