Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- Das Städtchen Krasnopolje
- Date
- 1910-03-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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— 34 — I. Die biotischen Verhältnisse. Was zunächst die Einwohnerzahl anbelangt, so ergab eine im Juli 1902 auf Grund einer sorgfältig ausgearbeiteten Zählkarte vorge- \ nommene Zählung der jüdischen Bevölkerung folgendes Eesultat: Tabelle I. Die jüdische Bevölkerung von Krasnopolje nach Alter und Geschlecht. Anwesende Be- An^ und abwesende Alter völkerung Bevölkerung M. Fr. Zus. M. Fr. Zus. 0— 1 48 52 100 48 52 100 1— 5 162 164 326 lt)4 164 326 5- 10 202 191 393 202 191 393 10- 15 167 162 329 180 172 352 15— 20 175 238 413 230 288 518 20— 25 107 125 232 159 147 306 25— 30 74 85 159 89 89 178 30- 40 182 205 387 199 207 406 40— 50 125 130 255 135 131 266 50— 60 69 72 141 74 73 147 60- 70 44 39 83 45 40 85 70- 80 8 4 12 8 4 12 80-100 2 2 4 2 2 4 Zusammen 1365 1469 2834 1533 1560 3093 Die Gesamtzahl der ortsanwesenden Juden betrug also 2834 Seelen, worunter 1365 Männer und 1469 Frauen waren. Dagegen hatte zu jener Zeit nach behördlichen Angaben die christliche Einwohnerschaft eine Stärke von nur 433 Personen, 201 männlichen, und 232 weiblichen Geschlechts. Infolge der Kleinheit der letzteren Zahlen wurde, um einen einwandfreien Vergleich zwischen beiden Bevölkerungsteilen zu ermöglichen, die christliche Bevölkerung des ganzen Kirchspiels Krasnopolje herangezogen, deren Zahl 7418 Seelen groß war, 3667 Männer und 3751 Frauen. Die Zahl der Frauen auf 100 Männer berechnet beträgt bei den Juden 107,6, bei den Christen dagegen nur 102,3. Werden aber die ortsabwesenden Juden mitberücksichtigt, dann gleicht sich das Verhältnis bei beiden Gruppen aus, indem in diesem Falle das Geschlechterverhältnis bei den Juden auf 102,1 herabsinkt. Es sind also hauptsächlich Migrationserscheinungen, die das bedeutende Überwiegen des weiblichen Geschlechts bei den Juden verursachen. Daß wir es hier nicht mit biotischen, sondern mit rein sozialen Faktoren zu tun haben, ist auch daraus zu ersehen, daß der starke Weiberüberschuß nicht auf alle Jahrgänge gleichmäßig verteilt ist, sondern sich nur im arbeitsfähigen Alter von 15 bis 40 Jahren bemerkbar macht. Es sind aber hauptsächlich die kräftigsten Leute im besten Mannesalter, die infolge Mangels an Arbeit zu Hause solche auswärts suchen müssen. Damit im Zusammenhang steht teilweise auch eine andere wichtige Erscheinung im jüdischen Leben, nämlich der geringere Prozentsatz der arbeitsfähigen Bevölkerung, wo aber die verschiedene Altersgliederung eventl. das ausschlaggebende Moment bildet. Tabelle II. Arbeitsfähigkeil der jüdischen Bevölkerung von Krasnopolje in Prozenten. Alter Arbeitsfähigkeit M. Fr. Zus. 0-15 0 42,5 38.9 40,6 15—20 V2 12,8 16j2 14,6 20—60 l 40,8 41.9 41,2 60—70 V2 3,2 iß 3,0 über70 0 0,7 0,4 0,6 Für das ganze Eeich beträgt der Prozentsatz der männlichen Arbeitsfähigen bei den Juden 42,4, bei den Russen 44,4, bei der Gesamtbevölkerung 44,9. Ein wichtiges Korrektiv zu Tabelle II lieferte R o c h 1 i n dadurch, daß er die infolge verschiedener krankhafter Zustände Arbeitsunfähigen besonders registrierte, was ihm nur als Arzt bei persönlicher Kenntnisnahme möglich wurde. Die vielsagende Tabelle III zeigt, daß 109 Personen wegen Krankheit mehr oder weniger arbeitsunfähig waren, was 3,5 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Der Prozentsatz der Arbeitsfähigen ist deshalb um diesen Wert zu vermindern. Für die Wichtigkeit der vorliegenden Detailforschung spricht der Umstand, daß die Volkszählung von 1897 für die jüdische Bevölkerung des Mohilewer Gouvernements nur 0,44 Prozent Gebrechliche aufweist.