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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. Seite 8

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Article
Die Rassenpathologie und der Alkoholismus bei den Juden
Date
1910-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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_ 8 — Hoppe1) bemerkt, ist es nicht zweifelhaft, daß die überraschende Zähigkeit der jüdischen Rasse, die sie in den Stand gesetzt hat, siegreich Jahrhunderte lang den erbittersten Verfolgungen zu widerstehen, nicht zuletzt der Enthaltsamkeit zugeschrieben werden darf, die die Juden kennzeichnet. Bleibt noch festzustellen, woher diese Seltenheit des Alkoholismus unter den Juden rührt. Nach einigen Schriftstellern 2) handelt es sich weit mehr noch um den Einfluß der Rasse als um den der Religion: die Juden besitzen eine Art ererbter Unempflndlichkeit gegen narkotische Gifte und insbesondere gegen alkoholische Getränke, sodaß diese be1 ihnen nur eine leichte Erregung, nicht aber eine tiefe Intoxikation des Organismus hervorrufen. Dazu kommt noch der Einfluß, den die hygienischen Lebensbedingungen ausüben. Ohne die Bedeutung der ersten Ursache zu bestreiten, nehmen wir an, daß die Seltenheit des Alkoholismus unter den Juden weit mehr auf sozialen Faktoren als auf dem Einfluß der Rasse beruht. Dr. Samuelson glaubte die fragliche Erscheinung zwei Ursachen zuschreiben zu dürfen: 1. bilden die Juden im Allgemeinen eine kleine, sehr feste Gemeinschaft, und auf Grund dieser innigeren Zusammengehörigkeit und der Isolierung von der übrigen Bevölkerung zeichnen sie sich durch große Sittenstrenge aus, 2. üben sie kaum körperlich sehr anstrengende Berufe aus. Derselbe Autor macht darauf aufmerksam, daß man bei den mittleren Schichten die sich mehr zu den Christen halten und sich von den Traditionen zu befreien trachten, nicht dieselbe Enthaltsamskeit feststellen kann wie bei den niedrigen! Diese Bemerx) Hugo Hoppe. Die Tatsachen über den Alkohol. 3. Aull. Berlin 1904. — S. in demselben Sinne: W. F. Ripley. The Races of Europe, a sociological study, S. 384. New York, 1899. 2) S. besonders die oben erwähnte Monographie von Norman Kerr, kung verdient festgehalten zu werden, weil sie sich völlig mit den neuerdings gemachten zu werden, weil sie sich völlig mit den neuerdings gemachten Erfahrungen deckt. So hat Dr. Fishberg festgestellt, daß von den New-Yorker Juden die jüngere Generation, die sich leichter den Sitten des sie umgebenen Milieus fügt, sich mehr und mehr dem Alkoholismus ergibt. Und andeerseits haben wir oben gesehen, welchen beträchtlichen Unterschied Dr. Zadoc-Kahn in dieser Hinsicht zwischen den kürzlich eingewanderten und den schon längere Zeit in Paris ansässigen Juden feststellt: auch dort verschont der Alkoholismus die Juden nur, solange wie sie ihren traditionellen Lehren treu bleiben. Ob diese Tatsachen beweisen, daß die geringe Verbreitung des Alkoholismus unter den Juden nicht etwa eine eigene problematische Immunität dieser Rasse ist, sondern mit ihrer innigen Gemeinsamkeit zusammenhängt, die lange Jahrhunderte der Verfolgungen erzeugt und gefestigt haben. Wenn im Allgemeinen die Religion inbezug auf den Selbstmord vorbeugend wirkt, sagt uns Dürkheim1), so liegt dies nicht daran, weil sie dem Menschen den Wert seiner Person predigt; sondern, weil sie eine Gemeinschaft ist. Bis heute bewahrt das Judentum im Allgemeinen diesen Charakter eines Bandes, das seine Angehörigen auch sozial zusammenhält, den die anderen Religionen nach und nach verloren haben, und gerade diese Kraft der Sammlung und Konzentrierung der religiösen Gemeinschaft ist es, die die große jüdische Masse vor dem Alkoholismus bewahrt. Aber überall, wo dieses traditionelle Band sich lockert, sieht man sogleich, wie sich der Pest des Alkoholismus eine Spalte öffnet und sie in ein Milieu eindringt, das dem Alkoholismus völlig unzugänglich schien. T) E. Dürkheim. Le Suicide; £tude de sociologie. Paris, 1897.

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