Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Die Rassenpathologie und der Alkoholismus bei den Juden
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 — weniger vom Krebs heimgesucht zu sein j scheinen als die mit deutscher; wenn es j andrerseits richtig ist, daß Italien und Irland eine geringe Krebssterblichkeit aufweisen, so darf man daraus noch nicht den Schluß ziehen, daß die gallo-keltischen Stämme dem Krebs wenig ausgesetzt sind; denn in Frankreich übersteigt tatsächlich die Krebs Sterblichkeit diejenige Italiens und Irlands. Wir könnten noch viele anderen Widersprüche dieser Art feststellen. Aber wir wollen nur noch eine Tatsache erwähnen, die außerordentlich überraschend ist. Wenn man die Statistik der Stadt Krakau prüft, die zu gleicher Zeit Todesursache und Bekenntnis angibt, sieht man, daß in 12 Jahren (1887—98) durchschnittlich unter 100 000 Einwohnern von mehr als 30 Jahren 579 Christen und 347 Juden am Krebs starben. Nach diesen Zahlen würden die Juden also zweifach weniger empfänglich für Krebs sein als die Christen. Aber, wie de Bovis nachwies, entspricht diese ungeheure Differenz durchaus nicht den Tatsachen: Da Krakau Universitätsstadt ist, zieht eine große Anzahl Krebskranker Fremder in die Stadt, und so zählt man auf die 1744 krebskranken Christen in den Jahren 1887—1895 697 Fremde, auf die 289 krebskranken Juden in derselben Zeit nur 66. Auf dieser neuen Grundlage berechnet, stellt sich die Krebssterblichkeit auf 311 für die Christen und 266 für die Juden (auf 100000 Einwohner von mehr als 30 Jahren). Der Jude scheint aber tatsächlich für den Krebs weniger empfänglich zu sein, als der Christ. | Aber ganz kürzlich hat ein russischer Arzt, j Dr. Kaigut1) den Bericht über eine Krebsj „Epidemie" veröffentlicht, worin er im Gegenj teil eine erwähnenswerte Bevorzugung der j israelitischen Vevölkerung durch den Krebs j konstatiert. Es handelt sich um ein Dorf j Korsowka (im Gouvernement Witebsk), das j ungefähr 1500 Einwohner hat, von denen i 900 Juden und 600 Christen sind. Die ersteren \ bilden ein geschlossenes Ganzes und bewohnen; __ s *) E. Kai gut Eine Krebsepidemie (russisch), i (Vratchebnaia Gazeta, 29. Juni 1908. j das Zentrum des Ortes, während die letzteren namentlich an der Peripherie ansäßig sind. Im Laufe eines einzigen Jahres konnte Dr. Kaigut dort 8 Krebsfalle beobachten, von denen nur einer einen 70 jährigen Christen betraf; die 7 anderen Fälle verteilten sich auf Juden, deren Älter zwischen 50 und 86 Jahren schwankte. Diese 7 gleichzeitig in einem Jahre beobachteten Fälle bei einer jüdischen Bevölkerung von 900 Seelen ergeben in der Tat ein überraschendes Verhältnis (besonders, wenn man in Betracht zieht, daß der Krebs nur alte Leute befällt), welches direkt die obenerwähnte Auffassung widerlegt, nach der die Juden dem Krebs weniger ausgesetzt sind als die christliche Bevölkerung. Aber selbst wenn man sich unbestreitbaren Tatsachen gegenüber steht, ist es immer gut, sich bei ihrer Erklärung die größte Zurückhaltung aufzuerlegen. — Eine Umfrage, die ich über den Alkoholismus bei den Juden unternommen habe, und deren Ergebnisse mir von gewissem allgemeinen Interesse zu sein schienen, erweist, wie wichtiges ist, in diesem Zusammenhange nicht nur die der Rasse eigentümlichen Beeinflussungen, sondern auch die dem sozialen Milieu zuzuschreibenden in Betracht zu ziehen. Wenn es richtig ist, daß der Mißbrauch der geistigen Getränke gegenwärtig als eine Allgemeinerscheinung betrachtet werden muß, die unaufhörlich wächst, so darf man daraus nicht den Schluß ziehen, daß der Alkoholismus gleichmäßig unter allen Völkern verbreitet ist. Was die Juden anbetrifft, so zeichnen sich diese nach der gewöhnlichen Auffassung durch bemerkenswerte Enthaltsamkeit aus. So sagt z. B. Dr. Norman Kerr in seiner Monographie über den Alkoholismus: „So viele Patienten ich auch unter den Juden gehabt habe, niemals hat mich einer von ihnen wegen eines Falles von Alkoholismus zu Rate gezogen, während mich von Christen eine Menge gerade deswegen konsultierten."x) Dr. Samuelson spricht 1) Norman Kerr. Inebriety. its etiology, paiholO' gy, treatment and jurisprudence. London, 1888.