Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Die Rassenpathologie und der Alkoholismus bei den Juden
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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- 2 — Rassen für eine Krankheit zeigen, und die j Immunität, deren gewisse andere sieh gegen! eine Krankheit erfreuen". Nun geht man aber durchaus fehl, wenn man glaubt, daß alle Tatsachen, die zur Unterstützung dieser Anschauung angeführt Yverden, zuverlässig sind. Bordier widmet zum Beispiel ein Kapitel speziell der pathologischen Immunität der Israeliten; vergeblich aber würde man dort auch nur eine kurze Bemerkung suchen, die imstande wäre, folgende Behauptung zu belegen: ..Eine Tatsache hat zu allen Zeiten Aufsehen erregt, nämlich die Immunität der Juden gegen die Pest. Das ganze Mittelalter hat diese Immunität bewiesen; deswegen lag es für die große Masse nahe, sie der Brunnenvergiftung anzuklagen. Tsehudi, ein alter Geschichtsschreiber, sagt wörtlich: „Diese Krankheit berührte die Juden nicht;" Diger stellt die gleiche Immunität gegen die Dysenterieepidemie fest, die in iNirnegue im Jahre 173G wütete; Fracastor weist Immunität für Typhus nach im Jahre 1505, Eamazzini für Sumpf neb er in Rom im Jahre 169LK Was nun aber die Pathologie anlangt und die Frage nach der Immunität überhaupt, so darf man sich nicht allzusehr auf die Zeugnisse der alten Schriftsteller verlassen, selbst nicht auf die Behauptungen der Mediziner aus dem 15. oder 18. Jahrhundert. Außerdem fügt Bordier selbst sofort wohlweislich hinzu: ..Um diese Tatsachen zu begreifen, muß man die Lebensweise der Juden im Mittelalter berücksichtigen, j ihre sitzende Lebensweise, ihre Mäßigkeit, ihre Abgeschlossenheit, in Folge deren sie wenig mit der Außenweit in Berührung kamen; sie waren deshalb weniger als die! Anderen den herrschenden Krankheiten aus-! gesetzt. Ohne Zweifei sind aus dem nämlichen; Grunde die Juden weniger häufig vom Blitze ■ erschlagen worden."! Eine Immunität von der Art, d. h. die | einzig und allein auf den Besonderheiten des : sozialen Lebens beruht, ist überhaupt keine I Immunität. Die Statistik lehrt uns, daß j während eines Zeitraumes von etwa zehn! Jahren die Anzahl der Frauen, die vom Blitze getötet werden, ungefähr zweimal so gering ist als die der vom Blitz erschlagenen Männer. Sollten wir nun etwa behaupten, daß der Organismus der Frau sich einer- Immunität gegen den Blitzstrahl erfreut, während doch die mehr sitzende, mehr häusliche Lebensweise der Frauen vollständig genügt, um diese auffällige Erscheinung in der Statistik zu erklären? Wenn es überhaupt eine Krankheit gibt, bei der man den Einfluß der Rasse geltend machen kann, so ist es sicherlich der Krebs. Nun aber vermag gerade nichts besser die Schwierigkeiten zu zeigen, denen die Pathologie im Zusammenhang mit der Kasse begegnet, als die Widersprüche, die man in dieser Beziehung in der Krebsstatistik trifft. Zunächst nämlich nimmt diese Statistik durchaus keine Rücksicht auf die Verteilung der Bevölkerung nach dem Alter und Geschlecht sowde auf ihre Dichtigkeit, drei Faktoren, die nach einer Äußerung von de Bovis „den Dreifuß darstellen, der der statistischen Lehre über die Aetiologie der Krebskrankheit als Basis dient".1) Man nimmt von vornherein keine Rücksicht auf die lokalen Verhältnisse und den Zivilstand, die oft wechseln, wenn man von einem Gebiet auf aas andere gelangt. Das sind alles Ursachen, die dazu angetan sind, die Bedeutung der statistischen Zahlen zu verkehren. Aber selbst, wenn man von dem absieht, was der Unzulänglichkeit der Methoden zur Last fällt, so hat man noch immer viel zu viel sich widersprechende Tatsachen vor sich, als daß man einen sicheren Schluß auf den Einfluß ziehen könnte, den die Rasse auf die Aetiologie des Krebses ausübt. Wenn es richtig ist, daß in der Schweiz wie Nencki2) feststellt, die Kantone mit französischer oder italienischer Bevölkerung 1) R. de Bovis. Du roie des prir.cipaux facteurs accessoires dans i'etiologie du Cancer, (Semaine ir.edicale, 24. Sept. 1002;. 2) L. Nencki; Die Frequenz und Verteilung des Krebses in der Schweiz an Hand der Krebstodesfälie in den Jahren 1889—98. (Zeitschrift für schweizerische Statistik, H)0Ü. il, 7, S. 332).