Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- Fehlerquellen in der Statistik der Juden
- Date
- 1909-12-01
- Page
- Seite 189 (sequence 3)
- Language
- German
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— 189 — daß in Budapest, wo die Leichenschau obligatorisch ist, die Juden eine viel geringere AnteilszifTer an der Krebsstatistik aufweisen. (Vgl. Jahrgang IV, Seite 143 dieser Zeitschrift.) V. Daß bei den Juden in Deutschland die unteren Altersklassen schwächer besetzt sind als bei der übrigen Bevölkerung, dürfte nicht ausschließlich auf natürlichen Vorgängen beruhen. Vielmehr spielen dabei die immer mehr zunehmenden Kindertaufen eine nicht zu unterschätzende Holle. Leider lassen sich dieselben bisher statistisch nicht erfassen. VI. Maximilian Paul-Schiff hat darauf aufmerksam gemacht, daß die Statistik der Konfessionsänderungen in Österreich ein ganz anderes Bild haben muß als in Deutschland. Hier ist es zulässig, daß jüdische Eltern ihre Kinder dem Christentum zuführen, ohne selbst ihren Glauben zu wechseln — ein Eecht, von dem neuerdings mit Vorliebe Gebrauch gemacht wird —, während in Österreich Kindertaufen nur in der Weise möglich sind, daß die Eltern oder wenigstens ein Elternteil übertreten, wobei dann die Kinder unter 6 Jahren eo ipso dem Glauben der Eltern folgen, und zwar Knaben dem Glauben des Vaters und Mädchen dem Glauben der Mutter: da nun in gewissen Kreisen beider Länder in gleichem Maße die Neigung besteht, die Kinder von den „Ketten" des Judentums zu befreien, so ist die notwendige Folge der Gesetzesverschiedenheit, daß die Austritte aus dem Judentum in der österreichischen Statistik viel zahlreicher sind als in Deutschland, obwohl am sich die Verhältnisse ziemlich die gleichen sein dürften. VII. Die Austrittsstatistik für Deutschland ist auch deshalb unvollständig, weil eben die Eitern die Kinder gleich bei der Geburt oder später im Kindesalter zum Taufbecken führen können,ohne daß dies zurKenntnis derweltlichen Behörden gelangt. Dieser Zustand ist möglich, weil der gerichtliche Austritt aus dem Judentum nicht die Voraussetzung für die kirchliche Taufe ist. (Vgl. meine Ausführungen im Jahrgang III, Seite 147 dieser Zeitschrift.) Wenn nun die Taufen Erwachsener doch in den meisten Fällen auch zu dem gerichtlichen. Austritt führen — schon zur Vermeidung einer doppelten Besteuerung —, so ist dies bei den Kindertaufen nur selten der Fall, da die jüdische Abstammung von Personen, welche bereits als Kinder getauft sind, von den Behörden meist nicht nachgeprüft wird. Der Jahreslaerlcht M Mlmimt Der Hilfsverein zählte im Berichtsjahre , über 20 000 Mitglieder gegen 18 000 im Vorjahre; j demgemäß haben sich die regelmäßigen Beij träge von rund 138000 im Jahre 1907 auf j rund 151000 Mark erhöht. Der Hilfsverein j wird jetzt durch Lokalkomitees bezw. Verj trauensleute in 683 Orten vertreten. j Die Lage der Juden in G a 1 i z i e n ist j nach wie vor trübe, da infolge Fehlens von; Industrie den breiten Massen Arbeitsgelegenj heit fehlt. Im nächsten Jahre droht durch Er- ■ löschen des Propinationsgesetzes einem großen j Teil der ärmsten Juden, die sich durch Branntj weinverschleiß oder als kleine Angestellte bei j den Propinatoren ihr Brot verdienen, Verlust \ ihres Erwerbes. Der Hilfsverein leistet zwar j keine direkte Hilfsaibeit im Lande, um die j Gegensätze zwischen Polen und Juden nicht zu j vers chärf en, gewährt ab er üb erall f inanzielleB ei- > Her tieuisciieri Mm fii? 1908. hili e, namentlich, wo es gilt, bessere Grundlagen zum Fortkommen im praktischen Leben zu schaffen, also vor allem Bildung und Arbeitskenntnisse. Unterstützt werden vom Hilf sverein die Kindergärten in Stanislau, Tarnow und Koloniea und das Waisenhaus in Tarnopol. Die Kreditgenossenschaft für Kleinhandel und Kleingewerbe in Kolomea hat vom Hilfsverein durch Vermittlung der Großloge f ürDeutschland ü. O. B. B. seit 1905 ein Darlehen von 15 000 Kronen zur Verfügung gestellt erhalten und entwickelt sich sehr günstig. In R u m änien geht die Regierung von Jahr zu Jahr schärfer gegen die Juden vor und bricht dauernd den Berliner Vertrag vom Jahre 1878. Der Hilfsverein betrachtet es als seine wesentliche Aufgabe, für die Hechte der rumänischen Juden einzutreten. Er hat daher, da demnächst eine Orientkonfrenz