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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-12-01 · Heft 12 (Dezember 1909) · p. Seite 188

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 12 (Dezember 1909)
Article
Fehlerquellen in der Statistik der Juden
Date
1909-12-01
Page
Seite 188 (sequence 2)
Language
German
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— 188 — von der übrigen Bevölkerung unterschiedene Gruppe beziehen, ist zu beachten, daß, wie bereits hervorgehoben wurde, die Juden in der Statistik nur als Religionsgemeinschaft erscheinen. Dies hat zur Folge, daß Personen, welche aus dem Judentum ausgetreten und entweder religionslos geworden oder zu einer anderen Religion übergetreten sind, in der Statistik nicht als Juden erscheinen, während andererseits Personen nichtjüdischer Abstammung, welche zum Judentum übergetreten sind, als Juden gezählt werden. Der hierdurch entstehende Fehler, wTelcher im ersteren Falle erheblicher sein wird, wird namentlich dann eine Rolle spielen, wenn die besonderen physischen oder psychischen Eigenschaften der Juden im Vergleich mit anderen Bevölkerungsgrupperj untersucht werden sollen. Insbesondere bei den Mischehen ist die Statistik fehlerhaft, da vielfach der eine Teil des Ehepaars kurz vor der Ehe zu dem Glauben des anderen Ehegatten übertritt und daher beide Gatten bei der Eheschließung als zur gleichen Konfession gehörig erscheinen; manchmal werden auch beide Brautieute, welche verschiedenen Konfessionen angehörten, vor der Verheiratung konfessions los. II. Ruppin hat wiederholt darauf hingewiesen, daß die Altersgliederung der Juden, welche von derjenigen der übrigen Bevölkerung wesentlich abweicht, für die Kriminalstatistik von Bedeutung ist. Da die Juden in Deutschland nämlich weniger Jugendliche und mehr Erwachsene unter sich haben, stellen sie auch ein größeres Kontingent zu denjenigen Personen, welche wegen strafbarer Handlungen verurteilt werden. Die Folge hiervon ist, daß die Kriminalstatistik der Juden ungünstig beeinflußt wird und die Verurteiltenziffer im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung höher erscheint als sie in Wirklichkeit ist. Denn die Statistik nimmt bei der Berechnung der straf mündigen Bevölkerungauf die verschiedene Altersgliederung keine Rücksicht. — Der gleiche Mangel ist — ganz abgesehen von der Bevölkerungsstatistik — auch in der Schulstatistik zu beachten. III. Bei der Kriminalstatistik ist auf einen ferneren in der Statistik nicht zum Ausdruck kommenden Umstand hinzuweisen, welcher ebenfalls die Kriminalität der Juden zu ungünstig erscheinen läßt. Da die Statistik nur diejenigen strafbaren Handlungen nachweisen kann, welche zur Kenntnis der Straf verfolguugsbehörde gelangen, somit die Strafanzeigen die ursprüngliche Grundlage der Statistik sind, so fragt es sich, ob nicht derartige Anzeigen infolge der gegen die jüdische Bevölkerung in weiten Kreisen vorhandenen — zum Teil instinktiven — Abneigung, gegen jüdische Delinquenten — namentlich wTegen leichterer Vergehen — häufiger erstattet werden als gegen andere Personen, ob nicht bei letzteren häufiger ein Auge zugedrückt und von einer Anzeige Abstand genommen wird. Diese Frage wird auf Grund der Erfahrungen der Praxis bejat werden müssen, wenn sich auch zifrermäßige Beweise nicht erbringen lassen. (Vgl. meine Ausführungen im Jahrgang II, Seite 109/110 dieser Zeitschrift.) IV. Die KrankheitsStatistik weist für die Juden im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung oft höhere Ziffern auf, als sie der Wirklichkeit entsprechen dürften. Dies hat darin seinen Grund, daß die Juden erfahrungsgemäß sich schneller und häufiger ärtzlicher Hilfe bedienen als andere Teile der Bevölkerung. Die Krankheitsursachen werden daher bei ihnen richtiger und früher erkannt und gelangen auf diese Weise zur Kenntnis der Behörden. Da die Krankheitsstatistik als solche selten ist und wir uns meist mit der Todesursachenstatistik begnügen müssen, also nur von denjenigen Krankheiten etwas erfahren, welche einen tödlichen Verlauf nehmen, so bietet die Statistik namentlich für diejenigen Länder oder Städte ein schiefes Bild, in denen es eine obligatorische Leichenschau nicht gibt. So sind die Juden an der ungarischen Krebs Statistik mit außerordentlich hohen Ziffern beteiligt; der Bearbeiter dieser Statistik, Prof. Dr. Dollinger weist aber darauf hin, daß hieraus durchaus keine Schlüsse gezogen werden könnten, und schreibt jenen Umstand dem Fehlen der ärztlichen Leichenschau zu. Zum Beweise hierfür führt D o 11 i n g e r an,

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