Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- Die Heiraten von Juden im europäischen Rußland vom Jahre 1867 bis 1902
- Date
- 1909-12-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
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— 178 — jüdischen Bevölkerungszahl sich mehr oder weniger den Verhältnissen des Ansiedlungsrayons nähert. Zweitens — und hier stellt sich vor uns wieder der Unterschied zwischen jenen Gouvernements heraus, in denen die Zahl der Juden eine bedeutende ist und denjenigen, wo sie ganz verschwindend ist, — ist in diesen Gouvernements die Bevölkerung so unbestimmt, daß alle möglichen Schwankungen auch tatsächlich leicht vorkommen können. Im Ganzen läßt es sich sagen, daß die Lebensbedingungen der Juden außerhalb des Ansiedlungrayons ebensogut eine niedrige wie eine hohe Heiratsziffer hervorrufen können. Einerseits hätte die verhältnismäßig günstige ökonomische Lage der Juden außerhalb des Ansiedlungsrayons zur Vermehrung der Ehen beitragen dürfen; andererseits werden eben durch diese günstigen ökonomischen Bedingungen eine ganze Keine von Momenten geschaffen, die eine ganz entgegengesetzte Wirkung ausüben; eine steigende Differenzierung in der Auswahl des Ehepaares, die Sorge für die Erhaltung des hohen und höheren Lebensniveaus auch für die Nachkommenschaft, schließlich der durch die leichteren Lebensgewohnheiten erzeugte Widerwille gegen die Familienlasten; einerseits wiederum hätte das hohe Prozent der erwachsenen Bevölkerung und das niedrige Kinderprozent eine entsprechend hohe Heiratsziffer erwarten lassen, anderseits weist eben diese Alters Verteilung darauf hin, daß die Juden außerhalb des Ansiedlungsrayons ihre meisten Familienbeziehungen im Ansiedlungsrayon behalten haben, wo sie auch ihre Ehen schließen, die dann als in den entsprechenden Gouvernements des Ansiedlungsrayon geschlossene Heiraten registriert werden. Verschiedene Verkettungen all dieser entgegengesetzten Momente können das eine oder das andere Extrem in der Heiratsziffer hervorbringen. Wenden wir uns aber den Eheschließungen im Ansiedlungsrayons zu. Teilen wir da die einzelnen Gouvernements in zwei Rubriken ein, von welchen die eine die Gouvernements mit einer Heiratsziffer, die höher als die Durchschnittsziffer und die zweite eine Heiratsziffer, die niedriger als die letztere ist, enthält, so erhalten wir folgende Tabelle. Die Gouvernements mit einer Heiratsziffer, die höher als die Durchschnittsziffer ist Die Gouvernements mit einer Heiratsziffer, die niedriger als die Durchschnittsziffer ist. Die Gouvereements. °/oo der Ehen. Die Gouvernements. °/oo der Ehen. Jekaterinosiaff . . . 9,2 Witebsk...... 7,2 Cherson...... 8,1 Kowna...... 7,2 Poitawa....... 8,1 Bessarabyen .... 7,0 Kijeff...... 7,9 Minsk ........ 7,0 Podoiyen...... 7,9 Taurisches Gouv. . 6,9 Wolynien .... 7,6 Wilna........ 6,6 Tschernigoff .... 6,4 Grodna....... 6,3 Mohileff...... 5,8 In der höheren Heiratsgruppe finden wir nur die südlichen und südwestlichen Gouvernements, wo die entwickelte Industrie, das hohe Prozent der handeltreibenden Juden und endlich eine leichtere Atmosphäre des ganzen jüdischen Lebens die Eheschließungen erleichtert. Yon den südlichen und südrussischen Gouvernements entfallen in die niedrige Heiratsgruppe das Gouvernement Tschernigoff, wo, wie wir bereits gesehen haben, die entwickelten ökonomischen Verhältnisse in der letzten Zeit zur Abnahme der jüdischen Eheschließungen geführt haben, das Taurische Gouvernement, wo zum Teil kolonisatorische Verhältnisse, zum Teil die dort befindlichen vielen Sommerfrischen eine wechselnde Bevölkerungsziffer erzeugen, so daß die beschränkten Angaben, über die wir verfügen, den Schwerpunkt der Heiratsschwankungen noch nicht charakterisieren können, endlich Bessarabyen, wo die Ursache der niedrigen Heiratsziffer unverständlich bleibt. Sonst aber wird die niedrige Heiratsgruppe ausschließlich von den nordwestlichen Gouvernements gebildet, wo die ökonomischen Bedingungen viel ungünstiger als im Süden und Südwesten sind und wo die Heiratsziffer in dem wirtschaftlich am meisten zurückgebliebenen Gouvernement Mohileff bis auf 5,8%o sinkt. 3. Die Verteilung der jüdischen Ehen nach Alter und Famlienstand der Heiratenden und nach den Monaten der Eheschließung. Wir sind zu