Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Die Heiraten von Juden im europäischen Rußland vom Jahre 1867 bis 1902
- Date
- 1909-11-01
- Page
- Seite 172 (sequence 6)
- Language
- German
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— 172 — Im Jahre 1881 1897 1901 1902 Im Gouv. Kurland _ 4,7 5,5 5,6 » „ Kursk — 6,4 7,2 4,6 „ Llvland — 6,7 6,8 7,0 „ n Minsk 5,4 7,6 7,1 6,4 „ »> Mohlleff 4,8 5,3 6,1 6,0 „ Moskau — 5,9 5,< 4,7 „ » riijni-Nowgorod — 11,0 — 14,1 ■*) » Nowgorod — 2,1 1,4 » » Olonetzk — — 4,9 4'71 » Orenburg — 6,1 9,3 9,0 y> » Orel — 5,0 7,2 6,9 n » Pensa — — 4,7 6,2 V » Perm — 8,2 16,7 9,7 *5 » Podolyen 6,4 7,8 7,9 8,1 I) n Poltawa — 8,5 8,1 7,7 •J „ Pskow — 5,7 1,8 7,0 » „ Rjasan — 3,0 4,6 2,3 *» n Samara — 14,9 6,9 12,5 ., » St. Petersburg — 5,4 5,0 5,4 »» n Saratoff — 4,3 7,0 8,7 *» » Simbirsk — 1,5 7,5 „ Smolensk — 5,4 4,2 6,6 Taurisches Gouvernement — 7,1 5,9 7,0 im Gouv. Tamboff — 1,3 5,2 8,0 n „ Terer — 4,0 7,2 r> n Tula — 1,4 12,9 3,8 n » Ufa — 1,1 11,2 5,5 » „ Charkoff 6,3 6,2 7,8 7,3 „ Cherson 10,9 7,9 8,4 9,5 n » Tschernigoff 6,6 6,1 6,6 6,5 •J >; Estland — 7,1 3,5 4,2 » Jaroslaff — 1,1 — — Im Durchschnitt 5,9 7,4 7,2 7,6 Im Ansiedlungsrayon 7,5 Dagegen im Europ. Rußland 1900 7,2 1899 7,5 Die Durchschnittsziffer für 1881 können wir a priori als mangelhaft zurückweisen. Die Zunahme der Heiratshäufigkeit von 1881 bis 1897 von 5,9 auf 7,4, bezw. 7,5 %0 im Ansiedelungsrayon würde zur Annahme verleiten, als würden die Juden je später desto öfter heiraten; wir werden aber unten sehen, daß die Abnahme der wiederholten Ehen und die Zunahme des Durchschnittsalters der Eheschließenden auf ganz entgegengesetzte Schlußfolgerungen führt. Wir werden daher im Folgenden die Heiratsziffer nur im letzten Jahrfünft ins Auge fassen. Um die Heiratshäufigkeit bei den Juden mit den andern Konfessionen zu vergleichen, bringen wir die folgende Tabelle von den Jahren 1900, 1901 und 1902. Auf je 1000 Einwohner derselben Konfession wurden Ehen geschlossen:; o a \ 3 c i Im Jahre Q o | 1899 1900 1901 1902 S w Bei den Mohamedanern 11,0 12,2 11,2 10,2 11,2 K „ Orthodoxen 9,6 9,1 8,6 8,7 9,0 „ „ Röm.Katholischen 7,3 7,4 7,3 7,1 7,3 „ „ Juden 7,5 7,2 7,2 7,6 7,4 „ „ Protestanten 7,1 7,1 7,0 6,5 6,9 Gesamt - Bevölkerung 8,6 8,6 8,6 8,6 8,6 Wird die Eheschließungsziffer der Gesamtbevölkerung auf 6,8 %o gesetzt, so entfallen auf je 1000 Im jähre Im Durch' 1899 1900 1901 1902 schnitt Bei den Mohamedanern — — 1302 1186 1244 „ „ Orthodoxen — — 1000 1012 1006 „ „ Röm.Katholisch.— — 840 826 823 „ „ Juden - - 837 884 860,5 „ „ Protestanten — — 814 756 785 i Demnach heiraten die Juden bedeutend seltener als die Mahomedaner und Orthodoxen, etwas häufiger als die Katholiken und viel öfter als die Protestanten. Daß die Eheziffer bei den Juden kleiner als bei den Mahomedanern ist, ist bei den mahomedanischen Sitten der Polygamie und frühen Heiraten selbstverständlich; für die Orthodoxen scheint dies zunächst namentlich bei der Schwierigkeit der Ehescheidungen in der griechisch-katholischen Kirche und der dadurch hervorgerufenen Seltenheit der wiederholten Ehen, überraschend. Hier ist die hohe Heiratsziffer, wie wir später sehen werden, durch die frühen Heiraten hervorgerufen. Letztere hängen mit dem ackerbautreibenden Charakter der orthodoxen Bevölkerung zusammen, was schon daraus zu ersehen ist, daß die Durchschnittsziffer der Heiraten aller Konfessionen in den Städten 1897 7,5 gegen 8,6 %0 der Gresamtbevölkerung beträgt. Das städtische Leben mit seinen hoch entwickelten Bedürfnissen ruft größere Bedenken bei Eheschließungen hervor als das Leben der bäuerlichen Klassen; daneben ist in den Städten die Persönlichkeit jedes Einzelnen schon so entwickelt und differenziert, daß die Auswahl des Ehegatten schon an bestimmte individuelle Forderungen gebunden ist, während in der Bauernmasse die Eheschließungen immer noch zum größten Teil den gleichartigen Bedürfnissen der Wirtschaft