Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- Die autochthone Bevölkerung Palästinas in anthropologischer Beziehung
- Date
- 1909-09-01
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
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— 137 — wurden, mit den sie umgebenden seit alteisher j neben und mit ihnen wohnenden Völkerschaften, j sowie den aus Assyrien hinzugekommenen j Elementen das Volk der Samaritaner hervorj gegangen. Über den anthropologischen j Charakter der neuhinzu^ekommenen Assvrer | Ö « | läßt sich nichts bestimmtes aussagen, jedenj falls läßt sich aber mit einem gewissen Grade j von Wahrscheinlichkeit vermuten, daß ihre j Zahl unter der der einheimischen Bevölkerung I stand und so zur Umbildung des ursprünglichen j Typus nicht ausreichen konnte, umsomehr j als andererseits zugegeben werden muß, daß i unter den neuen Elementen sich neben den; langköpfigen Semiten, zu denen die Assyrer \ gezählt werden, auch kurzköpnge Kleinasiaten j eingefunden haben, somit die Beeinflussung j mindestens eine doppelte war. Nun zeugt j aber die ausgesprochene Langköpfigkeit der; jetzigen Samaritaner dafür, daß die sie zu- \ sammensetzenclen Elemente und somit auch j die alten Israeliten und die Kanaaniter j hauptsächlich langköpfig waren. Denn hier j ist noch weniger als bei den Fellachen j an einen umbildenden Einfluß der mit dem j Islam eingewanderten Araber zu denken, da; die besiegte samaritanische Sekte unter den j siegenden Arabern wohl keine Bekehrungen j vollbracht hat, was sich auch für die vorj islamitische Zeit sagen läßt. Die Samaritaner j waren immer und sind noch jetzt als schwache \ Minorität von allen gehaßt, weshalb sie ihren : Typus wohl rein erhalten haben. In den letzten Jahrhunderten infolge eines ständigen Frauenmangels auf dem Aussterbeetat stehend, ' haben sie ihren Typus durch Inzucht noch schärfer ausgeprägt. Bei der Zulassung der i doppelten nicht intensiven Beeinflussung seitens : der assyrischen Beimengungen bleiben mit! Beziehung auf die Samaritaner folgende zwei : Möglichkeiten übrig: en tweder sind sie Israeliten \ mit Beimischung kanaanitischen Blutes oder! sie sind in ihrer Hauptmasse Kanaaniter. Im; ersten Falle wird die Langköpfigkeit der \ Samaritaner für eine solche der alten Israeliten, im zweiten Falle für die Langköpfigkeit der Urbevölkerung Palästinas zeugen. Nun sprechen meine Messungen an den nordafrikanischen, syrischen, mesopotamischen und persischen Juden dafür, daß unter ihnen sich langköpfige Elemente in großer Zahl erhalten haben, worüber ich an anderer Stelle berichten werde. Wir haben somit einen direkten Beweis für die Langköpfigkeit der alten Israeliten, und da die Kanaaniter in die Israeliten aufgegangen sind, so müssen auch sie langköpfig gewesen sein. Auf Grund aller diese r Tatsachen bleibt also nur die einzige A n n a h me möglich, cl a ß d i e alten Israeliten sowie auch die Urbevölkerung Palästinas überhaupt langköpfig waren. Und. somit ergibt unsere Analyse daß die Hethiter theo rie v. Luschans aufzugeben ist. Es bleibt mir noch kurz die Frage über die Herkunft des blonden Elementes unter den Juden zu erledigen. Daß weder unter den Fellachen, noch unter den Samaritanern und palästinensischen Juden Blonde zu finden sind, scheint aus den obigen Angaben mit voller Sicherheit hervorzugehen. Diese Erscheinung fällt jedem Beobachter in Palästina auf, wenn selbstverständlich die europäischen Juden außer Acht gelassen werden. Auch habe ich weder unter den nordafrikanischen noch unter den asiatischen Juden einen nennenswerten Prozentsatz Blonder feststellen können. So fand ich unter 200 jüdischen Schulkindern in Damaskus nur 2 blonde. Somit scheint auch der zweite Teil der v. Luschanschen Theorie, wonach die blonden Juden schon aus der Lrzeit stammen und die Folge einer Vermischung mit den blonden arischen Amoritern sind, den Tatsachen gegenüber nicht standzuhalten. Auch die A m o r i t e rtheorie ist also aufzugeben. Wir stehen somit in der Anthropologie der Juden vor den alten Rätseln und wissen heute ebensowenig wie früher erstens, auf welche Weise die Umgestaltung des semitischen Langkopfs in den Rundkopi der europäischen Juden vor sich gegangen ist und zweitens, wo der Ursprung der vielen Blonden unter dem ursprünglich dunklen Volkssehlage zu suchen ist.