Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 9 (September 1909)
- Article
- Die autochthone Bevölkerung Palästinas in anthropologischer Beziehung
- Date
- 1909-09-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
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— 130 — Ironie, mit denen ihn v. Luschan ab- | fertigen will und die in einer wissenschaftlichen j Diskussion, mag sie auch die größte Autorität j berühren, eigentlich nicht zulässig :ein sollten, j nicht verdient, umsomehr als beide, was den anj thropologischen Teil anbelangt, ein mehr oder \ weniger kühnes Tischgespinst gewoben haben, j Wenn auchv. Luschan im Allgemeinen recht i hat, Auerbach die rein spekulative Art j der Stoffbehandlung vorzuwerfen, die ihn zur j Aufstellung des Satzes verführte: „Die Urj semiten waren kurzköpf ig oder neigten zur j Kurzköpfigkeit" (S. 352), so ist doch das Verfahren v. Luschans selbst nicht minder spekulativ, da er doch eingesteht, sein eigenes Material noch nicht gerechnet und gesichtet j zu haben. Er hat sogar „einstweilen den Eindruck oder das unbestimmte Gefühl, daß wenigstens unter seinen orientalischen Juden längere Schädel sehr viel häufiger vorkommen " (S. 366.) Ob unter solchen Umständen dem Verfahren die Bestrebung „naturwissenschaftliche Fragen mit naturwissenschaftlichen Methoden zu lösenzugeschrieben werden kann, ist doch zweifelhaft. Und dies umsomehr als Fishberg1) in Nordafrika und ich in verschiedenen anderen Gegenden langköpfige jüdische Gruppen nachweisen konnten. Wo bleibt jetzt die Hethiter-Theorie? Wenn die Juden schon im Altertum kurzköpf ig waren, wie ist das Entstehen ihrer langköpfigen Zweige zu erklären, die gerade in nächster Nähe von Palästina ansässig sind? Ist da nicht vielleicht der umgekehrte Weg der richtige, nämlich, daß die alten Juden als Semiten langköpfig waren und daß die modernen ihre Kurzköpfigkeit während ihrer j Wanderung nach der Temp elzer Störung erworj ben haben? Jedenfalls besteht meine vor Jahren j ausgesprochene Forderung2) zu recht, daß j nur eine detallierte anthropologische Unterj suchung sämtlicher jüdischer Gruppen eine j gewisse Klärung in die Rassenfrage der Juden j bringen kann. [ Behufs einer solchen Untersuchung habe *) Z. für Dem. u. Stat. d. Juden. 1905, Heft 11. -) Die Südrussischen Juden. Aren. f. Anihr., B. 23. ich mich mit Unterstützung der Rudolf Vircho w- Stiftung nachPalästinabegeben,in derHoffhung, dort nicht nur Juden aus aller Herren Ländern, für die es einen nationalen und religiösen Mittelpunkt bildet, sondern auch noch Reste der autochthonen Bevölkerung zu finden. Die Hauptmasse der jetzigen Bevölkerung Palästinas machen die Araber aus, die sich in die der Städte und des flachen Landes teilen. Diesen ansässigen Elementen gegenüber spielt die geringe Zahl der wandernden Araber, die sich selbst Beduinen nennen, keine große Rolle. Während aber die letzteren ihrer Lebensgewohnheiten und ihres physischen Habitus wegen zu den echten Arabern zu zählen sind, die erst mit dem Islam ins Land gekommen und noch jetzt alljährlich nach Innerarabien wandern und von dort verstärkt zurückkehren, läßt sich dies von der übrigen arabisch sprechenden Bevölkerung nicht sagen. Die Stadtaraber stellen wohl, wie jede städtische Bevölkerung, ein Gemisch der verschiedensten Elemente dar, dagegen glaube ich in den Dorfbewohnern, den Fellachen, mehr oder weniger unvermischte Reste der Ureinwohner erblicken zu dürfen. Gilt schon in Europa der Bauer als ein viel rassenreinerer Repräsentant dem Städter gegenüber, so läßt sich dies umsomehr von der höchst konservativen orientalischen Bevölkerung behaupten, die seit Jahrhunderten sich in Stagnation befindet. Und wenn der ägyptische Fellache von heute von den meisten Kennern des Landes und seiner Geschichte als direkter Nachkomme des alten Ägypters betrachtet wird, so läßt sich dies mit demselben Rechte auch vom palästinensischen Fellachen sagen, wobei zu Gunsten des letzteren noch der Umstand sprechen würde, daß der größte Teil Palästinas seiner gebirgigen Beschaffenheit wegen im Vergleich mit dem flachen Ägypten als schwer zugänglich und deshalb als konservierend bezeichnet werden muß. Das Arabische ist dort wie hier nur der äußere Firnis und die Geschichte spricht jedenfalls dafür, daß Ägypten quantitativ nicht weniger, sondern wahrscheinlich viel mehr arabisiert wurde als