Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1909)
- Article
- Die zentralasiatischen Juden in anthropologischer Beziehung
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 105 (sequence 3)
- Language
- German
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— 105 — Es ist ein Geschäftsbrief eines persisch sprechenden Juden ans Tabaristan. Dieses merkwürdige Stück dient als historisches Zeugnis dafür, daß schon zu jenen fernen Zeiten Beziehungen zwischen Persien und China bestanden haben, zugleich aber auch dafür, daß schon damals persisch sprechende Juden über das ganze weite Gebiet zerstreut waren und diese Beziehungen vermittelten. Und auch jetzt noch ist eine Mundart des Persischer, die Muttersprache der zentralasiatischen Juden, somit Persien ihr engeres Stammland. Die Juden aus den verschiedenen Gebieten Zentralasiens konzentrieren sich in Jerusalem im sogenannten Bucharischen Viertel, das den schönsten und reichsten Stadtteil bildet. Seit der Okkupation Turkestans durch Rußland hat sich die ökonomische Lage des Landes bedeutend gehoben, woran die Juden nicht geringen Anteil genommen haben. Viele von ihnen haben enorme Reichtümer erlangt, aber die heftige Liebe zum fernen heiligen Lande veranlaßte manchen die blühenden Geschäfte aufzugeben und nach Jerusalem zu ziehen in der einzigen Hoffnung das brachliegende Land aufbauen zu helfen, um auf diese Weise die Rückkehr seines einstigen Glanzes zu beschleunigen. Wie daraus zu ersehen ist, steckt in ihrem Benehmen eine gewisse Mystik und wirklich sind die Bucharer Juden als Anhänger der Kabbala bekannt. Man spricht gewöhnlich in Jerusalem nur von bucharischen Juden, da diese am meisten vertreten und die reichsten sind, weswegen sie auch die Führer der ganzen zentralasiatischen Kolonie, die etwa 1000 Seelen stark ist, sind und ihr ihren Stempel aufgedrückt haben. Sie fallen dem Beobachter auf dem ersten Blick auf und zwar erstens durch ihre besondere Tracht und zweitens durch ihren besonderen physischen Typus. Es sind meistens zwar gedrungene aber kräftige zur Beleibtheit geneigte Gestalten, deren Gesicht von einem Patriarchenbart umrahmt ist. In beistehender Tabelle sind die Mittelwerte neben der Minima und Maxima sämtlicher von mir genommenen Masse zusammengestellt. Alle Gemessenen waren erwachsene Leute über 18 Jahre alt. Körpermaße der zentralasiatischen und s ü cl r u s s i s c h e n J u d e n. Zentralasien Sudrussland Minirr-um Mittel Maximum Mittel Körpsriänge 1500 1636 1710 1651 Klafter weite 1-90 1694 1760 Hol Kopfumfang 515 545 580 550 Ko;:f länge größte 175 183 203 183 Kopf breite ., 136 151 160 151 Gesichtsiänge 115 124 131 11:) jochbreite 125 137 150 138 Masenhöhe 51 55 61 54 Nasen breite obere 26 32 34 31 ftasenbreite untere 20 35 30 34 Kopfindex 77,3 82,5 80.7 82 Gesichtsindex «1,4 00,5 06,8 86 Nasenindex 50,0 63,6 70,5 (53 Kurzköpfe in Proz. _ 72,2 81 semitische Nase „ — 33,3 — 10 Brünette „ — 8s 0 — 5 s Der K ö r p ( i r Ii ö h e nach i, die im Mitte 1631) betrug, sind die zentralasiatischcn Junen untermittelgroß. Ihre mittlere K 1 a f terweite ist um 61 mm größer als die Körperlänge und zwar war letzteres Maß bei allen Gemessenen mehr oder weniger das geringere, was sehr bemerkenswert ist, da bei den anderen jüdischen Gruppen dieses Verhältnis ein sehr variables ist. Der mittlere K opf u m f an g betrug 545. Die Kopflän g e schwankte in ziemlich weiten Grenzen von 175 bis 203 bei einem mittleren Wert von 183. Auch die Kopfbreite zeigt eine große Schwankung zwischen 136 und 160 bei einem Mittelwert von 151. Schon aus den weiten Schwankungen der Kopfmaße läßt sich voraussagen, daß der Kopfindex kein konstanter sein wird. Und wirklich schwankt dieser zwischen 77,3 und 89,7 bei einer mittleren Höhe von 82,5. Wie folgende Zusammenstellung zeigt verteilen sich die 18 Köpfe ziemlich gleichmäßig unter die folgenden Gruppen: Mesocephaiie 75 — 80 5 Brachycephalie 85 7 Hyperbrachycephaiie 90 6 Die Gesichtslänge, von der Nasenwurzel bis zum Kinn gemessen, war im Mittel