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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. Seite 92

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Der Gesundheitszustand der Juden in Odessa
Date
1909-06-01
Page
Seite 92 (sequence 3)
Language
German
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— 92 — folgende B e völkerungszunahmen berechnen: Juden Russen 1901 19,0 10,2 1902 16,6 9,6 1903 16,2 7,9 Die natürliche Zunahme der Juden im europäischen Rußland ohne Polen läßt sich auf 16,6 berechnen, was ungefähr der der Juden in Odessa entspricht. Dagegen haben die Russen in diesem Gebiet eine natürliche Zunahme von 19; also eine größere als die Juden und eine Zweifache als die der Russen in Odessa. Auch diese Erscheinung steht wohl mit der Stetigkeit der jüdischen Bevölkerung im Zusammenhang. Im Mißverhältnis zu den oben geschilderten günstigen Lebenserscheinungen steht das Verhalten der Juden den verschiedenen Infektionskrankheiten gegenüber, was für manchen überraschend sein wird. Im Jahrfünft 1899 bis 1903 wurden in Odessa 41900 ansteckende Kranke festgestellt. Darunter waren 24181 also 57,7% Russen und 15686 oder 37,4 % Juden. Von diesen starben 2573Russen und 1601 Juden, was prozentualiter 56,3 Russen und 38,1 Juden beträgt. Dabei machen die Juden, wie gesagt, 34 und die Russen 60 Prozent der Bevöl kerimg aus. Ein en interessanten Einblick in die Morbidität und Mortalität an verschiedenen Infektionskrankheiten gewährt Tabelle IV. Wir sehen, daß der Prozentsatz der erkrankten Juden bei allen Krankheiten ausser Rückfalltyphus und Ruhr höher ist als ihr Anteil in der Bevölkerung, während die Russen ein umgekehrtes Verhältnis zeigen. Die größte Morbidität der Juden fällt auf den Flecktyphus, wo sie die Hälfte aller Erkrankten bilden, dann folgen die Kinderkrankheiten Masern, Scharlach und Diphtherie; bei Blattern, Unterleibstyphus und Keuchhusten steht ihr Ergriffensein etwas über dem Normalen um endlich beim Rückfalltyphus und der Ruhr auf etwa 20 Prozent herabzusinken. Was die Verteilung der Gestorbenen nach Nationalität anbelangt, so geht sie mit der Tabelle IV. Verhalten bei Infektionskrankheiten. Von 100 Er¬ Von 100 Ge¬ Von 100 Er¬ Krankheit krankten waren storbenen waren krankten starben Juden Russen Juden j Russen Juden Russen Masern 39,1 50,4 38,9 55,4 8,2 8,4 Scharlaeh 42,5 55,3 41,9 52,5 16,8 17,5 Blattern 35,2 58,3 26,1 63,5 16,8 23,9 Unterleibstyphus 37,5 56,0 37,5 56,5 9,0 11.3 Hecktyphus 50,4 44,0 46,5 46,5 5,3 6,0 Rückfalltyphus 19,7 75.7 4,2 91,7 0,7 3,4 Keuchhusten 36,4 61,3 30,0 59,0 4,5 4,7 Diphtherie 42,9 50,4 42,8 53,4 13,3 13.3 Ruhr 20,9 75,0 22,0 67,8 5,2 6,2 der Erkrankten parallel und wir sehen hier wie dort fast genau dieselben Zahlen auftreten, mit Ausnahme von Blattern, wo die Juden mit 26, und des Rückfalltyphus, wo sie mit nur 0,7 Prozent vertreten sind. Aber trotz des stärkeren Ergriffenseins der Juden ist ihre eigentliche Mortalitätsziffer, die in der letzten Kolumne angegeben ist, bei allen Krankheiten außer Diphtherie eine mehr oder weniger geringere, mit der höchsten Differenz bei den Blattern und der geringsten bei den Kinderkrankheiten. Die Ursachen für manche dieser Erscheinungen liegen auf der Hand. So ist der leichtere Verlauf der Blattern bei den Juden wohl ihrer häufigeren Impfung zuzuschreiben. Die hohe Beteiligung an den mit Ausschlägen verbundenen Krankheiten steht wohl in erster Linie mit den bekannten schlechtenWohnungsverhältnissen derOdessaer Juden in Verbindung, die dem Kontagium sein böses Spiel erleichtern. Der Rückfalltyphus ist in Rußland mit dem Vagabundentum eng verbunden und deshalb bei den Juden seltener. Was endlich die Ruhr anbelangt, so spricht die geringe Beteiligung der Juden Idafür, daß ihre Kinder sich in besserer Obhut ^befinden und besser genährt werden. Die geringere Sterblichkeit der Juden trotz ihres größeren Ergriffenseins ist ein beredtes Zeugnis dafür, daß die Juden ihren Kranken mehr Aufmerksamkeit schenken und sie besser pflegen. Übrigens läßt sich für das häufigere Auftreten der eigentlichen Kinderkrankheiten

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