Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. Seite 91

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Der Gesundheitszustand der Juden in Odessa
Date
1909-06-01
Page
Seite 91 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2650397-3187664-3187671-3190104--2210-3190139
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

— 91 — Während der Zählung von 1897 wurden in Odessa 138935 Juden gezählt, die 34,4 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten. Wird dieses Verhältnis den weiteren Betrachtungen zugrundegelegt, so läßt sich aus Tabelle I schliessen, daß das Geburte nv erhäl tni s der Juden ein ihrem Anteil etwa entsprechender ist. Die Zunahme von 33,6 auf 35,8 ist mit Vorsicht zu deuten, jedenfalls ist sie kaum als der Ausdruck für die Zunahme der jüdisch en Geburten zu betrachten, denn gleichzeitig zeigt sich Promille der entsprechenden Bevölkerung eine bedeutendere Abnahme der Geburtenziffer von 38,4 auf 34,5, Diese Erscheinung) sowie auch diejenige, daß Promille die jüdische Bevölkerung eine größere Rate aufweist als die russische, ist nur so zu deuten, wie auch D o 1 g o p o 1 richtig erkannt hat, daß die jüdische Bevölkerung eine größere Stetigkeit besitzt und infolgedessen sich auch normaler entwickelt als die russische, denn Odessa ist ein großer Anziehungspunkt für verschiedene russische Arbeiter, die dort jahrelang ohne ihre Familien zubringen. Einen indirekten Beweis dafür liefert die Tatsache, daß überall in Rußland das Geburten Verhältnis Promille der Bevölkerung bei den Juden ein bedeutend tieferes ist als bei der Gesamtbevölkerung und die Mittelzahlen 35,4 bei den Juden gegen 53,4 bei den Russen betragen. Jedenfalls ist die Geburtenzahl der Odessaer Juden als Großstädter an und für sich eine hohe zu nennen. Bemerkenswert ist der große Knabe n üb er schuß bei den Juden, der etwa das Anderthalbfache desj eiligen der Russen ausmacht bei etwa zweifach geringerer GesamtgeburtenzahL Die Ursache für diese auf den ersten Blick seltsame aber immer wiederkehrende Erscheinung ist, daß viele der jüdischen neugeborenen Mädchen entweder ganiicht oder spät in die Register eingetragen werden. Auffallend gering ist die Zahl der u ne h e 1 i c h Ge b o r e n e n bei den Juden, die im Mittel nur 0,2 betragen hat, was um so bemerkenswerter ist, als sich für ganz Rußland ein Prozentsatz für die Juden von 5,4 ergeben hatte. Übrigens scheint die Groß- und Hafenstadt Odessa, wenn keine Fehler daruntergelaufen sind, überhaupt sehr sittlich zu sein. Tabelle II. Prozent der unehelich Geborenen. Odessa Europ. Russ] 1901 1902; 1903 Mittel 1897 Griecbieb-Kathol. 11,8 11,9 1 11,9 lb9 26,5 Röm-sch-KathoL 12,6 9,7 : 10,1 10,7 36,1 Protestanten 8,1 9.7 : 8.2 8,7 38,6 Juden M Ol 0^2 0,2 5,4 Die Sterblichkeitsraten der Juden sind aus Tabelle III zu ersehen. Ihr Prozentsatz in der Gesamtsterblichkeit (29,8) ist um etwa 4 Einheiten niedriger, als dem Anteil der Juden in der Gesamtbevölkerung ('34,4) entsprechen dürfte. Auch zeigen sie Promille der entsprechenden Seelenzahl eine bedeutend geringere Sterblichkeit. Im Allgemeinen ist aber ihre Sterblichkeit etwas höher als die der Juden im europ. Rußland, die im Jahre 1897 etwa 17,8 gegen 34,3 bei den Russen betragen hat. Tabelle Iii. Sterblichkeit. jähr In Prozenten der Gesamtzahl Promille der entsprechend. Bevölkerung jähr \ Juden; Russen Juden Russen 1899 1900 1901 1902 1903 1891 bis 1900 20,3 62,1 30.2 62,0 29J> 61.9 30.2 61,7 31,9 59,7 29,8 61,7 1892 : 20,8 j 26,0 1897 17,6! 25,4 1901! 19,4 i 23,0 1902 16,1 I 24,1 1903 18,3! 24,3 1899 bis %>) -! 1900 ~'°; -M Dass die Armut einen großen Einfluß auf die Sterblichkeit hat, ist ja bekannt, Es zeigt sich aber, daß alle sozialen Schichten | bei den Juden eine geringere Sterblichkeit j aufweisen als bei den Russen. So starben | Promille der Bevölkerung im Jahre 1903 | Juden Russen | im reichsten Bezirk 12,5 15,8 j im ärmsten Bezirk 35,'6 42,7 i j Aus den Tabellen I und III lassen sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.