Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Zur Statistik der Kriminalität der Juden
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 75 (sequence 6)
- Language
- German
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— 75 — die Straftat zu verüben die Absicht hatte", wäre wohl mehr als prekär. Daß die Berufskriminalität auf dem Wege des Berufes und in ihm gelegen ist, sollte wohl indiskutabel sein. Auch die Schlüsse, welche Hoegel aus der Art der Verantwortung des Diebes und des Betrügers zieht, muß den Glauben hervorrufen, daß seiner Ansicht nach die Juden, weil sie eben schon im Vorhinein betrügen wollen, den dazu tauglichsten Beruf wählen. v. L i s z t sagt, daß die von .-ihm verlangten monographischen Untersuchungen bisher mehr Anregungen als Ergebnisse gebracht haben", und er schließt seine Betrachtung über die Kriminalität der Juden mit den Worten: „Daß sich auch die Parteileidenschaft der Frage bemächtigt hat, muß der Wissenschaft ein Ansporn sein, ohne Liebe und Haß — es sei denn die Liebe zur Wahrheit und der Haß gegen ihre Entstellung — an die Untersuchung herantreten;e. Es wäre lebhaft zu begrüßen, wenn es gelänge, [r i c h t i g e Ergebnisse auf dem Gebiete der Kriminalität der Juden zu zeitigen. Im Hinblicke auf die Parteileidenschaft, nicht weniger aber auf den Skeptizismus, der sich auch dort, wo man sich von Parteileidenschaft i frei wähnt, sofort einzasteilen pflegt, wenn es; sich um Juden — und gar um Aussagen von I Juden über Juden handelt, wäre es wünschens- | wert, daß gerade die Untersuchung über die i Kriminalität der Juden nicht mehr von Juden I vorgenommen werden möge. Es dürften sich \ wohl noch fähige und berufene christliche I Kriminalstatistiker rinden, die sine ira et studio I und ohne Voreingenommenheit die Erhebungen; richtig machen können. Erhebungen dieser Art, sie mögen ausfallen wie sie wollen, werden Jedermann willkommen sein, sofern die Statistiker I sich von dem von Hoegel aufgestellten i Grundsatz leiten lassen, „daß die Statistik | eben nicht einseitig dargestellt und keiner | Tendenz dienstbar gemacht werden sollu. i Jüdlsciu Woiiifahrispflege in Berlin. Nachdem wir kürzlich in dieser Zeitschrift (S. 45 ff. des laufenden Jahrgangs) die wichtigsten Daten über die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland mitgeteilt haben, sind wir nunmehr in der Lage, über die in der größten Gemeinde Deutschlands, in Berlin, geübte Wohlfahrtspflege zu berichten, und zwar an der Hand eines Vortrags, den Dr. Wilhelm Feilchenfeld, wohl der beste Kenner der in Frage kommenden Verhältnisse, vor den vereinigten Berliner Logen U. 0. B. B. gehalten hat und der als Beilage zum Bericht der Großloge für Deutschland abgedruckt worden ist. Die Zahl der in Berlin unterstützten jüdischen Armen schätzt Feilchenfeld jährlich auf etwa 2% der jüdischen Einwohner Groß- Berlins: da jedoch hierbei die Gesamtzahl der jüdischen Einwohner mit 147 000 zu hoch angenommen ist, ist die Verhäitniszahl, welcher eine absolute Ziffer von 2913 Unterstützungsfällen zu Grunde liegt, etwas zu niedrig. Bei der letzten Volkszählung am 1. Dezember 1905 betrug nämlich die Zahl der Juden in Berlin, Charlottenburg, Schöneberg und Kixdorf nur 122602; die übrigen zur Berliner Gemeinde gehörigen Ortschaften zählen aber nur wenig Juden, so daß sich die Zahl der der Gemeinde Groß-Berlin angehörenden Juden im Jahre 1905 nicht viel höher war als 122 602; diese Zahl wird allerdings bis zum Jahre 1907, auf welches sich die Angaben Feil che nfelds beziehen, etwas zugenommen haben. Doch ist die von Feiichenfeld angenommene Ziffer sicher noch nicht erreicht. Die Gesamtausgabe der Wohlfahrtsinstitute der Berliner jüdischen Gemeinde beträgt 965 645 Mk.; hierin sind jedoch die von