Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 4 (April 1909)
- Article
- Die Einwanderung von Juden in die Vereinigten Staaten im Jahre 1907/1908
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 57 (sequence 4)
- Language
- German
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— 57 — man die Geldträger noch in solche, welche 1000 Mark und mehr mitbrachten und in solche, welche weniger als 1000 Mark besassen, dann ergibt sich folgendes: Von je 100 der gesamten Einwanderungsbevölkerung brachten 16,10, von jelOO Juden 10,70, von jel 00 Italienern, 8 mehr als 50 £. d. i. 1000 Mark mit. Es ist die geringe Anzahl von Personen, welche 1000 Mark und mehr mitbringen, bei den Juden erklärlich, wenn wir sogleich ihre berufliche Zusammensetzung betrachten. Im Vergleich zum vorigen Jahre ist der Satz pro Kopf der jüdischen Einwanderer etwas heruntergegangen (1907:13,18 Dollars). Tabelle VI a. V. je 100 d.j Von je 100 Beruf Gesamtz, Gesamtz.! Juden Jud gehört. gehört, an an Freier Beruf 11078; i,40 713 0,68 Gewerblich 1 i vorgeb. Ber. 123(340 | 18,70 36193! 35,00 Verschied. Berufe 405475! 51,70 i 19759 : 19,10 | 45,22 Beruflose 242677 i 28,20 46722 Im Anschluß hieran wollen wir einen kurzen Blick auf die berufliche Gliederung der jüdischen Einwanderer werfen. (Tab. Via). Sofort fällt uns der große Anteil der Berufslosen auf. Fast die Hälfte aller einwandernden Juden haben keinen Beruf. Auch hier kommt der Wesensunterschied zwischen der jüdischen Einwanderung und der Einwanderung der übrigen Nationen ziffernmäßig zum Ausdruck. Nur 55% aller Juden sind berufstätig, kommen also als Arbeitskräfte in Betracht. Doch dürfen wir nicht ausser Acht lassen, daß der starke Bestand an Kindern in einigen Jahren gleichfalls Arbeitskräfte liefert, zumal wenn wir berücksichtigen, daß in Amerika viel früher als bei uns die wirtschaftliche Selbstständigkeit beginnt. Nicht einmal 1% gehörte den freien Berufen an. Ihre Vertreter sind am wenigsten zur Auswanderung gezwungen und machen auch unter der Gesamtzahl der Einwanderer den geringsten Anteil aus. Dagegen befinden sich 35 °/0 gewerblich Vorgebildete unter den Juden im Gegensatz zu 18,7% bei der Gesamtzahl, während nur 19,10% verschiedenen Berufen angehörten, deren Angehörige umgekehrt 57,7% der Gesamtzahl ausmachten. Um diese Unterschiede zu verstehen, ist es nötig, die zwei Kategorien: G e w e r b 1 i c h V o rgebildete und verschiedeneBeruf e, näher zu spezialisieren. (Tab. VIb). Wir bekommen dadurch auch einen Einblick in die berufliche Gliederung der unteren Klassen der Juden in Tabelle VI b. Bäcker; Tischler Kleider- .Handle macher gehilfen Maler u. Glaser Näherinnen Gesi. 3403 11394 5273!10739 3254 i 3823 Juden 979 2907 2310! 1968 1257; 1268 Schuh¬ Schnei-i Landarm Taglöh- : Kaufl.u. Dienstmacher der ^eite^ j ner i Hand!. boten Gesz. Juden 7600 1981 20735 14S82 138844 1146051; 18961 6S24 12019 : 2416 j 89942 746.1 Kußland und Österreich-Ungarn (vorwiegend Galizien). Der Handwerkerstand ist bei den Juden sehr stark vertreten, namentlich stellen die Schneider ein sehr beträchtliches Kontin" 2'ent. Es waren unter je 71,70 Juden je je 100 Bäckern........... 28,70 „ je 43,70 „ je 100 Handlungsgehilfen..... 18,30 „ je 100 Malern und Glasern . . . . 38,60 „ je 33,20 „ je 100 Schuhmachern....... 20,00 „ je 100 Landarbeitern....... 1,30 „ je 4,60 „ je 100 Kaufleuten und Händlern 92,10 „ je 100 Dienstboten......... 8,30 „ Fast dreiviertel aller Schneider waren Juden, auch die übrigen handwerksmäßigen Berufe wie Kleidermacher, Näherinnen, Maler, Glaser unci Bäcker wiesen einen starken Bestand an Juden auf, dagegen war der Anteil der Juden unter den Landarbeitern und Tagelöhnern sehr gering. Die allgemeine Erscheinung, daß nur ein kleiner Teil der erwerbstätigen Juden zum Stande der Dienstboten gehört, zeigt sich auch liier. Diese Zahlen erklären uns den Unterschied zwischen der beruflichen Zusammensetzung der Juden einerseits und der gesamten Einwanderungsbevölkerung andrerseits und sollen außerdem dazu dienen, die wirtschaftliche und soziale Lage der jüdischen