Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 4 (April 1909)
- Article
- Die Kriminalität der Juden in Deutschland während der Jahre 1903 - 1906
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
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54 garnicht vermehrt; nur bei den Münzdelikten betrug in der ersten Periode sowohl bei den Christen als auch bei den Juden die durchschnittliche Verhältniszahl 0,3, während in der zweiten Periode diese Ziffer bei den Juden auf 0,5 gestiegen, bei den Christen aber gleich geblieben ist: diese Zunahme ist, wie bereits erwähnt, dadurch entstanden, daß die jährliche absolute Verurteiltenzahl bei den Juden von 2 auf 3 gewachsen ist. Nach der Reihenfolge der Tabelle waren die Juden im Durchschnitt der Jahre 1903 bis 1906 verhältnismäßig weniger als die Christen beteiligt an folgenden Delikten: Hochverrat, Landesverrat, Majestätsbeleidigung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Hausfriedensj bruch, Arrestbruch, Meineid, andere Ver- | letzungen der Eidespflicht, Religionsdelikte, Personenstandsverletzung, Notzucht, Unzucht mit Kindern usw., widernatürliche Unzucht, Blutschande, Mord, Totschlag, Kindesmord, Aussetzung, Tötung auf Verlangen, Abtreibung, fahrlässige Tötung, Körperverletzung, Vergiftung, Nötigung, Bedrohung, Freiheitsberaubung, Diebstahl, Unterschlagung, Raub, räuberische Erpressung, Begünstigung, Hehlerei, Jagd- und Fischereivergehen, Sachbeschädigung, gemeingefährliche Verbrechen und Vergehen, Amtsdelikte. Um wieviel die Christen die Juden oder umgekehrt die Juden die Christen in der Anteilnahme an den einzelnen strafbaren Handlungen überwiegen, ist aus der Tabelle ersichtlich. Die Einwanderung von Juden in die Ve Von Dr. oec. publ. Jacob Die jährlichen Berichte des Commissioner- General of Immigration (Washington) ermöglichen uns, den zeitlichen Verlauf der Einj Wanderung nach den Vereinigten Staaten von; Nordamerika zu verfolgen und in die Zu- | sammensetzung der Menschenmassen, die aus \ aller Herren Länder zusammenströmen, einen!! genauen Einblick zu erlangen. Es werden j nämlich bei der Landung die persönlichen, \ wirtschaftlichen, kulturellen Verhältnisse, dos j Einzelnen erfragt und danach die gesamte \ Einwanderungsbevölkerung in Gruppen gej schieden, deren nähere Betrachtung uns zeigt, j welche Regel- und Gesetzmäßigkeit im dortigen! Gesellschaftsleben herrscht. j Schon ein Blick auf den zeitlichen Verlauf! der Einwanderungsbewegung läßt uns ein! Gesetz des Wirtschaftslebens erkennen. Aus I Tabelle 1. Fiskaljahr Gesamtzahl Zunahme j Abnahme | Gesamtzahl Zunahme : Abnahme 1903/01: 1904/05 1905/06 1906/07 1907/08 812870 1026499 1100735 1285349 782870! +26,20 i + 7,2u i \ + 16,70 i 1 - 39,00 | 1 1 106236 129910 153748 149182 103387! +22,28 + 18,30 : — 2,90 i —30,70 reinigten Staaten im Jahre 190711968. S e g a 11, Charlottenburg. Tabelle I ergibt sich, daß im Fiskaljahr 1907/08 im ganzen 782870 Einwanderer in den Häfen der Vereinigten Staaten gelandet sind. Das bedeutet einen rapiden Sturz gegen die Hochflut der verflossenen Jahre. Es sind in diesem Jahre 502479 weniger als 1907, 317865 weniger als 1906 und 243629 weniger als 1905 eingewandert. In Prozenten ausgedrückt heißt dies ein Sinken von 39%, 29%, 24% im Vergleich zu den drei vorhergegangenen Jahren. Zur Begründung für dieses außergewöhnliche Nachlassen der Zuwanderung führt der Amnual-Report folgendes an: 1. Die Ursachen, welche sonst in Europa die Leute zur Auswanderung veranlassen, waren in diesem Jahre nicht so drängend wie früher — besonders in Rußland und 2. Die wirtschaftliche Depression in Amerika hatte eine Minderung in der Nachfrage nach Arbeitskräften zur Folge. Der letzte Punkt war der ausschlaggebende. Die Einwanderung in ein Land und ihr Gegenteil, die Auswanderung aus einem Lande bilden in zeitlicher Entwicklung einen Maßstab für die wirtschaftliche Konjunktur der betreffenden Länder. Angebot und Nachfrage nach Ar-