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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-03-01 · Heft 3 (März 1909) · p. Seite 45

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 3 (März 1909)
Article
Zum gegenwärtigen Stande des jüdischen Nationalfonds
Date
1909-03-01
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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— 45 — ausmachten, wahrend beispielsweise für die Selbstbe* Steuerung Deutschland nur Vg der aligemeinen und ein Dreißigstel der Gesamtspenden, Rußland Vio der allgemeinen und ebenfalls ungefähr den 30. Teil seiner Gesamtspenden aufgebracht haben. Die Sammelbcgen, die in Deutschland erst jetzt zur Einführung gelangen, haben fast den gesamten Ertrag von 10958,52 M, aus Oesterreich (5 784,46 M) und Rußland (3 369,04 M). Verwunderung erwecKen die relativ geringfügigen Beträge, die für Nationalfondsmarken eingegangen sind, insgesamt 26534,08 M. Mit größeren Summen sind hier nur Nordamerika (10787,51 M, Ys der Gesamtspenden Nordamerikas), Rußland (7 449 91 M) und Südafrika (3 776,55 M) beteiligt. Fast den gleichen Betrag wie die ftationalfondsmarken ergeben die Sammelbüchsen, doch sind deren Erträgnisse über alle Länder in entsprechendem Verhältnis verteilt. Die allgemeinen Spenden, d, h. also die zumeist in den Zeitungen ausgewiesenen Spenden ergeben insgesamt fast 1/3 der Gesamtsumme, aller Spenden, nämlich 87944,23 M. Hierzu, tragen am meisten bei: : Rußland mit 24853,51 M, Oesterreich mit 16 937,08 M \ und Deutschland mit 10052,78 M, Nordamerika und! Rumänien geben zirka 7000 M, Südafrika und England i etwa je 4000 M, die Schweiz, Bulgarien, Belgien,; Argentinien ungefähr je 2000 M, die Niederlande, Ungarn sowie Kroatien-Slavonien-Bosnien annähernd je 1000 M. Diese Reihenfolge ist übrigens auch ungefähr die der Gesamtsummen der einzelnen Länder.- Wenn mit den bereits gesammelten i Geldern bei weitem nicht erreicht werden! kann, was als Ziel vorschwebt, so darf man! in den nächsten Jahren, da allerorts planmäßige! Sammlungen organisiert werden, auf weit ' höhere Einnahmen rechnen. Die Verbreitung der Sammlungen über die ganze Erde zeigt, : daß der Nationalfonds schon eine eminent | volkstümliche Institution geworden ist. Die jüdische Wohltätigkeit und Justizrat Bernhard Breslauer behandelt dieses Thema ausführlich in dem Archiv für Volkswohlfahrt (Jahrgang 2, Heft 2), und zwar die jüdische Wohltätigkeitspflege, welche entweder von den jüdischen G-emeinden oder von den jüdischen Privat- Wohltätigkeitsvereinen geübt wird. Was die letzteren anlangt, so haben 1014 Gemeinden 3010 Vereine und von Gemeinden mit mehr als 20 Zensiten haben nur 188 keinen Verein. Die Tätigkeit der jüdischen Wohltätigkeitseinrichtungen umfaßt das ganze Menschenleben. Die G eb u r t wird durch Wöchnerinnenheime überwacht, daran sehliessen sich Kinderhorte, Vereine für hilflose Kinder, Kindergärten, Vereine für Ferienkolonien, Bekleidungsanstalten, Einrichtungen zur Beschaffung von Büchern und Lehrmitteln usw. Für Knaben gibt es Einrichtungen zur i^usbildung im Handwerk, im Garten und Ackerbau, für Mädchen zur Ausbildung als Dienstboten. Außerdem sind Lehrlingsheime vorhanden. Für Erwachsene existieren Arbeitsnachweisbureaus, Stiftungen für höhere Berufe. Den Übergang Maiutspflege in Deutschland. zur Fürsorge für Familien bilden die Einrichtungen zur Ausstattung von Bräuten. Für Eheleute wird besonders viel gesorgt, indem Verarmte aufgesucht, die Eltern in Arbeitsstellen untergebracht, gleichzeitig die Kinder versorgt werden. Für Kranke ist in Krankenhäusern und durch Polikliniken gesorgt. Überall in Deutschland sind Vereine gegen Wanderbettelei errichtet. Die Fürsorgetätigkeit für Verbrecher und verwahrloste Kinder bildet eine besondere Aufgabe der jüdischen Wohlfahrtspflege; für letztere existiert eine Anstalt in Repzin. Für alte Leute ist durch Altersversorgungsanstalten und Altersheime gesorgt. In den einzelnen Gemeinden befassen sich entweder die Verwaltungen oder die Vereine mit dem einen oder anderen Zweige der Wohltätigkeitspflege oder mit mehreren zugleich. In größeren Städten arbeiten die vorhandenen Institute gemeinsam nach vereinbartem Plane, für manchen Zweig gibt es größere Verbände. So für ganz Deutschland einen Verband der Vereine zur Förderung des Handwerks und

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