Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 3 (März 1909)
- Article
- Zum gegenwärtigen Stande des jüdischen Nationalfonds
- Date
- 1909-03-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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— 44 — Wenn man die Gesamtzahl der Juden mit j 11110000 annimmt, so müßte gemäß des j Jahresertrages von 274 605.43 M auf den Kopf! eine Leistung von 2,48 Pfennigen fallen. Dem-; zufolge stehen die Länder 1 bis 16 über? \ 17—24 unter dem Durchschnitt. Wie das Hauptbureau die Sammelergebj nisse in den verschiedenen Ländern subjektiv; bewertet, zeigt nachstehender Auszug au§ [ seinen Mitteilungen: Den positiv höchsten Beitrag — ein Viertel der i gesamten Eingänge — hat im verflossenen Jahre Ruß' j land geliefert. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, daß i Rußland mit nahezu olj2 Millionen Juden bei weitern die I größte jüdische Bevölkerung aller Länder der Welt besitzt. So sinkt denn auch das positiv dominierende Sammelergebnis in der Tabelle der relativen Leistungen bis zur 18. Stelle hinab; auf den Kopf der jüdischen : Bevölkerung entfällt in Rußland nur ein Betrag von 1,33 Pfennigen für den Nationalfonds. Ziehen wir das Land mit der ärmsten jüdischen Bevölkerung, Galizien, zum; Vergleich heran, so müßte nach einfacher mathematischer; Berechnung die jährliche Leistung Rußlands für den Nationalfonds mindestens ISO000 M. betragen. Das eben zum Vergleich herangezogene Galizien ist j tatsächlich eines der ärmsten Länder. Wir müssen : deshalb hervorheben, daß es an Sammeleifer und rast'; loser Tätigkeit die meisten andern Länder übertrifft. I Wenn Oesterreich mit seiner positiven Leistung von j 50453,41 an zweiter Stelle steht, so verdankt es dies ] nicht zuletzt der ruhrigen Mitarbeit gerade seiner östi liehen Gebietsteile. Der reiche Westen, — Böhmen und! besonders Wien selbst, — könnte bei größerer Bej teiligung der zahlreichen wohlhabenden jüdischen Be- \ völkerung ganz andere Summen aufbringen. Die relativ beste Leistung hat Südafrika zu : verzeichnen. Tis hat pro Kopf seiner jüdischen Bej völkerung 0,53 Mk. aufgebracht. Könnten Rußland,; Amerika, Oesterreich und Deutschbnd ähnlich günstige j Resultate^aufweisen, so wurde der J. N.-F. eine jährliche j Einnahme von 500000 M. zu verzeichnen haben. I Zum erstenmal sind >n diesem Jahre größere Spenden; aus der Türkei eingelaufen. Wenn ihr relativer Wert | auch erst an letzter Stelle steht, so ist doch die j moralische Wirkung dieser Mitarbeit sehr hoch einzu-! schätzen. Dasselbe kann von Palästina gesagt wenden. ■ Vergleichen wir die Sammelergebnisse der einzelnen j Quartale im Jahre 1908, so zeigt sich, daß die letzten; drei Monate bedeutend größere Summen einbrachten als j irgendeines der vorhergehenden Quartale. Dieses Steigen; der Einnahmen im letzten Vierteljahre ist zum Teil auch ' auf die politische Umwälzung in der Türkei zurückzu- : führen. Die Umwandlung der türkischen Staatsform und; die damit nahegerückte Verbesserung der Wirtschaft' j liehen und rechtlichen Zustände Palästinas hat dem j Nationalfonds neue weite Perspektiven eröffnet. Diese Auf-; fassung hat sich in weiten Kreisen unserer Gesinnungs-; genossen Bahn gebrochen und kommt zahlenmäßig in; der Intensität der Sammlungen für den Fiationalfonds zum i Ausdruck.4* Was die Sammelmittel anbelangt, so gibtf olgende nach der absoluten Höhe geordnete Reihe ein beiläufiges Zeugnis ihrer Beliebtheit. Allgemeine Spenden brachten 87 944,23 M; das „Goldene Buch," eine Art Gedenkbuch, wo einzelne Personen; Gruppen ocier der Erinnerung werte Ereignisse eingetragen werden, wenn für sie mindestens 100 Pfund Sterling eingeht, ergab 63 553,54 M; die Oelbaumspende, auf deren Bedeutung weiter unten zurückgekommen wird, 46 038,24 M: Nationalfondsmarken wurden im Betrage von 26 534,08 M verkauft; auf den Sammelbogen wurden 10 948,52 M gezeichnet; die Selbstbesteurung erreichte 9 211,86 M Telegrammblankette, die statt Gratulationsdepeschen als Briefe abgesandt und mit den Normalkosten eines Telegramms bewertet werden, 3862,08 M. Unter den Sammelmitteln hat sich die Oelbaumspende eine besondere Bedeutung erworben. Sie dient dazu, Teile des vom Nationalfonds erworbenen Landes mit den erträgnis reichen Oelbäumen zu beflanzen und den Gewinn für gemeinnützige Aufgaben in Palästina zu verwenden. Die sechste Nummer der „Jüdischen Bundschau" (Jahrgang 1908) bringt über die Sammelmittel statistische Vergleiche, die hier in extenso wiedergegeben seien: „Die erste Stelle nimmt Deutschland in der Sammlung für die Oelbaumspende ein mit 15373.37 M, während dann erst im weiten Abstände Oesterreich mit 8 276,45 M, sodann Rußland mit 737,01 M, danach Südafrika mit 2 971,01 M und schließlich Nordamerika mit 1952,38 M folgen. Alle anderen Länder haben für die Oelbaumspende weniger als je 1000 M aufgebracht Insgesamt betragen die Oelbaumspenden ca. der gesamten Eingänge für den rSationalfonds, nämlich 46038,24 M. Das Goldene Buch erfreut sich offenbar einer besonderen Beliebtheit in Rußland (18083,83 M) und Südafrika (14891,14 Ii). Auch Nordamerika bringt für das Goldene Buch 10168,71 M, fast seiner gesamten flatfonalfonds-Spenden auf. Die Telegramm-Blankette haben eine nennenswerte Verwendung bis jetzt nur in Oesterreich (1433,70 M), Ruß* land (859,34 M) und Deutschland (632,23 Ii) gefunden. Die Selbstbesteuerung brachte dem Nationalfonds insgesamt nur 9 211,86 M ein; daransind mit nennenswerten Beträgen nur Oesterreich (3 555,52 M), Rußland (2 397,38 M) und Deutschland (1807,04 M) beteiligt. Ein verhältnismäßig große Summe für die Selbstbesteuerung haben auch die Niederlande mit 413,94 M aufgebracht, die fast die Hälfte ihrer allgemeinen Spenden und etwa x/s ihrer gesamten Spenden