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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1909-03-01 · Heft 3 (März 1909) · p. Seite 40

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1909)
Issue
Heft 3 (März 1909)
Article
Zur Geschichte der Anti-Aliens-Bewegung in England
Date
1909-03-01
Page
Seite 40 (sequence 3)
Language
German
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40^— So trat die Masse in den Vordergrund des j Anti-Alienismus, und aus der Bewegung eini zelner Politiker und Demagogen wurde eine; Bewegung der Massen. Der erste, der diese \ neue Wendung in der Anti-Aliensbewegung j erkannte, war Major W. Evans Gordon, j einer der eifrigsten Wortführer dieser Bej wegung. Er stellte im Januar 1902 den j Amendementsantrag zu der Adresse, die an j den König gerichtet werden sollte, daß man die j dringende Notwendigkeit eines Gesetzes zwecks! Beschränkung der Einwanderung armer Ausj länder (destitute aliens) nach London und j anderen Städten des Vereinigten Königreichs I darlegen solle. Als Antwort auf diese j Forderung wurde in demselben Jahre eine Kommission eingesetzt, um die Aliensfrage genau und allseitig zu untersuchen. Die Kommission bestand aus 7 Personen, darunter Lord Rothschild: sie tagte einige Monate; und vernahm 175 Zeugen für und gegen die \ Beschränkimg. Die Zeugen repräsentierten; fast alle die verschiedenen offiziellen und in-; offiziellen Institutionen des Landes, welche; auf diese oder jene Weise mit der Ein- Wanderung in Berührung kamen, und das; Material, welches von der Kommission zu- \ sammengetragen wurde, enthielt 23 639 Ant-; worten. Charakteristisch sind die Antworten : derjenigen, welche für die Einwanderungs- \ beschränkung eintreten. Hier wird keine | Schwarzmalerei gescheut, alle Phantasie wird i aufgeboten, um das jüdische Einwanderungs- \ ghetto als fürchterliches Nachtaye als Zui Huchtsort von Vagabunden, Verbrechern und; Prostituierten, als Heimat allerhand dunkeier : Gestalten zu schildern. Trotzdem waren die j Schlüsse, zu denen die Kommission gelangte, \ nur in einzelnen Fällen ungünstig für die I jüdische Bevölkerung — in allen übrigen j Fällen entweder ziemlich oder ganz und gar j günstig. So stellte es sich heraus, daß die! Zahl der Verbrecher unter den Eingewanderten im allgemeinen und unter den Juden insbesondere eine weitaus geringere ist als die der eingeborenen Bevölkerung. Während die Verbrecher der letzten Kategorie im Jahre 1901—1,16 % der gesamten Bevölkerung von England und Wales ausmachten, betrug die der jüdischen eingewanderten Bevölkerung 421 : 82844, also ungefähr 0,5%.») Bezüglich der Armen-Unterstützung, an welcher nach den Behauptungen der Einwanderungsgegner die Juden einen großen Anteil nehmen und damit dem Lande lästig sein sollen, hat sich folgendes Resultat ergeben: Prozentsatz der gesamten Armen zu der Gesamtbevölkerung für England und Wales .... 5,0 für London County......7,9 für Bowugh of Stepner .... 7,9 Prozentsatz der eingewanderten Armen zu der gesamt Einwanderungsbevölkerung. für England und Wales .... — für London County......2,4 für Bowugh of Stepner .... 3,72) In der Frage der wirtschaftlichen Konkurrenz der eingewanderten A rbeiter mit den heimischen mußte die Kommission allen Behauptungen der englischen und schottländischen Trade Unions zuwider feststellen, daß „es nicht erwiesen sei, daß eine direkte Verdrängung gelernter englischer Arbeiter stattfinde." Lmgeachtet aller dieser praktischen Schlüsse empfahl die Kommission eine Beschränkung der Einwanderung und Ausweisung aller derjenigen Eingewanderten, die noch keine zwei Jahre im Lande sind, und die im Verdacht stehen, dem Verbrechen oder der Prostitution verfallen zu sein. Wenn man daher diesen Widerspruch zwischen den Beobachtungen und Schlüssen der Kommission einerseits und den feindlichen Resolutionen, die in Bezug auf die Einwanderung gefaßt wurden, anderseits betrachtet, so muß man zu der Annahme gelangen, daß hier der Antisemitismus einen erheblichen Einfluß ausgeübt hat. Die Immigration Reform die sich mit dem Ziele gebildet hat, der freien Einwanderung einen Lamm entgegen zu setzen und die unter ihren Mitgliedern eine große Anzahl von!) Minutes of Evidence vol. III. 2) ibid.

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