Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1909)
- Article
- Die Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Wilna in den Jahren 1896 - 1907
- Date
- 1909-02-01
- Page
- Seite 25 (sequence 3)
- Language
- German
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- 25 — Koeffizient bei den Juden im Vergleich mit den anderen Konfessionen. In den drei Jahren 1896—1898 gab es durchschnittlich Geburten im Jahre bei den auf 1000 Frauen auf je 1000 jm Alter von Einwohner 20 bis 50 Jahren Röm.-Kaihol 2346 41.2 158,4 Griech.-Kathol. 766 26,7 150,0 Juden _1719_26;9 _131.9 Insg. Geburt, jahrl. 4942 32 0 Wir sehen aus dieser Tabelle, daß auf je 1000 Einwohner beiderlei Geschlechts bei den Juden IV2 mal weniger Geburten zu ver* zeichnen sind als bei den Römisch-Katholiken und daß auf je 1000 Frauen im Alter von 20 bis;jö Jahren die Geburtenzahl bei den Juden auch niedriger ist als bei den Griechisch- Katholischen. Der Geburten-Koeffizient bei den Juden scheint übrigens in dem Jahrdritt 1905—1907 noch niedriger geworden zu sein. Diese Tatsache ergibt sich besonders, wenn wir die absolute Geburtenzahl nach den Jahrdritten feststellen. bei den Juden Jahrdritte JC £ § 1 I 5 v 3 'H T3 b£ Jc 2 =-> •ri Ir rc 0 fi?1 5 5 3^ 0 "23 ä, 1896-1898 5156 _ 1899-1901 5997 +16,3% 1902-1904 69931+16,60/,, 1905-1907 5526 -16=7% S!" S g , «'•ÖMß'C, .■^; z c ~ - i!; o -r; fi> 1S2 «j j=»5 1 r i S S « u 1 3 ix 3 5Pj=! Jo!2rt-e Sil 1 O) 1 ~ c w « ' o!n5 S 27% i> NJ t; c — a> g t; o cj "C 'S £ 7039 - 7836 +11,3% 9478 +20,9% 10816 +14,1% 2297; ) 2917= ,4081:+39.9% } 3654 —10,5% : Wenn man diese Tabelle aufmerksam liest 5 so eigibt sich aus ihr, daß in dem zweiten und dritten Jahrdritt das Wachstum der jüdischen Bevölkerung langsamer vor sich geht, als bei den Christen. Was die letzten drei Jahre 1905—1907 anbelangt, so hat sich die Geburtenzahl bei der römisch-katholischen Bevölkerung immer noch um 14,1 % vergrößert, während sie sich beidenGriechisch-Katholischen um 10,5%, bei den Juden sogar um 16,7% vermindert hat. Dabei ist zu bedenken, daß bei den Griechisch-Katholischen diese Erscheinung zum Teil darin ihre Erklärung findet, daß nach dem sogenannten Toleranz-Gesetz vom Jahre 1905 zahlreiche Übertritte von Grichisch-Katholischen zum Katholizismus stattgefunden haben. Die so auffällige Verminderung der Geburtenzahl bei den Juden dagegen resultiert einzig und allein aus den oben genannten ungünstigen Verhältnissen, die sich in diesen drei Jahren besonders fühlbar gemacht haben. Eheschiieihmgeii« Dieselben Erscheinungen, die wir anläßlich der Geburtenstatistik konstatiert haben, treten auch bei den Eheschließungen hervor. Von den 17 267 Ehen, die in den 12 Jahren 1896 bis .1907 geschlossen wurden, waren 41,4% der Gesamtzahl 38,3% 17.1% 3,2 o/„ Röm.-Kathol. '■' 145 Ehen Juden 6 6.10 Griech.-Kathol. 2 962 , Sonstige Grupp. 550 Die Zahl der Eheschließungen bei den Juden ist somit ebenso wie die Geburtenzahl kleiner als bei den Röm.-Katholischen. Diese in Wilna feststehende Tatsache, die übrigens mit den bisher bekannt gewordenen Tatsachen im Widerspruch steht (für ganz Rußland weisen die Eheschließungen bei den Juden eine verhältnismäßig größere Zahl auf als bei den Nichtjuden), findet für Wilna ihre Erklärung darin, daß die Zahl der Frauen im heiratsfähigen Alter bei den Juden kleiner ist als bei den Römisch-Katholischen. Wenn man die Zahl der Eheschließungen im Verhältnis zu der Zahl der Personen im heiratsfähigen Alter betrachtet, so ergibt sich, wie aus nachfolgender Tabelle zu ersehen ist, bei den Juden eine größere Häufigkeit der Eheschließungen als bei den Nichtjuden. Konfession Eheschließungen im Jahresdurchschnitt 1896-1898 auf je 1000 Personen der Gesamtbevölkerung auf je 100 Personen im Alter von 20—6i» Jahren Juden ......... 479 7,5 16,7 Römisch-Katholisch . . 484 8,5 15,7 Griechisch-Katholisch 192 6,7*) 9/7*) :;:) Die geringe Zahl der Eheschliessungen bei den Griech - Katholischen in Wilna hat ihre Ursache darin, dass die griechischkatholische Bevölkerung in Wilna sich vorzugsweise aus der Garnison und den Staatsbeamten zusammensetzt.