Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1909)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1909)
- Article
- Kurze Bemerkungen zum Kapitel "Sterblichkeit der Juden"
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2650397-3187664-3187666-3189856--2024-3189888- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 10 — prädisponieren sollen (viele Geburten, gynäkologische Erkrankungen etc.) sehr wohl bei der älteren Generation der Jüdinnen gegeben seien. Gleichwohl findet man unter ihnen auch äußerst selten einen Gebärmutterkrebs. Leider vollendet ist die damals begonnene diesbezügliche Statistik nicht, da ich teils weiteres Material noch sammeln wollte, teils durch eine andere größere statische Arbeit davon abgehalten wurde. In Berlin hörte ich I9Ö7 von Herrn Prof. Dr. Orth, dem bekannten Pathologen, daß das Uteruskarzinom bei. den Negern unbekannt sei. Bei der weiteren Verfolgung dieser Krankheit fand ich in dem Werke des München er Pathologen Prof. Dr. Bollinger: .-Bei den Naturvölkern (Negerinnen in Nordamerika) sind Ovarialgesehwülste erheblich seltener (1 : 15), bei Tieren höchst selten. Ähnlich wie die Geschwülste der Mamma (Brustdrüse beruhen diejenigen der Ovarien (-Eierstöcke) und des Uterus auf erworbener und erblicher Degeneration der Passe." Atlas und Gmndris der pathologischen Anatomie. München . L e h m a n n 1901). Ich möchte nunmehr auf Grundlage gerade der von Auerbach dargebotenen Statistik behaupten, daß wir. hiermit ein festes Moment für die Rassenbiologie besitzen, daß die angegebenen Zahlen die Angaben Th e i 1 h a b e Fs, 0 r th:s und Bollingens nur unterstützen und die Anschauungen dieser Forscher bestätigen. Ich werde außerdem in einiger Zeit auf diese Frage wieder zurückkommen, dann hoffentlich mit weiterem Material, möchte aber jetzt schon nicht unwidersprochen die Auerbach' sehen Anschauungen eventl. zur allgemeinen Überzeugung werden lassen. — - Auch die Erklärung für die Häufigkeit des Diabetes lediglich durch den Beruf dürfte nicht hinreichend sein. Auerbach räumt das selbst ein. Derartige Statistiken sollten nicht als maßgebend herangezogen werden, wenn sie nur auf lokaler Basis beruhen. Das fehlende ausschlaggebende Moment, das die Neigung der Juden zum Diabetes erklären könnte, ist vielleicht gleichfalls in einer Passenanlage gegeben. Da wir ja auch Juden in vielen Gegenden haben, die seit langem und zum großen Teil körperlich arbeiten, könnte hier die Statistik Klarheit bringen. Übrigens möchte ich hierbei bemerken, daß auch die Juden Budapests nicht allein in den disponierenden Berufen (geistige Arbeit und Kaufleute) beschäftigt sind, wie man fast nach den Ausführungen A u e rb a clrs glauben könnte. Auch die Häufigkeit der Paralyse (Gehirnerweichung) unter den Juden könnte vielleicht eine andere Annahme erklären, die ich hier noch anführen möchte. Die Paralyse ist, wie wir heute ziemlich sicher wissen, eine Erkrankung, die mit der syphilitischen Ansteckung zusammenhängt. Nun ist auch bekannt, daß unter den Völkern, die noch nicht syphilitisch durchseucht sind, die Syphilis viel verheerender auftritt, daß hier die schwersten luetischen Formen auftreten, bis sich die Passe etwas an das Gift gewöhnt hat. Ich möchte behaupten, daß die Juden früherer Jahrhunderte infolge ihres reinen, sexuellen Lebens sicher nur äußerst selten sich syphilitisch infizierten, während sie jetzt doch schon bedeutend häufiger sich Ansteckungen aussetzen. Dass natürlich Infektionskrankheiten rein lokaler Art z. B. Scharlach, Masern, Diphterie etc.) ihrem Wesen nach nicht oder kaum von der Naturdisposition der Menschen abhängig sind, sondern viel mehr von sozialen Momenten beeinflußt werden, ist klar. Diese Erkenntnis, die allerdings von Auerbach durch die wichtige Darbietung reichen statistischen Materials gefördert wurde, kann trotzdem der weiteren Forschung nach rassenbiologischen Eigenarten keinen Abbruch tun. Besonders werden sich eingehende Untersuchungen auf die Gebiete der feinsten psychischen Erkrankungen, gewisser psychopathischer und rein funktioneller s (l. h. für unsere Erkenntnis vorerst noch nicht als organisch nachweisbar) erstrecken. Und hier sind es besonders die Arbeiten z. B. von Dr. Hoppe, Prof. S i 1 e x u. a., die durch Auerbach nicht erschüttert werden.