Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Juden in der Amsterdamer Diamanten-Industrie
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 7)
- Language
- German
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— 184 — Prinzipalen führt. Die Arbeitgeber wollen durch Aufnahme von Lehrlingen die Reservearmee möglichst vergrößern, die Arbeiter wollen sie möglichst vermindern. Im Jahre 1904 wurden durch den aus beiden Parteien gebildeten Ausschuß 500 Lehrlinge zugelassen; in 1905 keine; in 1906 wieder 500 r). Was den Prozentsatz des jüdischen Elementes im Verhältnis zum christlichen anlangt, so existieren darüber keine genauen statistischen Angaben. Nach den Ermittelungen von privater Seite, namentlich seitens des Sekretärs des „Bonds" , läßt sich dies Verhältnis folgendermaßen dar- : stellen: insgesamt zählt man Diamanten arbeiter 10-11000. Von diesen seien 1300 Frauen, die fast alle Jüdinnen seien. Von den übrigen, den Männern, seien zirka | 80 % Juden. j Schluß. Richten wir unsere Blicke nach Ost und i West, Süden und Norden, und wollen wir einen Zweig herausfinden, der eine bedeutende Rolle in der modernen Wirtschaft spielt und in dem die Juden das tonangebende, das herrschende Element bilden, so ist es einzig und allein die Amsterdamer Diamantenindustrie. Wohl finden wir noch einen Produktionszweig, in dem die Juden die bedeutendste Rolle spielen, nämlich die Kon- 2) Diese Beschränkungen haben in den letzten Jahren viele Amsterdamer Juden gezwungen, sich anderen Fächern zuzuwenden, hauptsächlich der Zigarren-Branche. Vergl. in der Zeitschrift „Im Deutschen Reich," Seligmann : Die Juden in Holland. 1901, 6/7. fektions-Industrie Londons und New-Yorks, zwischen dieser und der Diamantindustrie besteht aber ein wesentlicher Unterschied. W ä h rend in der ersten die ökonomische Tätigkeit der J uclen m i t einem bestimmten Produktion-System zusam m e n f ä 111 und mit diesem auf das engste verbunden ist, nämlich mit dem jämmerlichen Schwitz-System, und ohne dieses jede Existenz-Berechtigung verliert, bildet d i e Diamantenindustrie eine der bestgestellten Industrien Europas, in der die Arbeiter sich der günstigsten ökonomischen Lage e r f r e u e n u n d d i e mit keinem vorausbestimmten System verknüpft ist, in keinem Zusammenhange mit rückständigen Wirtschaftsformen sich befindet, sondern auf allen Phasen ihrer Entwicklung in jüdischen Händen konzentriert bleibt und bleiben wird, schon aus diesem einfachen Grunde, weil die Arbeiter1) die Organisation der Diamantindustrie im Laufe ihres Kampfes derart unter ihre Herrschaft gebracht haben, daß das Hereindringen neuer Arbeitskräfte völlig von ihnen abhängig ist, abgesehen von vielen anderen F aktoren. Dem Forscher der jüdischen Wirtschaft und ihrer historischen Entwickelung muß die Amsterdame r Diamantenindustrie als eine Oase in der großen Wüste erscheinen und deshalb von höchstem Interesse sein.!) also die Juden. Bie Zoll! der Juden in Hew-york. Von Ernst Kahn, Charlottenburg. Es sind drei Abschnitte in der jüdischen \ 1. Die erste numerisch kaum ins Gewicht Einwanderung nach d en Vereinigten Staaten fall ende ist die portugiesisch-spanische zu beobachten. vor dem 19. Jahrhundert.