Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Juden in der Amsterdamer Diamanten-Industrie
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 6)
- Language
- German
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— 183 — „Patrimonium", die jüdische Vereinigung „Bezalel"1) und die röm.-kath. Vereinigung ..St Eduards", aber alle diese verfügen insgesamt über eine ganz unbedeutende Anzahl von Arbeitern und spielen deshalb eine geringe Rolle im Leben der Diamantenarbeiterbewegung. (Wie uns der Sekretär des A.N.D. in Amsterdam im August dieses Jahres persönlich mitgeteilt, beträgt die Mitgliederzahl „Bezalels" ca. 230, „St. Eduards" ca.200 u. „Patrimoniums" ca. 70). Was nun die Löhne in der Diamantenindustrie betrifft, so können wir sie nur annähernd angeben, und zwar lassen sich nach dem Minimaltarif, der 1894 durch den Lohnausschuß der Streikenden mit den Arbeitsgebern zustande gekommen ist, die Wochen Verdienste — nach der Form zwar Stücklohn — folgendermaßen abschätzen: In den Schleifereien: 1) für einen Arbeiter, der unter einem Meister arbeitet......Mk. 25,00— 50,00 2) für einen Arbeiter, der nicht unt. einem Meister arbeitet......Mk. 60,00— 80,00 3) für einen Schleifermstr. Mk. 80,00—150,00 In den Schneidereien: 1) für einen Arbeiter, der unter einem Meister arbeitet...... Mk. 35,00— 2) für einen Arbeiter, der nicht unt. einem Meister arbeitet...... Mk. 50,00— 3) für einen Meister . . Mk. 80,00 u. 4) für einen Spalter . . Mk. 80,00— 50,00 80,00 höher 120.00 Wir müssen aber nochmals darauf hinweisen, daß diese Löhne nicht ganz genau sind, namentlich wurden seit dem Jahre 1894 bedeutende Zuschläge zum Minimaltarif erkämpft und in den meisten Fällen ganz neue Tarif-Verträge geschlossen. Das obengebrachte Lohnverzeichnis hat nur den Zweck, eine ungefähre Vorstellung von den Verdiensten der Diamantenarbeiter zu ermöglichen. Sind aber ihre Verdienste ziemlich bedeutend, erfreuen sie sich in dieser Hinsicht wirklich einer Ausnahmestellung innerhalb der Arbeiterklasse, so ist dagegen die Arbeitslosigkeit in der Diamantbranche zu einer chronischen Erscheinung geworden, die zwar in den letzten drei Jahren eine Abnahme aufweist, aber immerhin akut und bedeutend bleibt, wie es uns Tabelle II, die vom „Tabel VIII" aus den schon erwähnten „Rapporten" entnommen, zeigt. Tabbelle IL S 00 o o> S 'ÖC-H Jahr Zahl der organis: Arbeiter Zahl der Arbeitslosen Gosamtzahl de Wochen von Arb( losigkoit Prozcntverhältnis Arbeitslosen zur samtzahl all. Arbc 1899 7436 4888 25913 65, (3 1900 7584 6822 85320 89,94 1903 7836 3255 14586 41,66 1904 7956 3496 9062 43,94 1905 8099 1795 5301 22,16 3 .2sS ö g f | o 3 'o "öj 5,3 12,5 4,5 2,6 2,9 Und ungeachtet dieses weitgehenden Rückgangs müssen wir doch konstatieren, daß die Arbeitslosigkeit in der Amsterdamer Diamantindustrie nach der Zahl der betroffenen Arbeiter eine unvergleichlich große ist. W7ährend sogar in England, in diesem klassischen Lande der Arbeitslosigkeit, das Verhältnis der Arbeitslosen zu der Gesamtzahl der Arbeiter in den Trade Unions für die Zeitdauer 1901—1905 jährlich (durchschnittlich) 51 Vö : 1000 *) ist, ist hier das Verhältnis sogar im Jahre der minimalsten Arbeitslosigkeit, im Jahre 1905 gleich 1795 : 8099! Diese chronische Arbeitslosigkeit dient auch als Leitmotiv für die Reglementierung des Lehrlingswesens, einer Frage, die seit Jahren immer wieder auftaucht und zu schweren Streitigkeiten zwischen den Arbeitern und x) Diese zwei Vereinigungen haben sich 1906 an den „Bond" angeschlossen und durch eine gewisse Regelung zu gemeinsamer Tätigkeit sich verständigt. :) Vergl. Unempioyment. London 1907. The Socialist Annual,