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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-01-01 · Heft 12 · p. Seite 179

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 12
Article
Die Juden in der Amsterdamer Diamanten-Industrie
Date
1907-01-01
Page
Seite 179 (sequence 2)
Language
German
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— 179 — disehen Elements in diese Industrie beginnt jedoch erst mit dem Jahre 1593, als der Strom der geflüchteten Marranos sich nach der gastfreundlichen Batavisclien Republik ergoß und bestimmte Wirtschaftsquellerl zu erschließen suchte: später schlössen sich ihnen auch polnische Juden an. Wählend aber die ersteren, die spanischen und portugiesischen Juden, die aus reichen und vermögenden Elementen bestanden, den Handel und die Leitung der Produktion übernahmen, also die Klasse der eigentlichen Bourgeoisie schufen, sahen sich; die letzteren, die polnischen Juden, meistenteils in jämmerlichem Elend verkommene Leute, gezwungen, zu der Lohnarbeit Zuflucht zu nehmen und bildeten auf solche Weise die Klasse des Proletariats. Nun entfaltete sich auf dem Gebiete der Diamantenindustrie die ganze Ökonomische Energie der Juden, und zwar aus zwei Gründen. Einerseits war die Diamantenindustrie die einzige, die in Holland von keinem Zunft-Reglement beschränkt war, also die einzige Produktionsbranche, wo die Juden da s volle blecht der freien Konkurrenz genossen: andererseits waren die Juden durch spezifische historische Verhältnisse zu begabten Spezialisten im Diamantenhandel und -gewerbe geworden und sahen für sich deshalb diesen Wirtschaftszweig als die Linie des geringsten Widerstandes an. Im Laufe des Mittelalters, wo die Konfiskationen ihres Eigentums durch Könige, Feudale und ..fromme" Bischöfe zu alltäglichen Erscheinungen geworden waren, war es natürlich, daß die Juden ihr Vermögen vorzugsweise in mobilem Eigentum anlegten und darunter besonders in solchem, das ein Maximum an Wert mit einem Minimum an Volumenwie Edelsteine, Gold usw. darstellte. ..Um ihr Eigentum christlichen Dieben gegenüber zu schützen", sagt ein englischer Schriftsteller Peters, „mußte ihr Reichtum tragbar (portable) sein. Sie haben ihn darum oft in Edelsteinen angelegt, weil die letzteren in sicherem Versteck gehalten und im Falle eines Wegziehens auf die allerleichteste Weise transportiert werden konnten. Daher rührt es, daß die Juden sich im Handel mit Edelsteinen schon seit frühesten Zeiten ausgezeichnet hatten." r) (Schon in Alexandrien haben die Juden den Diamantenhandel betrieben, von dort aus verpflanzten sie ihn nach Spanien und später nach Belgien und Holland). Diese, durch ihre eigene wirtschaftliche Entwickeiung erworbenen Eigenschaften, bildeten jenen positiven Faktor, der die Juden im Kampfe ums Dasein auf dem neu erschlossenen Gebiete der Amsterdamer Diamantenindustrie zu der „surviving"-Gruppe bestimmt und in eine bevorzugte Lage gegenüber den christlichen Arbeitern und Händlern gestellt hat. Binnen einer ziemlich kurzen Zeit verdrängten sie aus der Industrie ungefähr 300 christliche Arbeiter und schienen die Diamantarbeit vollständig in ihren Händen zu konzentrieren. Infolgedessen machte sich eine Gährung unter den Christen bemerkbar. „Da die letzteren im Konkurrenzkampfe mit den Juden die größeren ökonomischen Kräfte nicht besaßen, suchten sie den Gegenstand vom wirtschaftlichen Gebiete auf das Gebiet der Gesetzgebung hinüberzuführen. Die Konsequenz machte sich gleich geltend: es ertönte der altbekannte Ruf: „Fort mit den Juden"! Im November 1748 wandten sich die hol. ländischen Diamantenarbeiter an den Bürgermeister Amterdams mit der Bitte, der Industrie die freien Tore zu versiegeln und sie auf zünftlichen Fuß zu stellen, damit dem jüdischen Elemente der Eintritt gänzlich versagt würde. End um den Eindruck ihres Gesuchs zu verschärfen, drohten sie, sie würden Holland verlassen und nach anderen Ländern übersiedeln, falls man ihrer Bitte nicht entgegenkommen würde. Die Drohung blieb jedoch ohne Wirkung. Die Diamantenindustrie war eben deshalb von vornherein als freier Beruf hingestellt worden, weil es die Juden waren, die die Industrie in blühenden Zustand gebracht hatten. Und je mehr die Produktion ) C. Peters Justice to the jew, page 206.

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