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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-11-01 · Heft 11 (November 1907) · p. Seite 163

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 11 (November 1907)
Article
Todesursachen bei Juden in österreichischen Städten
Date
1907-11-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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— 163 — Selbstmord....... 291 27 193 22 Mord und Totschlag . . 50 4 36 3 Alle übr. Todesursachen 2015 474 979 410 Summe 28461 6588 17799 5762 Wir sehen also auch hei Krakau ein ganz anderes Bild, wenn wir uns bei der Todesursachenstatistik nur auf die in der Stadt Wohnhaften beschränken, als, wenn wir alle in Krakau Verstorbenen berücksichtigen, wie es in der Thon'sehen Statistik geschah. In letzterem Falle ist aber das Bild insoferne direkt falsch, weil aus der Umgebung der Stadt aus derselben Krankheitsursache Christen und Juden nicht in dem Verhältnisse ihres Bevölkerungsanteils die ärztliche Hilfe in der Stadt aufsuchen. Gerade aber die Divergenzen lassen uns einen Einblick quasi in das gesundheitliche Leben der Juden tun. Das Mittel dazu ist die Berechnung, wie viel verstorbene Auswärtige bei jeder Todesursache auf je 100 verstorbene Stadtbewohner jeder Konfession entfallen. Zu dem Behufe wollen wir uns die Krankheiten etwas gruppieren. Lemberg" 1890- -1892 1901 u. 1902 Krakau Christ. Jud. Christ, jud. Christ. Jud. Alle Tüdeöui£ . 61 13 7 1 60 14 Blattern . . . 28 6 50 — 23 7 Scharlach . . 17 12 1 — 77 21 Masern . . . . 10 — _ _ 41 10 Keuchhusten — — _ 9 3 Diphtherie . 13 13 — — 91 68 Die relative Anzahl der in den beiden Jahren 1901 und 1902 in Lemberg verstorbenen Auswärtigen ist im allgemeinen so gering, daß wir von der Berücksichtigung dieser beiden Jahre ganz absehen können. Dann aber finden wir eine weitgehende Übereinstimmung zwischen Krakau und Lemberg. Dort 60 Prozent, hier 61 Prozent auswärtige verstorbene Christen, dort 14, hier 13 Prozent auswärtige verstorbene Juden. Diese Übereinstimmung findet sich unter den obbezeichneten Krankheiten nur noch bei Blattern. Unter den anderen 4 Krankheiten, den sog. Kinderkrankheiten, sind es Scharlach und Diphtherie, die sowohl in Lemb erg wie in Krakau den Durchschnitt bei den Juden erreichen oder übertreffen, bei den Christen nur in Krakau. Die beiden anderen Kinderkrankheiten sind entweder weniger gefährlich oder entscheiden sich schnell, Scharlach und Diphtherie sind jedoch gerade die Kinderkrankheiten, wo ärztliche Hilfe rasch not tut (Tracheotomie) oder lange in Anspruch genommen werden muß (Wassersucht z. B.). Wo also Gefahr oder Zeit ist, suchen die Juden für ihre Kinder, die sie sonst (vide Masern und Keuchhusten!) lieber zu Hause pflegen, nicht blos über den Durchschnitt hinaus ärztliche Hilfe auf. sondern auch relativ häufiger als die Christen, die in Krakau sich diese Judengewohnheit angeeignet haben. Sonst trachten die Juden ihre auch sonst erwerbsunfähigen Kranken in häuslicher Pflege zu behalten. Dies zeigt sich bei der Altersschwäche. Hier ist in Lemberg die Verhältniszahl bei Christen 108, bei Juden blos 4, in . Krakau, wo sie mit der angeborenen Lebensschwäche vereint ausgewiesen ist, deren Verhältniszahl jedoch sehr gering ist, bei Christen 7 Prozent, bei Juden 1 Prozent. Also auch bezüglich der Alterschwäche herrscht bei den Christen der Umgebung Krakau's Judengewohnheit. Diese können wir noch bei anderen Todesursachen demonstrieren. Krebsige Entartungen gehören zu den chronischen Erkrankungen, wo man Zeit genug hat, die ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wie bei der Tuberkulose. Während aber bei letzterer Spitalsbehandlung so ziemlich aussichtslos ist, kann bei ersteren Operation noch vielleicht Hilfe bringen. Man möchte daher a priori annehmen, daß die Juden relativ häufiger bei Krebs als bei Tuberkulose in der Stadt Hilfe suchen. Nun stellt sich das Verhältnis bei Krebs: in Lemberg Christen 119, Juden 40, in Krakau Christen 97, Juden 26; bei Tuberkulose: in Lemberg Christen 96, Juden 22, in Krakau Christen 71, Juden 18. Die aprioristische Annahme finden wir also tatsächlich bestätigt. j Wir finden dasselbe Verhältnis wohl auch bei! den Christen, aber weit weniger ausgesprochen.! Bei einer anderen akuten Krankheit, Lungen-

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