Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Die Austritte aus dem Judentum in Berlin
- Date
- 1907-10-01
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
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— 150 — Alter und Familienstand der Ausgetretenen. Das Lebensalter der aus dem Judentum Ausgetretenen ließ sich in 1739 Fällen, d. h. in 93,33% aller Fälle ermitteln. Von diesen 1739 Personen standen zur Zeit des Austritts im Alter von unter 20 Jahren: 65 3 73^ 'J? ' ° 0? 20—30 Jahren 673 - W ,„ 30—40 Jahren : 544 =- 31,280.,,, 40—50 Jahren 286 16,45o,'v„ 50—60 Jahren 129 60—70 Jahren 32 m%, 70—80 Jahren 10 0,58%. Der Austritt erfolgte hiernach am häufigsten in einem Alter von 20—30 Jahren und nicht viel seltener in dem Alter von 30—40 Jahren. Etwa 70%, also beinahe drei Viertel aller Ausgetretenen, befanden sich in einem Alter von 30—40 Jahren. Im Alter von über 40 Jahren nehmen die Austritte ab und werden mit dem höheren Alter immer seltener. Auch bei jungen Leuten von 14—20 Jahren sind sie verhältnismäßig nicht allzu häufig. Bei einer Differenzierung nach Geschlechtern gelangt man zu dem gleichen Ergebnisse. Die Betrachtung der einzelnen Jahrgänge lehrt, daß man fast immer dasselbe Bild erhält, daß nämlich die meisten Austritte in dem Alter von 20—30 Jahren stattfinden und daß ihre Anzahl mit dem höheren Lebensalter abnimmt. — Der Familienstand der Ausgetretenen war bei den männlichen Personen überhaupt nicht, und bei den weiblichen nur in beschränktem Umfange festzustellen. Es war zwar stets zu ersehen, ob eine aus dem Judentum austretende Frau verheiratet war oder nicht. Dagegen ergab sich nicht immer zweifelsfrei, ob eine verheiratete Frau noch verehelicht oder etwa schon verheiratet oder geschieden war. Oft ist nur die Bezeichnung ,,Frau:t gebraucht; es ist aber anzunehmen, daß es sich hier in manchen Fällen um eine Witwe oder eine geschiedene Frau handelt. Jedenfalls können die hier getroffenen Feststellungen der Witwen und geschiedenen Frauen keinen Anspruch auf Vollständigkeit | machen; deren Zahl dürfte vielmehr etwas höher sein. Von den 479 ausgetretenen Frauen waren j 150, d. h. 31,32%, also nicht ganz der dritte Teil, ledig, während die übrigen 329, d. h.; 68,68 'J/o, verheiratet waren. Von diesen waren I 60 als verwitwet und 5 als geschieden bezeichnet. I Die verheirateten Frauen setzen sich, wie die i Akten der jüdischen Gemeinde ergeben, im \ wesentlichen aus drei Kategorien zusammen, j nämlich einmal aus solchen, welche gleich- I zeitig mit ihrem Manne aus dem Judentum i austraten, sodann aus solchen, welche einen j Mann anderer Religionszugehörigkeit gehei- | ratet hatten und entweder dessen Konfession; annahmen oder gleichzeitig mit dem Ehemann i konfessionslos wurden, und endlich in mehreren | Fällen aus solchen, welche vor ihrer Ehe einer j anderen Religion angehört, einen jüdischen | Mann geheiratet, nnd selbst ihren U ebertritt | zum Judentum erklärt hatten, dann aber nach j dem Tode des Mannes wieder zu iL rem früheren j Glauben zurücktraten. \ Es ist sowohl bei den verheirateten wie I bei den ledigen Frauen die Zahl der Austritte I gestiegen, doch ist der Verlauf der Steige-! rang ein recht ungleichmäßiger. I Die Heimat der Ausgetretenen. Bei 1529 Personen, d. h. in 81,59 °,0 aller I Fälle, war deren Heimatsort angegeben. Von diesen Personen stammten 1257, d. h. | 82,21%, aus Preußen, 141, d. h. 9,22% aus j den übrigen Bundesstaaten des deutschen! Reiches und 131, d. h. 8,57 % aus dem Aus- | lande.! Aus Berlin allein sind gebürtig 513 Per- | sonen, d. h. 33,55 %, also mehr als der dritte Teil aller Ausgetretenen, deren Heimat festgestellt werden konnte. Auf die übrigen o preußischen Provinzen entfallen (in der I Reihenfolge der Anteilshöhe):! auf Schlesien : 247 | „ Posen: 138 | Brandenburg (ohne Berlin): 70