Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1907)
- Article
- Die jüdische Rassenfrage
- Date
- 1907-08-01
- Page
- Seite 139 (sequence 2)
- Language
- German
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— 139 — vereinzelte Mischungsfälle anzunehmen sind. Insbesondere haben keine Mischehen in irgendwie beträchtlicher Zahl zwischen Juden und Arabern in Spanien statt gefunden, trotz des einige Zeit anhaltenden ungestörten Zusammenlebens beider Stämme in diesem Lande, trotz der vollständigen Gleichstellung der Juden in rechtlicher und wirtschaftlicher Beziehung und ihrer regen Beteiligung am öffentlichen Leben. Auch durch den Uebertritt der Chazaren zum Judentum kam kein fremdes Blut in das jüdische Volk, da wahrscheinlich nur der Fürst der Chazaren mit einigen Adeligen die jüdische Religion angenommen hat, im Uebrigen aber diese Gegenden nur zu spärlich von Juden bewohnt waren, sodass keine grössere Mischung eintreten konnte und die Chazaren nach der Auflösung ihres Reiches hauptsächlich dem Karäertum zufielen, das vom Hauptstamm der Juden grundsätzlich getrennt bleibt. Auch durch die modernen jüdisch-christlichen Mischehen wird dem jüdischen Volke nur wenig fremdes Blut zugeführt, da nur ein ganz geringer Prozentsatz der Kinder aus solchen Mischehen Juden bleiben. Da schliesslich die hellenistische und römische Epoche, in welcher das Judentum durch die Aufnahme zahlreicher Proselyten aus fremden Stämmen sich verstärkte, nur von verhältnismässig kurzer Dauer war, kann man im Allgemeinen sagen, dass das jüdische Volk in den letzten 2 Jahrtausenden durch streng durchgeführte Inzucht sich rassenrein erhalten hat. Als Grundlage für die Erörterung der Frage der Mischungen der Juden mit anderen Völkern zur Zeit ihrer politischen Selbständigkeit in Palästina dienen Auerbach die betreffenden Aussagen der Bibel, die er als wichtigste und zuweilen einzige historische Quelle betrachtet. Danach unterscheidet er zwei Gruppen von Völkern, die die Israeliten bei der Eroberung von Kanaan im Lande vorfanden: stammverwandte, die sie teilweise freundlich behandelten und mit denen sie sich schliesslich wahrscheinlich vermischt haben, ohne jedoch dadurch ihren Rassencharakter wesentlich zu verändern, und rassenfremde Völkerschaften, zu denen sie sich unversöhnlich verhielten und von denen es unsicher ist, ob sie schliesslich im jüdischen Volke aufgegangen oder auf andere Weise untergegangen sind. Aus der zweiten Völkergruppe hebt Auerbach 2 Stämme hervor, die nach der Ansicht mancher Autoren auf die Rassenmischung der Juden von ganz wesentlichem Einfluss waren. Die Hithiter, von denen die Juden die Kurzköpfigkeit und die Amoriter, von denen sie Blondhaarigkeit und Blauäugigkeit geerbt haben sollen. Die Lehre von der Mischung der Juden mit den Hithitern hält Auerbach für unwahrscheinlich, weil dafür sich gar keine Anhaltspunkte in der Bibel finden und kein hithitischer Sprach- und Kultureinfluss auf die Juden sich nachweisen lässt. Schliesslich sind nach .Auerbachs Ansicht die heutigen Juden nur Nachkommen der unvermischt gebliebenen Südstämme Juda und Benjamin. Ebenso erhebt er gegen die Amoriter-Hypothese Bedenken. Da Auerbach die semitische Abstammung der Juden i für unanzweifelbar hält, bleibt ihm zur Erklärung \ der unter den Juden in über SO °/0 vorkommenden Kurzköpfigen die Annahme übrig, dass auch die : Ursemiten kurzköpfig waren. Die Pigmentarmut! aber (helles Kaar und blonde Augen) betrachtet; Auerbach als jüngeren, sekundären Rassenerwerb, : entstanden durch geschlechtliche Zuchtwahl, unter; dem Einfiuss des Schönheitsideals der umgeben-! den Völker. Diesen Ausführungen tritt in demselben Hefte : des „r\rchivu Prof. v. Luschan in einem „offenen : Brief an Herrn Dr. Elias Auerbach" entgegen, in- ■ dem er zunächst seine rein spekulative Methode : und damit seine meisten Behauptungen verwirft und ihnen die eigenen auf Naturbeobachtung beruhenden, durch naturwissenschaftlich-anthropolo-; gische Methoden gewonnenen Ergebnisse gegenüberstellt. Nach Luschan hatte Vorderasien, d. h. Kleinasien und ganz Syrien bis etwa in die Mitte ■ des zweiten vorchristlichen Jahrtausend eine i durchaus einheitliche Bevölkerung. Diese Leute waren brünett, grossnasig und hatten extrem kurze i und hohe Schädel mit oft wie abgehackt aussehendem flachen und steilen Hinterhaupt. Der Typus dieser alten Vorderasiaten hat sich am meisten an den heutigen Armeniern erhalten, aber man findet ihn auch sonst noch überall in Klein-! asien und Syrien, in grössten Prozentzahlen dort, : wo äussere Verhältnisse der Erhaltung alter Typen i am günstigsten waren. Wie diese Urbevölkerung j benannt wird, ist unwesentlich; v. Luschan benennt; sie armenoid, um dadurch der Sache selbst in i keiner Weise vorzugreifen. Diese anatomisch durchaus einheitliche Bevölkerung stammt aus; Innerasien, und hethitisch wird sie nur bezeichnet : mit Rücksicht auf die Chatti der assyrischen j Inschriften oder die Cheta der Pharaonen, die : nur kleinere Brocken dieser Menschenrasse '■■ bilden, aber sie ist keineswegs mit den an Zahl; ganz geringen „Chutim" der Bibel zuindentifizieren.; Die Profilansichten, die in grosser Zahl von den \ alten vorsemitischen Vorderasiaten erhalten sind, geben ein durchaus genügendes Bild von ihrem \ wirklichen Aussehen. Sie zeigen eine extrem; hohe und extrem kurze Hirnkapsel und grosse i Nasen, wie sie noch heute für die Armenier und j einen Teil der Juden charakteristisch sind. Mit | dieser armenoiden Urbevölkerung kamen um die! Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends; aus dem Südosten einwandernde Semiten und von Europa längs der Donau einfallende thrakische I Stämme in Berührung. Die ansässige Bevölkerung; empfing von den eindringenden Semiten ihre j höhere geistige Kultur, Religion, Sprache und | Schrift; ihre körperlichen Eigenschaften aber ver-! loren die Semiten allmählich durch Vermischung j mit der armenoiden Bevölkerung derart, dass I rein semitische Typen unter ihren Nachkommen; von Generation zu Generation seltener wurden. Die grosse Uebereinstimmung der Abbildungen von Assyrern und Babyloniern mit den antiken | Abbildungen von Juden und mit dem Typus der | heutigen Juden können noch keinen gemein-! semitischen Typus, dem auch die Juden angehören