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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August 1907) · p. Seite 130

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August 1907)
Article
Die hebräische Sprache in der Gegenwart
Date
1907-08-01
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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— 130 — Lockerwerden des religiösen Bündnisses spür- | bar machte. Es regten sich darum unwilli kürlich in ihnen neue Interessen, gleichsam j als Ersatz des religiösen Bandes, wodurch das Solidaritätsgefühl mit ihrem Volke sich zu erhalten und zu stärken vermochte. Nicht wenig mögen auch die scheinbar humanen Bestrebungen in Europa dazu beigetragen haben; besonders mag die Befreiung der balkanischen Völker auch in den Juden das Bewußtsein geweckt haben, auch ihre sehnsüchtige Hoffnung auf Wiederherstellung ihrer nationalen Selbständigkeit könne auf natürlichem Wege verwirklicht werden1). Bald darauf gesellten sich zu diesen psychologischen Motiven auch andere rein ökonomischer Art. Der Antisemitismus, der sich trotz der fortschreitenden Bildung und Kultur, in Europa festsetzte, machte den Juden das Leben in der Diaspora sauer und vernichtete jede Hoffnung auf mildere Behandlung. Endlich bewirkten die Volksausschreitungen gegen die Juden, die damals in Rußland und in Rumänien anfingen, und die darauf folgenden Beschränkungen aller ihrer Rechte eine Massenemigration aus diesen Ländern. Diese in die soziale Stellung der Juden eingreifenden Ereignisse führten dazu, den geistig-nationalen Bestrebungen und der ökonomischen Not mit ein und demselben Mittel abhelfen zu wollen, j Es begann jene kochende und gährende Bej wegung im Volke, die Anfangs mit dem Namen! „Zionsliebe" bezeichnet und später in der Form j des politischen Zionismus der ganzen Welt! bekannt geworden ist. I Begeisterte jüdische junge Leute begaben i sich fast ohne Mittel nach dem heiligen Lande, j um mit ihrer Hände Arbeit das Land ihrer j Väter zu bebauen und ein neues Leben dort j anzufangen. Diese Pioniere hegten das heiße j Verlangen, in ihrer alten Heimat auch die l) Unter den Einfluß der Ereignisse im Jahre 1878; scheinen die Artikel über Zentralisierung der Juden I durch eine Kolonisation in Palästina im „Haschacharw j von dem damaligen Studenten Ben-Jehuda verfaßt j zu sein. i nationale Sprache wieder aufleben zu lassen. Freilich würde dieser noch so energische Wille allein kaum imstande gewesen sein, diesen Wunsch zu erfüllen; es wurde vielmehr erst durch die neuen Umstände ermöglicht. Zuächst führte der Beweggrund, daß der ins Land zurückkehrende Jude den Einheimischen nicht als Fremdling, sondern als Mitbürger erscheinen sollte, die neuen Ansiedler dazu, ihre alte semitische Sprache wieder zu sprechen und nicht irgend einen europäischen Dialekt. Nur so wurde es ihnen möglich, in dem semitischen Kulturleben einen angesehenen Platz einzunehmen. Ein viel wichtigerer Beweggrund wurde aber die Notwendigkeit, den Zusammenhang der jüdischen Elemente selbst im Heiligen Land zu vermitteln. Hier nämlich trafen von jeher Juden aus verschiedenen Ländern, ja aus verschiedenen Weltteilen zusammen, die keine andere allgemeine Sprache außer der hebräischen hatten, und deshalb mußte diese zur Verkehrssprache unter ihnen werden. Eben derselbe Umstand nötigte sie, auch in den Schulen, wo jüdische Kinder verschiedener Zunge ihren Lmterricht erhielten, das Hebräische als Vortragssp räche zu gebrauchen. Dieses hatte die Einführung der natürlichen Unterrichtsmethode zur Folge, die jetzt mit dem Namen ibrith b' ibrith bekannt ist. Hier entstanden zuerst die Vereine, welche sich die Wiederbelebung der hebräischen Sprache zum Zwecke machten und später auch in Europa verbreitet wurden. Aber auch in vielen Familien führten die jungen Eltern mit großem Eifer das Hebräische als Haussprache ein. So gelang es endlich diesen begeisterten Idealisten, sich auf dem historischen Boden nicht nur ein neues Vaterland zu schaffen, sondern auch die nationale Sprache wieder als Muttersprache für ihre Kinder zur Geltung zu bringen. Diesen Pionieren diente als Vorbild die Familie Ben-Jehuda in Jerusalem, in der die Kinder schon gleich vom Anfang dieser Bewegung keine andere Muttersprache kannten außer der hebräischen Sprache. Zu gleicher Zeit wehte ein frischer Hauch

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