Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1907)
- Article
- Probleme der Anthopologie der Juden
- Date
- 1907-08-01
- Page
- Seite 122 (sequence 3)
- Language
- German
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— 122 — als 161 cm groß, und das Verhältnis der kleinen Personen ist 12,17%. Ich kann hinzufügen, daß nur ein einziger unter ihnen 178 cm Körpergröße erreichte, und auch dieser eine \ Mann war in seinen früheren Jahren nicht; ein Schneider gewesen, sondern ist es erst nach seiner Einwanderung in die Vereinigten Staaten im Alter von 21 Jahren geworden. Die Durchschnittsgröße dieser Personen ist nur 162 cm., d. h. 2,5 cm geringer als der; Durchschnitt bei den Juden von New-York. j Besonders klein ist die Körpergröße bei den j Schuhmachern und Schneidern, indem die eröteren durchschnittlich nur 160,3, die letzteren \ 161,3 messen. Der Prozentsatz kleiner Leute j _ 1 unter den Schneidern war 32,'/9% und nicht I weniger als 38 % unter den Schuhmachern.! Diese Zahlen, obwohl auf verhältnismäßig! wenig Beobachtungen gestützt, zeigen doch! daß die geringe Körpergröße der Juden, verj glichen mit anderen Rassen Ost-Europas I wenigstens zum Teil den schlechten sozialen j und ökonomischen Verhältnissen zugeschrieben j ö! werden können, unter welchen sie sich in j den osteuropäischen Ghettos befinden. Dr. j S. Weißenberg beobachtete ebenfalls, daß die j Körpergröße der Juden in Süd-Kußland größtenj teils von ihrer Beschäftigung und den sozialen | Zuständen abhängt, uridZakrzewskis graphische Darstellungen über Warschau, die größte jüdische Niederlassung in Europa, bestätigen j dasselbe für Polen. Die erste Generation von j Juden in New-York, die nur selten in der j Hausarbeit beschäftigt war und mehr ein j Leben in freier Luft führte, welches dem j normalen Wachstum förderlich ist, ist deshalb \ auch größer. j Soziale Auswahl unter den Juden.; Wir dürfen auf die bisherigen Statistiken! in Bezug auf den Einfluß des Milieus auf die j Körpergröße nicht zu viel Gewicht legen. j Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß da j auch ein anderer Prozeß mit im Werke ist,! der in seinen Wirkungen noch bedeutender j ist. Dieser Prozeß künstlicher Auslese wird j gut von Ripley beschrieben: „Die physisch; gut entwickelten Leute suchen gewisse Beschäftigungen oder Handelszweige auf, in welchen ihre Kraft ihnen zu statten kommt. Auf der andern Seite sind die körperlich schwachen, und in Verbindung damit kleinen Personen gezwungen, sich mit solchen Berufen zu behelfen, für welche ihre geringere Kraft ausreicht. So sind die Eisenarbeiter, die Träger, die Feuerwehrleute und die Polizisten größer als der Durchschnitt der Bevölkerung, weil sie sich notwendig aus dem kräftigeren Teil der Bevölkerung rekrutieren. In scharfem Gegensatze zu ihnen sind die Schneider, Schuhmacher und Weber, da sie eine Beschäftigung haben, welche nur geringe Körperkräfte erfordert und deshalb allen Personen, auch den schwächeren, offen steht, erheblich kleiner als der Durchschnitt der Bevölkerung.'1 — Außer diesem Selektionsprozeß kommt noch die Lebensweise hinzu, welche manchen Beschäftigungsarten eigentümlich ist. Die Verhältnisse in den Schneiderwerkstätten in Osteuropa oder in den Schwitzwerkstätten in England oder in Amerika wirken sehr ungünstig auf die physische Entwicklung der jungen Schneider, die noch nicht ihre volle Größe erreicht haben, ein. Sie arbeiten in gekrümmter Haltung viele Stunden hindurch in einer ungesunden Umgebung, die in keiner Weise ihrem Wachstum und ihrer vollen körperlichen Entwickelung förderlich sind. Müssen wir aber nicht die besonderen Beschäftigungsarten der Juden als Folge ihrer geringen physischen Entwickelung ansehen? Müssen wir nicht die Tatsache, daß so wenig Juden sich in den Berufen befinden, welche starke Muskelkraft erfordern, darauf zurückführen, daß sie sich für andere Berufe nicht eignen? Die Schneiderei, Schuhmacherei und Weberei erfordern keine große Muskelarbeit, und jeder Mann kann mit geringer Kraft sich mit Erfolg in diesen Berufen betätigen, und gerade aus diesem Grunde arbeiten die Juden meistens in diesen Berufen. Die geringe Körpergröße der Juden in diesen Berufen kann deshalb hauptsächlich auf die Selektion