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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-08-01 · Heft 8-9 (August 1907) · p. Seite 119

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 8-9 (August 1907)
Article
Die Berufsgliederung der Juden in Galizien
Date
1907-08-01
Page
Seite 119 (sequence 7)
Language
German
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— 119 — in Fischfang und Wasserkultur 49,3 Prozent (in Westgalizien 8,5 Prozent), in den liberalen Berufen 49,3 Prozent (in Westgalizien 35,1 Prozent), im Geldhandel und Versicherungswesen 48,9 Prozent (in Wrestgalizien 29,8 Prozent), in der Kleidungsindustrie 41,2 Prozent (in Westgalizien 24,9 Prozent), in Lohndiensten wechselnder Art 40,4 Prozent (in Westgalizien 22,9 Prozent), in der Industrie ohne nähere Bezeichnung 39,8 Prozent (in Westgalizien 12,6 Prozent), in den Webereien und Spinnereien 28,3 Proz. (in Westgalizien 5,8 Prozent), im öffentlichen Dienst 25,5 Prozent, (in Westgalizien 11,3 Prozent), in der polygraphischen Industrie 24,3 Prozent (in Westgalizien 16,4 Prozent). in der Holzindustrie 23,6 Prozent (in Westgalizien 5,6 Prozent). im Verkehr zu Lande 23,2 Prozent, (in Westgalizien 8,1 Prozent). Sehr hoch ist der Prozentsatz der Juden ohne Berufsangabe (44,8 Prozent). Darin findet das viel verbreitete „Luftmenschentumr und die ökonomische Not unter den galizischen Juden einen beredten Ausdruck. Berücksichtigt man nur die Selbständigen unter den Berufstätigen, so erhebt sich der Prozentsatz der Juden in allen Gruppen sehr bedeutend und erscheinen insbesondere in Ostgalizien einige Berufszweige von den Juden fast monopolisiert. Es sind dann 92,4 Prozent aller im Handel und 48,2 Prozent aller in der Industrie Selbständigen in Ostgalizien und 82,4 Prozent, resp. 33,0 Prozent in Westgalizien Juden. Die bisherige Darstellung erweist zur Genüge, welch außerordentlich wichtigen Faktor die Juden im Ökonomischen Leben Galiziens bilden. Es entspricht auch nur der historischen Entwicklung, daß die Juden noch bis auf den heutigen Tag in diesem Agrarlande den Handels- und industriellen Unternehmerstand schlechtweg repräsentieren. Ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Land kann sich jetzt nur steigern, da nach allgemeiner Ansicht von der Industrialisierung Galiziens sein ökonomischer Aufschwung abhängig ist. Nun ist es jedermann ganz einleuchtend, daß zur Schaffung und Nutzbarmachung von Industrien in erster Reihe die kommerziell und industriell unternehmend tätige Bevölkerung berufen ist, I daß anderseits diese Bevölkerung mit dem | ganzen ökonomischen Leben des Landes zu eng verwachsen ist, als daß man sie einfach eliminieren könnte und daß sie schließlich nicht von heute auf morgen durch andere Bevölkerungsschichten zu ersetzen ist. Es können daher Maßnahmen, die einer auf eine Beeinträchtigung der Juden gerichtetenTendenz entspringen, zumeist nur einen Schnitt ins eigene Fleisch bedeuten, dagegen kann die Förderung der wirtschaftlichen Antriebe und Fähigkeiten der jüdischen Bevölkerung nur zum Heile des noch so sehr entwicklungs- | fähigen Landes gereichen.! Aus Tabelle III ergibt sich, daß die Juden in sämtlichen Berufsklassen in weit höherem Maße mit beruflich nicht tätigen Personen belastet sind als die Katholiken, die hier für die christliche Bevölkerung eingesetzt sind. Auf 1000 Erwerbstätige entfallen bei der katholischen Bevölkerung 757,4, bei der jüdischen dagegen 1922,3 nicht erwerbende, von den anderen ausgehaltene Personen. Dadurch sind die Juden natürlich in großem Nachteil. Diese bedeutende Differenz entspringt in erster Reihe der beruflichen Verschiedenheit beider Bevölkerungsklassen. Die kleinbäuerliche Bevölkerung, die das Gros der Christen bildet, kann in ganz anderem Maße die noch nicht ganz herangewachsenen Familienmitglieder zur Mithilfe in der Wirtschaft heranziehen als die Industrie und Handel treibende jüdische Bevölkerung. Zum großen Teile mag dies auch auf den verschiedenen Altersaufbau der jüdischen Bevölkerung zurückzuführen sein, die infolge günstiger Sterblichkeitsverhältnisse im allgemeinen und : geringer Säuglingssterblichkeit insbesondere, I eine größere Anzahl von Kindern und Greisen,! ° j die nicht beruflich tätig sind, besitzt.

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