Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1907)
- Article
- Die Kriminalität der Christen und Juden in Ungarn im Jahre 1904
- Date
- 1907-07-01
- Page
- Seite 107 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2650397-3187638-3187646-3189524--1202-3189559- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 107 — entfallen bei den Christen auf beide Deliktskategorien eine ungefähr gleich hohe Zahl Verurteilter, bei den Juden dagegen entfällt auf Vermögensdelikte eine fast zweimal höhere Zahl als auf Delikte gegen Personen. Die Ergebnisse der ungarischen Kriminalstatistik stimmen inbezug auf die Juden wesentlich mit der deutschen und österreichischen überein. Die Juden sind an den mit ihrer Berufsbetätigung im Handel verbundenen, auf Gewinnsucht beruhenden Delikten beteiligt, die Christen dagegen an Straftaten gegen die Person (Mord, Totschlag, Körperverletzung, Unzuchtsverbrechen), an Diebstahl und gemeingefährlichen Verbrechen, ferner auch an Delikten gegen den Staat und die staatlichen Organe. Die größere Beteiligung der Juden am Zweikampf erklärt sich ebenso wie in Deutschland aus dem hohen j Prozentsatz jüdischer Studierender und ihrer j sozial exponierten Stellung. Die Vergehen der Juden gegen die Religion dürften ebenso wie in Osterreich auf religiöse Parteiungen innerhalb des Judentums, insbesondere auf den Gegensatz zwischen Orthodoxen und Neologen und die daraus entstehenden Konflikte zurückzuführen sein. Hervorzuheben ist noch die verhältnismäßig sehr geringe Beteiligung jüdischer Frauen an Verbrechen und Vergehen; sie sind an Zahl 9 Mal geringer als die verurteilten jüdischen Männer, wohingegen die Zahl der weiblichen Delinquenten bei den Christen nur etwas über 5 Mal kleiner ist als die der männlichen. Man hätte das Gegenteil erwarten können, da die jüdischen Frauen zahlreich im Handel erwerbstätig sind und daher auch vielfach in die Lage kommen, die diesem Erwerbszweige und zugleich den Juden | eigentümlichen Delikte zu begehen. Statistisches Archiv. Die Sterblichkeit der Juden in Wien. Dr. Siegfried Rosenfeld (Wien) behandelt in einer eingehenden Untersuchung im 1. u. 2. Heft des Jahrgangs 1907 des Archivs für Rassen* und Gesellschaftsbiologie die Ursachen der jüdischen Mindersterblichkeit in Wien. Seine Ausführungen seien hier im Wesentlichen wiedergegeben : Es starben in den Jahren 1899 -1903 von der Wiener Zivilbevölkerung: .... . von je überhaupt t0 000 Lebend. M. W. B. G. M. W. B. G. röm.-kathol. 78335 73634 151973 232 191 211 evangelisch 2639 1891 4530 196 149 173 mosaisch 5138 4315 9453 137 121 129 sonst. Bekenntn. 333 176 509 210 159 189 konfessionslos 105 50 155 155 71 112! unbek. Bekenntn. 669 377 1046 In beiden Geschlechtern weisen die Juden die ge- , ringste, die Römisch-katholischen die größte Sterblich- < keit auf. Aus der (Seite 108/109) ergibt sich zu- | nächst, daß die Sterbeziffer der Evangelischen in der j Regel die Mitte bildet zwischen der Sterblichkeit der Juden j und der der Katholiken sowohl inbezug auf die Todesj Ursachen, die bei den Juden häufiger, wie auch auf die! anderen, die bei den Juden seltener vorkommen als bei j den Katholiken. „Darin können wir einen Beweis dafür I erblicken, daß die Momente, weiche die Sterblichkeitsi Iiöhe von Juden und Evangclen gegenüber den Katholiken erniedrigen, dieselben sind, daß sie sich nur quantitativ und nicht qualitativ unterscheiden." „Die Juden haben die geringste Sterblichkeit an allen genauer spezifizierten, das Kindesalter betreffenden Todesursachen. Es sind dies Masern, Keuchhusten, Diphtheritis, Syphilis, Akute Bronchitis, Durchfall und Darmkatarrh der Kinder, Angeborene Bildungsfehler, Lebensschwäche, Krankheiten, welche dem frühesten Alter eigen sind. Auch Scharlach ist anzuführen, wenn auch die Sterblichkeitsdifferenz nur gering ist, bei weitem nicht so groß, wie bei Masern, Diphtheritis oder Keuchhusten. Keine einzige der für das Kindesalter wichtigen Todesursache zeigt eine höhere Frequenz bei den Juden. Diese Tatsache fälit um so mehr ins Gewicht, als die Altersbesetzung das Gegenteil hätte erwarten lassen. Schon die Summe der genannten Krankheiten ergibt eine ganz erkleckliche Mindersterblichkeit bei den Juden. Denn an ihnen starben von je 100 000 Lebenden römisch-katholisch evangelisch mosaisch Männer 572 423 192 Weiber 416 317 185 Beide Geschi. 491 372 188 Damit ist aber erst etwas mehr als der dritte Teil der Mindersterblichkeit der Juden erklärt. Um dem — zwar an und für sich unwahrscheinlichen — Einwände von vornherein die Spitze abzu-