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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-07-01 · Heft 7 (Juli 1907) · p. Seite 98

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 7 (Juli 1907)
Article
Die Juden in Kopenhagen nach der Volkszählung von 1906
Date
1907-07-01
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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98 — länd eingewanderten Juden, deren Zahl sich im Volkszählungsaugenblicke nur auf 264 belief, wurden in den statistischen Erhebungen gesondert gezählt. Von Wichtigkeit bei der Beurteilung der sozialen Stellung der dänischen Juden ist auch, daß hier im Lande seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Antisemitismus beinahe garnicht existiert, wodurch eine Annäherung der Juden an die übrigeBevölkerung erklärlicherweise begünstigt wird. Die dänischen Juden haben sich in der Hauptstadt Kopenhagen (und dem damit verbundenen Frederiksberg), dessen reich pulsierendes Leben auf sie eine große Anziehung ausgeübt hat, mehr und mehr konzentriert. Die recht bedeutenden jüdischen Kolonien, welche in der Mitte des 19. Jahrhunderts in vielen anderen dänischen Städten bestanden, sind beinahe ganz verschwunden. So ist von 1840 bis 1901 die Zahl der Juden in den Städten außerhalb Kopenhagens von 1521 auf 245 gefallen, also auf weniger als Ve- In Kopenhagen ist wohl von 1840—85 die Zahl der Juden, unter Einfluß der Einwanderung aus dem übrigen Lande, im Aufsteigen begriffen (im ganzen von 2248 auf 3387), sie kommt jedoch der Zunahme der übrigen Bevölkerung gamicht nahe. Aber von 1885—1901 kann man von Volkszählung zu Volkszählung eine stete xAbnahme der Zahl der Juden konstatieren, im ganzen von 3387 auf 2826, worauf im folgenden Jahrfünft eine kleine Zunahme eintritt, die aber ausschließlich durch die russische Einwanderung bewirkt wird. In richtiger Uebereinstimmung hiermit ist es, daß die Todesfälle bei den Israeliten die Zahl der Geburten bei weitem übertreffen. 1891—1905 wurden im ganzen 1049 Todesfälle gegen nur G92 Geburten registriert. Als Ursache hiervon müssen in erster Reihe die Mischehen angeführt werden, die erfahrungsgemäß die Erziehung der Mehrzahl der Kinder in nichtjüdischem Glauben zur Folge haben. Von 1880—1905 sind 895 rein jüdische gegen 272 Mischehen geschlossen worden, aber während der Prozentsatz der Mischehen unter sämtlichen von Juden eingegangenen Ehen 1880—89 nur 35,9 betrug, ist er in den Jahren 1890—99 auf 40,7 und in den Jahren 1900—1905 auf 48,2 gestiegen. Die Mischehen siad also während der letzten Jahre beinahe ebenso zahlreich wie die rein jüdischen.x) Die Religionsverhältnisse der Kinder in den jüdischen Ehen erhellen aus der folgenden Zusammenstellung (nur die in der Heimat wohnenden Kinder sind hier unter „Kindern" zu verstehen). Rein jiid. Ehen Mischehen mit Kindern mit Kindern Anzahl der Ehepaare . 326 159 Kinder der jüd. Religion 777 61 Kinder der evangelischlutherischen Kirche . 5 284 Kinder eines anderen Glaubensbekenntnisses — 4 Kinder ohne Glaubensbekenntnis .... 1 21 In den rein jüdischen Ehen ist nicht einmal 1 Prozent der Kinder außerhalb der jüdischen Religion erzogen. Von 370 Mischehen entstammenden Kindern sind nur 61 in der jüdischen Religion erzogen, 284 gehören der evangelisch-lutherischen Kirche, 4 anderen Religionen an, während 21 ohne Glaubensbekenntnis sind. Wünscht man den Verlust, welchen die jüdische Religion durch die Religion sVerhältnisse der Kinder in den Mischehen erleidet, zu berechnen, so muß man davon ausgehen, daß Verlust und Gewinn einander ausgleichen würden, wenn die Hälfte der Kinder der jüdischen Religion zufiele. Nach dieser Berechnung ist der durch die Mischehen bewirkte Verlust auf 124 Personen zu schätzen, zu denen noch 6 Kinder aus den rein jüdischen Ehen hinzukommen. Der Verlust anKindem, die die Heimat schon verlassen haben, kann nicht berechnet werden, aber er ist wahrscheinlich nicht groß. Als weitere Ursachen der obenerwähnten Bevölkerungsbewegung der Kopenhagener Juden muß hier die geringere Fruchtbarkeit der jüdischen Ehen und die große Anzahl lediger Personen unter den Juden genannt x) Vgl. auch darüber den Aufsatz von Julius Salomon in dieser Zeitschrift, Jahrg. 1905, Heft 1.

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