Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Bemerkungen zu Fishberg's Theorie über die Herkunft der blonden Juden
- Date
- 1907-06-01
- Page
- Seite 92 (sequence 1)
- Language
- German
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Bemerkungen zu Fishüerg's Theorie Ober die Herkunft der blonden Juden. Von Dr. Elias 1 In einem Aufsatz : ..Zur Frage der Herkunft des blonden Elements im Judentum" (diese Zeitschrift, Heft 1 und 2, 1907) führt Fishberg, der verdienstvolle jüdische Anthropologe, die großen Mengen blonder Juden, die in Mittel- und Osteuropa beobachtet werden, im wesentlichen auf Vermischungen der Juden mit Slaven während des Mittelalters zurück. Diese Deutung, die sich an frühere Theorien von ßroca, Lagneau u. a. anlehnt, ist zur Zeit nicht die herrschende. Seit 15 Jahren gilt als plausibelste Erklärung die von Sayce, Alsberg und Luschan gegebene, daß die Blonden durch antike Vermischung mit Amoritern bereits in Palästina in den jüdischen Stamm eingedrungen sind. Gegen diese Hypothese, die ich ausführlich in einer demnächst erscheinenden Arbeit kritisiert habe, führt auch Fishberg richtig aus, daß nach ihr die Prozentzahlen der blonden Juden in allen Ländern ziemlich dieselben sein müssten, was durchaus nicht der Fall ist. Hinzuzufügen ist noch, daß nach dieser Hypothese die Zahl der reinen Langschädel unter den Juden erheblich größer sein müsste. — Auf welchen Grundlagen ruht nun die Annahme Fishbergs, und wie weit reicht sie zur Erklärung der Tatsachen aus? Wenn die blonden Juden Osteuropas auf lokale Mischungen mit slavischen Stämmen in neuerer Zeit zurückgeführt werden, so müssten sich Beziehungen ihrer Zahl zu den Zahlen der Blonden unter den verschiedenen slavischen Stämmen zeigen. Solche Beziehungen, die er in der Körpergröße und der Kopfform gefunden zu haben glaubte, haben Fishberg überhaupt zu dieser Theorie gebracht. In Wahrheit aber zeigt sich in der Pigmentierung keine Spur solcher Beziehungen, obwohl sie hier am deutlichsten sein müssten. Die Polen Russisch-Polens weisen nachElkind 78,37 % Dunkelhaarige, 21,62 % Hellhaarige auf, die polnischen Juden New-Yorks nach Fishberg 85,7% Dunkelhaarige, 11,12 % Helluerbach, Berlin. haarige. Grade umgekehrt liegen die Zahlen für die einheimische Bevölkerung Littaueiis und Weißrußlands; hier ist das Haar bei den Litauern in 16,4 % dunkel, in 83,6 % hell, bei den Weißrussen in 23,3 % dunkel, in 76,7 % hell. Die Juden haben aber auch hier 83,7% Dunkelhaarige, 14,09 % Hellhaarige. Genau dieselben Ziffern für die Haarfarbe bieten die rumänischen Juden, 83,33 % dunkle, 14,67 % helle, obwohl sie hier unter einer sehr dunkeln Bevölkerung leben, die 92,93 % dunkelhaarige und nur 6 °/o hellhaarige Personen aufweist. Ganz dasselbe gilt für die Augenfarbe. Die meisten dunkeln Augen — 62,82 % dunkle gegen 37,18 % helle — hat man unter den Juden in Littauen gezählt, obwohl hier die helläugigste Bevölkerung lebt, in der sich : 13,9 % dunkle und 86,1 % helle Augen finden. \ Fast am wenigsten dunkle Augen — 48,67 %; dunkle gegen 51,33 % helle — finden sich i unter den rumänischen Juden, während die Rumänen 64,8 % Dunkeläugiger und 35,2 % | Helläugiger zeigen. Es besteht also gar keine Beziehung zwischen; der Pigmentierung der osteuropäischen Juden und der ihrer Umgebung. Das gibt auch Fishberg in seiner großen 1905 erschienenen | Arbeit zu (siehe das Referat in diesem Heft),! und das spricht sehr stark gegen seine Annahme. Weiter aber: Woher sollten die Mischungen kommen, die stark genug waren, um 10—20% Blondhaariger und 45—50 % Helläugiger unter die Juden zu bringen? Diese Annahme entbehrt der geschichtlichen Grundlage; denn der Meinung Fishbergs wird sich wohl niemand anschließen, daß die Gewalttaten an jüdischen Frauen während der Judenverfolgungen zur Erklärung hinreichen. Und von freiwilligen Mischungen ist so gut wie gamichts bekannt. Die Hypothese Fishbergs versagt auch an einem andern wichtigen Punkte. Am meisten Blonde sind bisher unter den deutschen Juden