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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-06-01 · Heft 6 (Juni 1907) · p. Seite 87

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 6 (Juni 1907)
Article
Die jüdische Bevölkerung Münchens nach dem Stande vom 1. Dezember 1905
Date
1907-06-01
Page
Seite 87 (sequence 2)
Language
German
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— 87 — Rückblick über die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in München bietet die Tabelle I. Tabelle L Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in München von 1810 bis 1905. Jahr der Erhebung 1810 1818 1830 1840 1852 1867 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 «.§ ^•ö S ~"1 ,-2 'T <- 'S z 3 t £ > s £ £2 380 479 825 1423 1208 2097 3475 4144 4854 6108 7167 8739 10056 -6 B ss c n - s — o g JC n-O u O 85 g * £ f. §U > e-ga gp JELs: 0,94 1.04 liOo 1,72 1,18 1,23 1,7 1,8 1,8 1,7 1,7 U 1,9 0,9 2,4 2,1 4,2 6,77 7,70 9,04 11,33 13,35 15,84 18,17 **4 " © s £ 2,0 2,0 2,1 2,0 2,0 2.0 o o c: Ö 3 ~ 'S I g g 04 * 1,6 1.6 i;g 1,5 1,5 1,5 1,6 In der Gesamtzahl der in München lebenden Juden ist im 19. Jahrhundert (mit Ausschluss der Periode 1840—1852) eine fortgesetzte Zunahme zu verzeichnen. Dieser absoluten Zunahme entspricht jedoch nicht immer eine prozentuale Zunahme. Einmal ist naturgemäß entsprechend dem absoluten Zifferrückgang in der Periode 1840—1852 in diesem letzten Jahre auch der Prozentsatz ein erheblich niederer (1,18% gegen 1,72% im Jahre 1840); sodann aber ist auch 1867 der Anteil der Juden (trotz starker absoluter Zunahme) noch nicht ein so grosser wie 1840 (1,23% gegen 1,72%). Auch nach dem Jahre 1875 ist die nun fortgesetze absolute Zunahme nicht immer von einer prozentualen begleitet: von 1885 auf 1890 ist ein geringes Sinken in letzterer Ziffer zu verzeichnen (1,8 % auf 1,7 %). Auf 1,7 hält sich der Prozentsatz bis 1900, um in der letzten Zählung 1905 den bisher höchsten Anteil von 1,9% zu erreichen. Gehen wir auf die Ursachen, die diesen Erscheinungen zu Grunde liegen, ein, so wird einmal gesagt werden müssen, daß dieselben nur zum allergeringsten Teile in der Bevölkerungsbewegung — (d. i. der Geburten- und Sterbefälle) — zu suchen sein werden. Wäre diese ausschlaggebend, so müsste die Zahl der Juden in München besonders auch in den letzten Jahrzehnten eine fortgesetzte Abnahme aufweisen, denn die Zahl der jüdischen Geburten nimmt ununterbrochen ab, mehr ab als die der Christen und die Sterbeziffer folgt in der Abnahme nicht in gleicher Weise. *) Die Ursachen liegen vielmehr in der Bevölkerungswanderung: der Zuwanderung bezw. Einwanderung der Juden nach München aus dem Umlande (Land und kleinere Städte) wie aus dem Auslande. Bei Erforschung der Gründe, die auf die Zu- und Einwanderung bestimmend wirken, werden zwei Perioden zu unterscheiden sein: einmal die Zeit bis 1867 und zweitens die Zeit nach 1870. Bis 1867 waren es vor allem politische Gründe: durch Gesetz war die Ansässigmachung der Juden in der Stadt erschwert. Zwar wurde 1813 das Juden- I edikt erlassen, welches den Juden den Ge-! werbebetrieb freigab; aber wer nur ein wenig; die sozialen Verhältnisse jener Zeit kennt, I wird wissen, daß dies nicht viel mehr als eine! papierene Verordnung war: das Vorurteil gegen; den Andersgläubigen war so fest und ein- | gewurzelt, daß einem Juden wie Ketzer (Pro-; testant) die Aufnahme in eine Zunft — (und I dies war Vorbedingung zum Betrieb eines | Gewerbes) — doch nimmermehr gewährt wurde, j xAumähiich trat jedoch eine Besserung ein; I der Verband der Zunft lockerte sich mehr und i mehr, das Gewerbe außerhalb der Zunft nahm | zu und entsprechend stieg die Zahl der Juden: | 1840 auf 1423=1,72%- Da trat im genannten \ Jahre ein Rückschlag ein: Die Einwan- \ derung der Juden wurde ganz verboten, die | Zahl der jüdischen Familien, die sich in einem \ Orte ansiedeln durften, wurde festgesetzt, und! das schon bestehende (aber zumeist übertretene) Verbot des Hausierhandels für die Juden l) Vergl. Ruppin, die Juden der Gegenwart, Berlin; 1904 S. 45 ff. bes. S. 60 61.! Thon, die Bewegung der jüdischen Bevölkerung ■ in Bayern. Zeitschrift f. Dem. u. Stat. d. Juden, I. Jahrg. | Nr. 8.

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