Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung Preußens im 19. Jahrhundert mit besonderer Berücksichtigung der Zeit von 1816 - 1875
- Date
- 1907-05-01
- Page
- Seite 72 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2650397-3187638-3187644-3189393--1101-3189428- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Schließungenr). Dies muß umso mehr befremden als doch die Juden der damaligen; Zeit noch zäh am alten Glauben festhielten.; der die Heirat als gebieterische religiöse Pflicht j erklärt. Am ehesten wäre noch an eine verschiedene Zahl der im heiratsfähigen Alter; stehenden Personen bei Christen und Juden; zu denken, eine Annahme, die jedoch, wenn | man nach den in den Jahren 1840/61 vor-! genommenen Erhebungen urteilen darf, nicht j stichhaltig ist; durchschnittlich befanden sich j nämlich in diesem Zeitraum unter 1000 Christen! 32,3, unter 1000 Juden 32,2 über 14 Jahre alte j unverheiratete (ledige, verwitwete oder ge-; schiedene) Personen. 1 Tabelle Weiter kann im Rahmen dieser Ausführungen auf die Ursachen der geringen Häufigkeit der Eheschließungen bei den Juden ni cht ei n <r e 2'aniren werden hinzugefügt sei nur noch, daß die Heiratsziffer im Zeitraum 1840 07 bei den Juden auf 7,04 %0 gestiegen, bei den Christen dagegen auf 8.64 %0 herabgegangen ist; immerhin ist der Unterschied noch groß genug und in neuerer Zeit hat sich wieder eine Änderung zu Ungunsten der Juden bemerkt.) a r gema cl 11. Tabelle III gibt über die eheliche F r u c Ii t b ar k e i t bei Juden und Christen Auskunft. Die von 1820—50 zu beobachtende größere Fruchtbarkeit der Juden findet neben III. in de n J a h r c n Zahl der Eheschließungen*) Zahl der ehelich Geborene?] Auf 1 Eheschließung entfallen durchschnitt!. Geburt. zwischen Christen zwischen Juden Christen Juden bei den Christen i bei den Jaden 1820-1830 1174408 11485 5087144 j 59661 4,33! 5,19 1831—1840 1234830 13385 4992945 1 02117 4,04! 4,04 1841—1850 1386222 14878 5721904! 74459 4,13 | 5,01 1851-1860 1462749 1«7 it 0208171 I 79331 4|24 i 4,23 1861-1860 948731) 120()it 4108459! | 49386 4,31» | 3,90 1875—1884 213422(> 25108 9864921; 109153 4,62 \ 4,34 I 3,49 1885—1894 2376257 25772 10450638! 89966 4.40 1895—1900 1637455 10655 6856018 j 47227 4J9 | m 1875—1900 6147938 67595 i 27178177 246346 4,42 3,64 *) Bis 1875 wurden Mischehen nicht besonders ermittelt, in unserer Tabelle halb den Christen, halb den Juden zugezählt. dem niedrigen Heiratsalter der Männer und namentlich der Frauen ihre Erklärung in dem Umstände, daß in jener Periode kraft des Ansehens, das die alte heilige Überlieferung noch besaß, der Jude seinen Stolz darein setzte, möglichst viele Kinder sein eigen zu j nennen. Als dann von vielen die alten Ani schauungen über Bord geworfen werden und : l) In Bayern trelfen auf 1000 Köpfe der Bevölj kerung durchschnittlich jährlich Eheschließungen b. d. Kathol. b. d. Ev. b. d. lud. 1835 36 bis 1859/60 6,3 0,7 5.7 1862/63 bis 1867/68 8,3 8,7 0,6 (Beachte jedoch auch die rechtlichen Beschränkungen, der jüdischen Eheschließungen in Bayern). von da ab wurden die Mischehen (bezw. Kinder aus solchen) mit fortschreitender Emanzipation (18-17, 50,69) große Wohlhabenheit mit ihren Begleiterscheinungen ihren Einzug hält, da geht die eheliche Fruchtbarkeit der Juden immer mehr zurück. Schon im Zeitraum 1851/60 treffen auf 1 Eheschließung bei den Juden etwa nur noch ebensoviel Geburten wie bei den Christen (4,2.'> gegen 4,2-1) und von da ab wird der Unterschied immer größer, so daß das Yerl) vgl. namcntl. Eugen v. Bergmann: Zur Geschichte der Entwicklungdeutscher, polnischer und jüdische r Bevölkerung in Posen seit 1824 (Sammlung Fr. J. Neuiiuinn-Tühingen 18S3). Hier wird die (auch in Posen zu beobachtende) geringe Heiratsziffer der Juden auf soziale Momente zurückgeführt.