Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Armenier und Juden
- Date
- 1907-05-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 66 — einen Vortrag über die ungarischen Armenier.! Die Armenier sind schon früh mit den Magyaren in Berührung getreten. Etwa 100 Familien kamen nach der Zerstörung von Ani; in Armenien im Jahre 1231 nach Siebenbürgen. j Sie sind fast alle wohlhabend und treiben j Handel; vielfach haben sie sich auch den! freien Berufen zugewendet. In früheren Zeiten j waren sie auf den Kleinhandel beschränkt, j und durften keinen Grundbesitz erwerben; I später haben sie dies erreicht, sich im Banate j zahlreich niedergelassen, und sind zu Wohlj stand gekommen; einzelne von ihnen wurden j in den ungarischen Adel aufgenommen, (sowie in Österreich einzelne in den polnischen Adel z. B. v. Abrahamovicz; und heute besteht kaum ein ungarisches Ministerium, in dem j nicht ein Armenier von Abstammung sitzt,; Advokaten, Arzte sind heute in Ungarn sehr j oft Armenier der Abstammung nach. Dieser j lebhafte, intelligente, nüchterne, gewissenhafte,! fleißige, religiöse, am Familienleben hängende j Stamm ist von Anhänglichkeit an den Staat I erfüllt und alle Armenier sind heute trotz der \ ihnen früher erwiesenen Unbilden, begeisterte j ungarische Patrioten. Es liegt im Interesse des ungarischen Staates, die Armenier in jeder Weise zu fördern, und ihnen auch das lange erstrebte eigene Bistum zu gewähren. Xach Ansicht Hermanns liegt eine Förderung der Armenier im politischen Interesse des ungarischen Staates, sowie der Wissenschaft, Ungarns Mission liegt in seinem Ausgreifen nach dem Osten. Hermann hat im Hauptsitze der Armenier, der Stadt Szamos-Uioar i (Siebenbürgen), die auch stets einen Armenier in den Reichsrat entsendet, ein armenisches Museum gegründet, das zum Mittelpunkte j der armenischen Studien w erden soll. j Hier sind also die Mao-varen das Wahl- I o„< | volk; doch läßt sich bei den Armeniern j Österreich-Ungarns auch eine Bewegung ver- | zeichnen, analog der zionistischen. Meie, bej sonders die studierende Jugend, sind der j Zwitterstellung satt, pflegen die halbvergessene j armenische Sprache, und betonen das rein | nationale Moment. Seit Luschan seine bekannte Theorie aufstellte, wurde damit nur ein augenfälliger Eindruck bekräftigt. Jedesmal wenn ich die Schüler der Mechitharisten unter Leitung ihrer schwarzbärtigen Lehrer durch die Straßen Wiens wandeln sehe, fällt mir die Ähnlichkeit der Arminier und Juden auf. In Galizien werden die armenischen Händler von den Bauern für Juden gehalten. Xur ist die Stellung* der Armenier selbst in der Rasseiifrage strittig. Die Sprache gehört dem indogermanischen Sprachstan ni an. Der armenische körperliche Typus hau aber nichts mit der Sprache zu tun. Vielmehr erinnert er auffallend an das uralte Volk der Hethiter. Die neuen Ausgrabungen von Boghazköi, von denen die Köln. Zeitung berichtet, rufen aufs Neue das Interesse für die Hethiter wach. Der 1888 in Tel-Amarna (Ägypten) gemachte Fund eines Archivs, welcher den in babylonischer Keilschrift auf Tontafeln geschriebenen diplomatisclien Briefwechsel der Könige von Ägypten und Babylonien und vorderasiatischer \ asalieniursten aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts vor Christus enthielt, eröffnete eine völlig neue Betrachtung Kleinasiens ein schließlich Palästinas. Er zeigte, daß bis weit in eine für unsere Geschichtsforschung vorgeschichtliche Zeit der ganze Orient von Babylonien bis Ägypten in den engsten kultureilen Beziehungen gestanden hat, daß im zweiten Jahrtausend die hochentwickelte babylonische Kultur das ganze vorderasiatische Gebiet beherrschte und daß auch Palästina vor der Einwanderung der Juden an dieser Kultur teilhatte. Mehr und mehr hat sich neben dem ägyptischen Altertum auch die Kenntnis des arabischen Altertums vor dem Islam erschlossen. In völliges Dunkel war bisher die Vorgeschichte der kl ein asiatischen Yölkerwelt gehüllt. Wir wissen nun, daß im zweiten Jahrtausend in Kleinasien sich ein mächtiges Hethiterreich bis an die Grenze des babylonischen Reichs im Osten und bis nach Syrien im Süden ausbreitete: die Cheta der ägyptischen