Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 3 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Zur Frage der Herkunft des blonden Elements im Judentum
- Date
- 1907-02-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
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— 30 — Ordnung hineingefcrächt werden sollte." (Jüdische Eneyclopädie, Band IV, p. 280). Niemand wird glauben, daß diese Zwangs- Misehehen, die in jener düsteren Zeit bei den Juden alltäglich waren, in dem physischen Typus der Juden in jenen Ländern keine Spuren hinterlassen haben. In anderen nichtskwvisehen Ländern können aus der Geschichte der Juden ähnliche Fälle zitiert werden. Wenn man alle diese Tatsachen in Verbindung mit der großen Anzähl von Blonden unter den Juden in Erwägung zieht, so kommt man zu dem Schlüsse, daß, abgesehen von den Abkömmlingen der alten Amoriter, die jetzt unter den Juden jeden Landes gefunden werden, ein bedeutender Prozentsatz der heutigen blonden Juden slawischen Ursprungs ist, was viel mehr auf heimliche Vermischung als auf offene Mischehen oder Übertritte zurückzuführen ist. Resume. 1. Das blonde Element wird in jedem Lande, in welchem Juden leben, bei denselben angetroffen, jedoch nicht überall in demselben Verhältnis. In einigen Ländern findet man bis zu 30 Prozent Blondhaarige und über 50 Prozent Helläugige, in anderen Ländern ist das Verhältnis viel kleiner, beträgt sogar weniger als 5 Prozent Hellhaarige, wie im Kaukasus, in Nord-Afrika oder Italien. 2. Die blonden Juden in Ost-Europa haben nicht die charakteristischen Merkmale der Teutonen; sie sind nicht größer und langköpfiger als die brünetten Juden, eher trifft das Gegenteil zu. 3. Die Eigentümlichkeit, daß die kurzköpfigen Juden größer und hellfarbiger sind als die langköpf igen, entspricht dem bei der slawischen Bevölkerung in Ost-Europa angetroffenen Typus. 4. Die geographische Verteilung der blonden Juden in Ost- und Mittel-Europa entspricht nicht der bei der nichtjüdischen Bevölkerung beobachteten Kegel. Unter den Christen findet man die meisten Blonden im Norden, während der höchste Prozentsatz der blonden Juden in den südlichen und östlichen Provinzen Deutschlands und Österreichs angetroffen wird. 5. Die Armahme, daß die hellhaarigen Juden die Abkömmlinge der alten Hebräer sind, welche mit den Amoritern Mischehen eingingen, ist keine vollständige Lösung der Frage. Es' ist die Frage, wie es kommen konnte, daß in einigen Ländern der Prozentsatz der Blonden unter den Juden ^rlur zwei Prozent und in anderen Ländern über dreißig Prozent „betr>. Wenn wir außerdem die Tatsache in Erwägung ziehen, daß in Ländern, deren eingeborene Bevölkerung brünett ist) (Italien, Algier, Marokko, Tunis, Kaukasus etc.) die Juden den kleinsten Prozentsatz Blonde haben, so sind wir zu der Annahme gezwungen, daß, selbst wenn Mischehen stattfanden, die Juden den brünetten Typus wieder zurückgewannen. In Ost-, Nord- und Mitteleuropa dagegen, wo die Zahl der blonden Juden eine große ist, konnte dieser Typus nur durch Mischehen erworben werden, denn klimatischeEinflüsse können, inAnbetracht dessen, daß die blonden Juden in den nördlichen Provinzen Deutschlands nicht zahlreicher sind als in den südlichen, nicht in Frage kommen. Statistisches Archiv. Deutschland. Die Taubstummen nach dem Religionsbekenntnis im Deutschen Reich 1902. Nach den Medizinalstatistischen Mitteilungen aus dem Kaiserl. Gesundheitsamt (1905, Bd. 8, 8. 21) betrug die Zahl der Taubstummen im Jahre 1902: Konfession Zahl Evangelische 29 163=59,8 % Katholiken 18 870-38,3 „ Juden 757= 1,6 , Andere 115= 0,2 „ auf je 100000 derselben Konfession 83 92 136