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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-02-01 · Heft 2 (Februar 1907) · p. Seite 29

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 2 (Februar 1907)
Article
Zur Frage der Herkunft des blonden Elements im Judentum
Date
1907-02-01
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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29 —- dem nördlichen Klima zu suchen ist, — in einer Art von Transformismus, wie Darwin es genannt haben würde. Alle Tatsachen weisen vielmehr auf Vererbung als Ursache hin, und dementsprechend auf Vermischung mit blonden Rassen. Nun ist es wichtig festzustellen, ob das blonde Element in alten Zeiten unter die Juden gekommen ist durch Vermischung mit den Amoritem, wie Luschan und andere annehmen, oder ob die Vermischung erst in neuerer Zeit stattgefunden hat. Mir scheint, daß, wenn nur die Vermischung mit den fremden Rassen in Palästina in alter Zeit der einzige Ursprung der blonden Juden wäre, das Verhältnis der blonden Juden heutzutage in jedem Lande dasselbe sein müßte. Es ist jedoch eine Tatsache, daß wir in einigen Ländern, wie im Kaukasus, in Nord-Afrika, in Italien, nur 2—6 Prozent blonde Juden linden, während der Prozentsatz in anderen Ländern, z. B. Deutschland und Galizien, 30 Prozent erreicht. Dies führt zu der Annahme, daß in solchen Ländern, wo die einheimische Bevölkerung ausgesprochen brünett ist, die Juden durch Zwischenheiraten nur den dunklen Typus, den sie besaßen, wieder er. werben konnten, wie es in Nord-Afrika, im Kaukasus und in Italien der Fall ist, während in denjenigen europäischen Ländern, in denen die. einheimische Bevölkerung hauptsächlich dem hellen Typus angehört, sie durch Heirat einen größeren Prozentsatz von Blonden erhalten konnten. Die Tatsache, daß die blonden Juden nicht mit dem nördlichen europäischen Typus übereinstimmen, indem sie nicht größer und* nicht langköphger als die brünetten Juden sind, beseitigt durchaus nicht die Annahme, daß ein großer Prozentsatz der blonden Juden das Produkt der Vermischung mit europäischen Völkern ist. In der Tat hinterläßt die heut, zutage eintretende Vermischung, ich meine die Mischehen, die zwischen Juden und Christen während des 19. Jahrhunderts geschlossen sind, kaum irgend welche Spur bei den Juden. Ruppin nimmt an, daß weniger als 10 Prozder Kinder aus diesen Mischehen beim Judentum verbleiben, und daß über 90 Prozent als Christen aufgezogen werden, sodaß, wenn überhaupt Vermischung mit europäischen Rassen von Einfluß ist, diese Vermischung Platz gegriffen haben muß, bevor die heutigen Mischehen möglich waren. Meines Erachtens haben wir als die Hauptquelle für die Einführung des blonden Elementes ins Judentum die Vermischung in slawischen Ländern während des Mittelalters anzusehen, weil die blonden Juden im allgemeinen dem Typus der blonden Slawen entsprechen, indem sie, wie jene, von kleiner Gestalt und kurzköpfig sind. Der Umstand, daß ein großer Prozentsatz von Blonden unter den Juden in den Ost- und Südprovinzen Deutschlands und Österreichs angetroffen wird, gibt dieser Annahme eine besondere Stütze. Man braucht nur einzelne Details von den neuesten Judenverfolgungen in Rußland zu lesen, die Gewalttaten, die an jüdischen Frauen in Kischinew, Odessa etc. begangen sind, und sich weiter ins Gedächtnis zurückzurufen, daß vom 13.—18. Jahrhundert Judenverfolgungen in den slawischen Ländern an der Tagesordnung waren, und daß der Pöbel in jener Zeit wo möglich noch wilder und tierischer war als die russischen Hooligans von heutzutage. Um nur ein Beispiel zu zitieren, das in keiner Weise allein dasteht, -nämlich die Verfolgung unter Chmielnitzki im 17. Jahrhundert, so wird das Folgende berichtet. „Nach achtzehn schweren und martervollen Monaten konnten die Juden wieder frei atmen. Allen, welche unter der Drohung mit dem Tode zur griechischen Kirche übergetreten waren, erlaubte der König, zu ihrem früheren Glauben züruckzukehren. Jüdische Frauen, die zur Taufe gezwungen wurden, flohen in Massen von ihren Kosaken-Männern, die ihnen aufgedrungen waren und kehrten zu ihren Familien zurück. Der Council of Four Lands* (Waad Arba Arzos) arbeitete in seiner Sitzung im Winter 1650 eine lange Reihe von Maßnahmen aus, durch welche in die Familien und in das soziale Leben der Juden wieder

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