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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. Seite 9

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Article
Probleme der Anthopologie der Juden
Date
1907-01-01
Page
Seite 9 (sequence 3)
Language
German
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der Vermischung der Juden mit nordeuro- ' päischen Rassen haben. Andere behaupten mit Rücksicht darauf, daß in der Bibel bereits die Existenz von hellhaarigen Juden bezeugt wird, und dass andere Rassen in Palästina blond waren, z. B. die Amoriter, dass die heutigen blonden Juden als die Abkömmlinge der Blonden unter den alten Hebräern und anderen Rassen in Palästina anzusehen sind. Eine dritte Ansicht, die dahin geht, daß die blonden Juden als das! Produkt der klimatischen Verhältnisse der Länder, in welchen sie leben, zu betrachten sind, kann übergangen werden, da sie mit j dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft nicht in Einklang steht. Denn alle gesammelten Erfahrungen über die Farbe des Haares weisen darauf hin, daß klimatische Verhältnisse wenig oder garnichts damit zu tun j haben. — Was insbesondere die Juden anbe-! trifft, so können wir auf die Tatsache hin-! .! weisen, daß auch diejenigen, welche in Süd-d Europa, z. B. Italien, sowie in der Türkei, s im Kaukasus und in Nord-Afrika leben, durch- \ weg mehr oder weniger Blonde unter sich haben, .was natürlich nicht klimatischen Einflüssen zugeschrieben werden kann. Prof. Virchow, welcher fand, daß 82 % der jüdischen Kinder in Deutschland blondes I Haar und 64% helle Augen haben, regte es als wünschenswert an, daß fernere Untersuchungen vorgenommen werden möchten, um festzustellen, ob diese blonden Juden germanischer Abkunft sind, oder ob es wirklich von Anfang an zwei Typen von Juden, einen dunklen und einen blonden, gäbe. Prof. von Luschan ist der Meinung, daß die blonden Juden, ebenso wie die blonden Elemente, welche heutzutage unter den niehtjüdichen Einwohnern von Palästina angetroffen werden, j die Nachkommen der alten Amoriter sind,! ' i und sagt darüber Folgendes : j „Für Syrien können wir zunächst an die Kreuzfahrer denken, und für unsere blonden Juden in I-Curopa etwa an die Aufnahme heller Elemente durch den offiziellen Überj tritt blonder Menschen zum Judentum, und 1 da Bekehrungen von Christen den Juden im Vittelalter wiederholt ausdrücklich verboten wurden, so sind sie tatsächlich nicht selten vorgekommen (sonst hätte ja nicht der mindeste Grund vorgelegen, sie zu verbieten), aber sie werden nie ausreichen, um die grosse Anzahl von 11 % Blonden unter den deutschen Juden zu erklären. Wenn wir aber an manchen Orten in Syrien und Palästina mitten unter den dunkelfarbigen helle Menschen in grosser Zahl auftreten sehen und in einem Prozentsatz, der hie und da nahe an den der Blonden unter den deutschen Juden heranzureichen scheint, so kann uns ein Hinweis auf etliche blonde Kreuzfahrer lange nicht genügen; wir werden vielmehr ernsthaft Umschau halten müssen, ob sich nicht schon in früherer Zeit blonde Völker für Syrien nachweisen lassen. Und dies ist in der Tat der Fall. Die Amoriter, von denen so oft in der Bibel die Rede ist, die grossen Enakssöhne, waren in der Tat ein blondes Volk, wie aus den buntbemalten Darstellungen, die uns die alten Ägypter von ihnen hinterlassen haben, in ganz einwandfreier Weise hervorgeht. Aber ebenso kann es wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß diese selben Amoriter nur ein Zweig jener blonden Völkerfamilie waren, welche in mehr oder weniger deutlichen Resten und auch durch ihre megalithischen Denkmäler für den ganzen Nordrand von Afrika nachgewiesen ist, und in der wir wohl Europäer erblicken müssen, die einst, vielleicht dem Drange nach Wärme folgend, über das Meer nach Afrika gezogen sind, ähnlich wie später so oft germanische Wanderungen Italien überflutet haben, und wie die Sehnsucht nach dem Süden uns allen auch noch heute im Herzen sitzt,--So können wir also die Frage nach der Herkunft der blonden Juden und Syrer als erledigt betrachten." — Aber daß Luschan die Frage bis zum heutigen Tage als nicht völlig gelöst betrachtet, ist aus einer neueren Abhandlung von ihm zu ersehen, die in der ersten No. des ersten Jahrganges der Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden erschienen ist, in

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