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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. Seite 3

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
3 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Article
Der Anteil der Juden an der Revolutionsbewegung in Rußland
Date
1907-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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um etwa 10 Prozent gesunken. Dasselbe lässt j sich von den Protestanten sagen (2,3 gegen 3,5),; welche wohl ihrer im allgemeinen priviligierten Stellung und größeren Wohlhabenheit; wegen die Revolution meiden. Dagegen ist der j Anteil der Polen (= Katholiken), deren Lage in \ mancher Beziehung derjenigen der Juden entj spricht, groß zu nennen. Bemerkenswert ist aber, \ daß seit 1884—1890 der Anteil der Juden auf j mehr als das Doppelte (29 gegen 13,4) gej stiegen ist, während der Anteil der Polen sich; I um ein Viertel (14,4 gegen 19,2) vermindert ) hat, wofür wir weiter unten eine Erklärung j finden werden. Die Juden drängten so die j Polen zurück und nehmen jetzt nach den j eigentlichen Russen die zweite Stelle, die j früher den Polen gehört hat, ein. Auffallend ist weiter die geringe Beteiligung der Armenier, die aber seitdem sehr gewachsen ist und dazu geführt hat, daß sie den ganzen Kaukasus in Aufruhr versetzt haben. Sehr interessant ist auch die Tatsache, daß die Juden die einzigen sind, deren Anteil an j politischen Verbrechen größer ist als an j sonstigen und zwar ist der Unterschied ein! ganz kolossaler, indem die Juden mit 29 Proz. j an politischen und mit nur 5,4 Proz. an Verbrechen überhaupt beteiligt sind. Dies ist umso bemerkenswerter, als bei den übrigen Völkerschaften, wie gesagt, sich ein entgegengesetztes Verhalten konstatieren lässt, indem der Anteil ihrerseits an politischen Verbrechen überall niedriger ist als an den Verbrechen im allgemeinen. Selbstverständlich ist die Anteilnahme der Juden an der Revolution nicht überall gleich intensiv, worüber Tabelle III Aufklärung gibt, Die Beteiligung geht mit dem Prozentsatz der Juden in der Bevölkerung ziemlich parallel. Eine Ausnahme bildet nur der Gerichtsbezirk von Petersburg, was wahrscheinlich darin seinen Grund hat, daß Petersburg ein Hauptzentrum der jüdischen Intelligenz ist. Daß Wilna den ersten Platz einnimmt, ist wohl der Tätigkeit der jüdisch-sozialistischen Organisation, bekannt unter dem Namen „Bund", welche 'hauptsächlich in Nord-West-Rußland Tabelle HI. Verteilung der politisch verfolgten Juden nach den Gerichtsbezirken, Prozentsatz Von 100 polit. der Juden an Gericktsbezlrk Verfolgten der waren Juden Bevölkerung (1897) Wilna.......... 64,9 15,0 Odessa.......... 55,0 13,5 Kiew.......... 48,2 12,0 Petersburg....... 40,9 3,5 Warschau........ 2ö,0 14,0 Charkow......... 18,8 1,4 Irkutsk......... 15,5 0,0 Moskau......... 7,5 0,4 Kasan.......... 4,7 0,1 Saratow......... 1,5 o,i Tiflis.......... i£ 0,(1 operiert und in Wilna ihr Zentrum hat, zuzuschreiben. Verhältnismäßig klein ist die Zahl der Verfolgten im Warschauer Bezirk, wo auch absolut viel weniger Juden angeklagt waren, als im Petersburger Bezirk (278 gegen 409), trotz der ungeheuren Verschiedenheit der Gesamtzahl der Juden in beiden. Bezirken (1300000 im Warschauer gegen 300000 im Petersburger Bezirk). Die Ursache wird wohl in der damals noch ungenügenden Propaganda unter den Juden liegen, denn jetzt haben sich, wie es scheint, die Verhältnisse in Warschau geändert. Auffallend ist, daß im Verhältnisse zu ihrem Prozentsatz in der Bevölkerung die Juden außerhalb des Ansiedlungsrayons bedeutend mehr beteiligt sind als im Ansiedlungsravon selbst. Während im letzteren die Beteiligung im allgemeinen das vierfache ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung kaum übersteigt, erreicht dieselbe außerhalb des Ansiedlungsrayons, in Kasan, das 47fache. Die Ursache dafür wird wohl darin zu suchen sein, dass Charkow, Moskau und Kasan zugleich auch Stätten der höheren Bildung sind, an welchen trotz der vielen Hemmnisse die jüdische Jugend in starker Zahl vertreten ist. Ist schon die russische Studentenschaft im allgemeinen revolutionär genug, so ist ihr jüdischer Teil vielleicht eben jener Hemmnisse wegen noch mehr oppositionell gestimmt.

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