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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1906-12-01 · Heft 12 (Dezember 1906) · p. Seite 185

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
2 (1906)
Issue
Heft 12 (Dezember 1906)
Article
Die jüdische Bevölkerung in Jaffa
Date
1906-12-01
Page
Seite 185 (sequence 5)
Language
German
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— 185 — Ägypten auf. Natürlich finden nicht alle dort, was sie gesucht haben, und selbst wenn sie eine gute Stellung oder einen einträglichen Beruf gefunden haben, wollen nicht alle lange dort bleiben, denn die Ausgaben sind dort sehr groß. Nur ein Teil der Emigranten aus Jaffa, besonders von den Aschkenashm bleibt dauernd in Ägypten, wenn ihnen das Glück mehr oder weniger günstig ist; ein großer Teil zieht nach anderen Ländern weiter oder kehrt nach Palästina zurück. Wir müssen noch darauf aufmerksam machen, daß unter den nach Ägypten Ziehenden manche sind, die lediglich die Absicht haben, die ägyptischen Märkte für palästinensische Produkte, besonders aus den Kolonieen, zu erschließen. So befinden sich darunter vier junge Leute, die im Handel mit Wein aus den Kolonieen beschäftigt sind. Auch darauf muß noch hingewiesen werden, daß viele von den nach Ägypten, Südafrika, Australien, Westeuropa, den Vereinigten Staaten und Argentinien Auswandernden ehemalige Zöglinge der Knabenschule in Jaffa oder der Ackerbauschule in Mikweh-Jisrael sind. In diesen beiden Schulen wird neben den Elementarfächern fast nur französisch gelehrt; in der Landessprache, dem Arabischen, haben die Schüler nur ungenügende Kenntnisse, deshalb findet ein großer Teil von ihnen schwer Anstellung in Jaffa. Erst in den letzten Jahren hat sich dies etwas gebessert, nachdem die jüdischen Fabriken sich vermehrten und auch Handwerker und Vertreter neuer Berufe hinzukamen, die alle großen Bedarf an Gehilfen hatten. So ist es für die jungen Leute jetzt leichter, auch in Jaffa Anstellung zu finden oder ein einträgliches Handwerk zu erlernen. Diejenigen, die die Schule in Mikweh-Jisrael absolviert haben, und dort Spezialkenntnisse in der Landwirtschaft erworben haben, suchen Gelegenheiten, ihre Kenntnisse praktisch zu verwerten. Deshalb ziehen alle, die keinen Boden pachten können, nach Ägypten und Argentinien, wo sie als Gärtner Anstellung finden. Nach Amerika ziehen hauptsächlich Aschkenasim. Nur ein Sephardi schloß sich diesem \ Strom an. Die meisten ziehen nach den Ver-; einigten Staaten, weil sie dort Verwandte und; Bekannte haben. Sie brauchen nur einige I Briefe zu lesen und darin von den vielen i Dollars zu hören, die einer oder der andere I aus ihrer Bekanntschaft oder Verwandtschaft I dort verdient, so läßt ihnen schon der Ge- \ danke daran keine Ruhe, und schließlich bej wirkt dann irgend ein an sich unbedeutender | Vorfall, daß sie ihre Verwandten bitten, ihnen; eine Fahrkarte zu schicken. Ebenso ist dies | der Fall bei den Auswanderern nach Süd- | afrika und Australien. In Bezug auf die \ letzteren Länder sehen wir jedoch eine einzig | dastehende Erscheinung. Die nach Amerika; Ziehenden kommen dort meist nicht weiter, | und nachdem sie lange Jahre vergeblich her- | umgezogen sind, bringen sie mit großer Mühe j das Reisegeld zusammen, um nach Palästina! zurückzukehren. Die wenigen, denen es gut! geht, bleiben lieber in den Vereinigten Staaten. Ganz anders ist es mit den Auswanderern nach Südafrika und Australien. Sie finden fast alle ihr gutes Fortkommen, aber sobald sie eine gewisse Summe Geldes erworben haben, kehren sie meist nach Jaffa zurück. Dasselbe ist auch mit den Kolonisten der Fall, die nach diesen Ländern gezogen sind. Lmter den Einwohnern Jaffas sind viele Handwerker und Kauf! eute, die zum zweiten und dritten Male nach Jaffa gekommen sind. Nur die aus Südafrika und Australien kamen, brachten Geld heim, die aus den Vereinigten Staaten kehrten meist mit leeren Händen zurück. Die sicheren LTrsachen dafür sind kaum anzugeben, man kann nur vermuten, daß es in den Vereinigten Staaten wegen der großen Zahl! von Einwanderern viel schwerer ist, vor- | wärts zu kommen als in Südafrika und Aus- | tralien; es gibt noch andere Vermutungen. | Wir wollen nur auf das Faktum aufmerksam | machen, daß gerade die nach. Südafrika und | Australien Ziehenden trotz ihres besseren Fort- | kommens doch nach einigen Jahren schon j nach Palästina zurückkehren. Wir glauben. | daß dos seine psychologischen Gründe hat.

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